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Foto nordische Landschaft

12. September 2009

Summer Breeze 2009, Donnerstag: Hilfe, die Metaller kommen!


Was in Finnland längst zum Alltag gehört, wirkt in ländlichen Gegenden Bayerns (noch) erschreckend: Folglich werden Mitte August in Dinkelsbühl eigens zum Summer Breeze(!) Transparente mit religiösen Botschaften aufgehängt. Die Kirche hat wohl Angst um ihre Schäfchen, denn plötzlich wimmelt es in dem Dorf – pardon der großen Kreisstadt – von schwarz gekleideten, langhaarigen Gestalten mit »satanischen« T-Shirts. Irritiert bis misstrauisch beäugen die Bewohner das Geschehen.

Obwohl das Summer Breeze bereits zum vierten Mal in Dinkelsbühl stattfindet, können sich die Ansässigen anscheinend (noch) nicht mit dem Anblick der Metalfans anfreunden, die mit 25.000 Besuchern insgesamt die Einwohnerzahl des Örtchens weit überschreiten. Irgendjemand – ein Sozialpädagoge? – kam daher auf die Idee, den Dinkelsbühlern eine Führung über das Gelände anzubieten (siehe Samstag). Vermutlich um zu demonstrieren, dass »die« nur etwas anders aussehen, aber eigentlich ganz nett sind und nur feiern, trinken und Musik hören wollen – so ähnlich wie auf einem bayrischen Volksfest. …ob die Maßnahme erfolgreich war, wird sich zeigen.

Beim Summer Breeze 2009 spielen vom 12. bis 15. August auf zwei Openair-Bühnen (ohne Überschneidungen) und parallel dazu im Partyzelt 90 Bands, fast rund um die Uhr. Das »Pre-Summer Breeze« begann bereits am Mittwoch, 12. August, nachmittags im Partyzelt mit einem Newcomer-Wettbewerb, dessen Gewinner den Folgetag auf der »Pain Stage« eröffnen darf.  Für den Großteil der Besucher beginnt das Festival erst am Donnerstag, so auch für uns von nordische-musik.de, die der große Anteil nordischer Bands nach Bayern zog (AdR: Nach 12 Jahren(!)wieder auf einem deutschen Festival).

Kill and Destroy

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Nach problemloser Anreise ohne Wartezeiten – nicht nur für die Presse, die eine eigene Zufahrt zum eigenen Camping hat – ist der Zugang auf das Festivalgelände selbst erheblich schwerer: Hier wurde nicht an einen Extra-Eingang gedacht und man braucht so unnötig lange zu den Bühnen. (AdR: … von den jedes Mal wechselnden »Einlass-Regeln« mal ganz abgesehen.)

Daher verpasse ich die erste finnische Band – Katra. (AdR: …die live genauso schaurig klingen wie auf CD. Von der üblen Coverversion »Hijo de la Luna« ganz zu schweigen. Absolut nichts verpasst). Ist jedoch nicht weiter schlimm, da ich mir stattdessen die niederländische Version, Epica, am Samstag ansehen kann. Denn sowohl optisch als musikalisch sind die beiden Bands nahezu austauschbar: Harte Gitarrenmusik, gespielt von schwarz gekleideten, langhaarigen Männern, dazu theatralisch heller Gesang, vorgetragen von hübschen Frauen mit rot gefärbten Haaren – spätestens seit Nightwish nicht mehr wirklich originell. (AdR: …wobei Tarja Turunen wenigstens singen kann.)

Die erste Band für mich ist Vader aus Polen auf der Main Stage, die keine Überraschungen bietet, aber das erwarten die zahlreich erschienen Fans auch gar nicht. Stattdessen gibt’s wie gewohnt harten Death Metal zum Bangen. (AdR: Nana, nicht so respektlos, Vader sind ein Metal-Urgestein und veranlassten immerhin den Gitarristen Sobo zur Gründung von Jack Slater. Nur: Warum spielen Vader so früh?)

