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Foto nordische Landschaft

14. September 2009

Summer Breeze 2009, Samstag: …die Anwohner kommen

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Schattensuche.

Und täglich grüßt die Merchandising-Meile… (siehe Freitag) Einige Besucher sind mittlerweile angepisst davon, mehrmals täglich vom Eingang/Partyzelt den langen Weg an diversen Merchandising-Ständen vorbei bis zu den Openair-Bühnen laufen zu müssen.

…vielleicht wollten die Veranstalter durch die erzwungenen »Fußmärsche« jedoch nur einen gesunden Gegenpol zum Alkoholkonsum und absolut vielfältigen Essensangebot zu fairen Preisen setzen.

Samstag: Pain and Death

Doch noch liegen die meisten im Zelt – und werden wie ich von der Hitze und den »lieblichen« Klängen der französischen Death Metaler Benighted aufgeweckt. Das Konzept, die Bands abwechselnd auf den Hauptbühnen spielen zu lassen, damit man alle sehen kann, ist super. Aber muss man schon um 11 Uhr morgens damit anfangen? Bevor ich richtig wach werde, ist das Konzert auch schon vorbei.

Gespannt bin ich auf die finnische Combo Black Sun Aeon, die erst letztes Jahr gegründet wurde (AdR: …übrigens von Before The Dawn-Fronter Tuomas Saukkonen). Für die düstere Musik ist es aber eindeutig zu sonnig und zu früh. Außerdem sehen die drei Leutchen, die sich dazu kaum bewegen, auf der Bühne etwas verloren aus. Die sollte ich wohl besser mal bei einem Clubkonzert ansehen.

sb09_btd6Die dänischen The Storm sind leider gar nicht stürmisch, sondern eher poppig. Deswegen hören sich wohl die meisten die Band als Radioersatz-Frühstücksmusik vom Zelt aus an. (AdR: An Mikro steht hier übrigens Pernille Rosendahl, die das Volbeat-Stück »Mary Ann’s Place« mit Michael Poulsen im Duett singt).

Erst zu Before The Dawn bewegen sich die Festivalbesucher langsam wieder in Richtung Bühne. Ebenso drängen sich  ungewöhnlich viele Fotografen für die Uhrzeit im Graben. Kein Wunder: Die finnischen Dark Metaler sind zwar nicht schön, aber sehr fotogen. …und die Wasserschläuche kommen erneut zum Einsatz.

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Bei Grave wird weiter geschwitzt: Ohne sich auch nur die Zeit für eine Ansage zu nehmen, spielt die schwedische Death Metal-Band ein Kracher nach dem andern und gönnt dem Publikum keine Erholungspause. Die bekommt es dann bei Krypteria, die für meinen Geschmack etwas zu poppige und zu eingängige Melodien samt entsprechenden Texten haben.

Die Niederländer Born From Pain wollen ihre Schmerzen wohl an das Publikum weitergeben …in Form von tödlicher Langeweile. Eine Band, die man schon gefühlte tausendmal in leichten Varianten gehört hat. Auch ihre Landsmänner Epica bieten musikalisch nix wirklich neues: Harte Gitarren kombiniert mit hellem Frauengesang. Aber immerhin ist sowohl für die männlichen als auch die weiblichen Zuschauer dank Sängerin Simone Simons und Gitarrist Mark Jansen etwas fürs Auge geboten.

Brainstorm

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Brainstorm guck ich mir vom Pressebereich aus an (AdR: …während ich ein paar Fotos von den Schwaben um Andy B. Franck schieße. …und gerade noch rechtzeitig zurück bin, für das folgende Spektakel:)
Allerdings fesselt schnell ein anderes Geschehen meine Aufmerksamkeit: Ein Teil des Pressebereichs wird für »special guests« abgesperrt. Schnell gehen Gerüchte um, irgendeine bekannte Band sei zu Gast und alle erwarten gespannt die Ankunft.

Ich erfahre jedoch von einer zufällig neben mir sitzenden Eingeweihten den wahren Grund: Die Dinkelsbühler, die sich trotz Anwohnerfreikarten(!) nicht auf das Festival trauen, dürfen an einer Führung übers