Leider bremsen die auf der Pain Stage anschließenden Grand Magnus mit ihrer unmotivierten Show die gerade in Schwung gekommenen Zuschauer ziemlich aus. Einige laufen daher wie ich von den Schweden weg, und ins Partyzelt über. Dort eröffnen die ziemlich heftigen Jack Slater aus NRW die Party = Haare schwingen. Dies kann man hier wie ebenso bei vielen der nachfolgenden Zeltbands – wie Hate Eternal und Suffocation – ausgiebig tun. (AdR: Man merkt, dass der Jack Slater-Fronter Horn aus Köln kommt: Er lässt es sich nicht nehmen die – leider nur halbstündige – Spielzeit immer wieder mit spaßigen Ansagen zu unterbrechen. Zitat: »so viele hässliche Menschen haben den Weg ins Zelt gefunden«.)

Jack Slater

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Mich zieht es aber zurück unter den freien Himmel: Auf der Main Stage spielen inzwischen Unheilig – was macht diese Band auf einem Metalfestival? Von »neuer deutscher Härte« ist nix zu spüren, man fühlt sich eher an Marius Müller-Westernhagen erinnert. Bezeichnendenerweise heißt ihr größter Hit, den sie natürlich auch spielen …»Freiheit«. Immerhin kann man dank deutscher Texte gut mitsingen /-grölen. Das geht bei der nächsten Band auf der Hauptbühne, JBO ebenfalls ganz gut. Die gealterten »Blödelmetaller« bieten großen Unterhaltungswert und Publikumsanimation – genau das richtige für den allgemein langsam ansteigenden Alkoholpegel.

Doch schließlich sind wir ja nicht zum Spaß hier – deswegen wird bei Walls of Jericho wieder gebangt, Mosh- und »Circle-Pits« werden eröffnet. Die amerikanische Metalcore-Band ist übrigens die einzige auf den Openair-Bühnen, bei der die Fronterin nicht lieblich singt, sondern schreit und grunzt.

Eine gute Einstimmung auf die deutschen Metalveteranen Kreator: Bei ihnen warten natürlich alle auf die klassischen Ansagen »Seid ihr bereit euch gegenseitig umzubringen?« und »Ich will ein Mosh Pit sehen!« …und natürlich kommen sie. (AdR: Gut, im Laufe ihrer x-jährigen Bandgeschichte könnte Mille sich langsam mal ein paar neue Ansagen ausdenken, das Set ist ohnehin fast immer und überall das gleiche aber geil: »Hords Of Chaos«, »Betrayer«, »Ennemy Of God, »Pleasure To Kill«, »Extreme Aggressions«, »Coma Of Souls«. Jep, komplett durchgebangt. Forza Mille!)

Grand Magus

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sb09_gm2 Die Backyard Babies gönnen den Festivalbesuchern dito keine Atempause: Die schwedischen Punk’n’Roller liefern eine weitaus bessere Show, als beim Clubkonzert letzten Herbst in Köln. Mag auch daran liegen, dass sie mehr alte Songs wie »Brand New Hate«, »Star War« oder »Highlights« spielen. …allerdings scheint sie dieser temporeiche Auftritt derart zu erschöpfen, dass sie die Bühne zehn Minuten früher als erwartet verlassen.

Zum Glück kommt danach etwas zum Entspannen: Cantus Buranus aus Deutschland. Hm, vielleicht zu entspannend: während die einen andächtig lauschen, schlafen die anderen mit offenen Augen.
sb09_gm3Wieder andere versuchen sich durch »total unpassendes« (O-Ton Fans) Crowdsurfen wach zu halten – und zu bewegen: Denn inzwischen ist die empfindliche Kälte eingetreten, die hier jede Nacht herrscht. So stellt sich aber immerhin auch für die von Katatonia enttäuschten Fans – der Sound war eher bescheiden – der angekündigte Gänsehautfaktor ein.

Hiermit findet der ansonsten ganz im Zeichen des Death Metals stehende erste Tag einen leider etwas lahmen Ausklang – zumindest was die Openair-Bühnen betrifft. Im Zelt geht’s mit Suffocation, Carnifex und The Faceless noch weiter bis morgens um 4 Uhr.

© Fotos: natte, Text: Yvette / natte

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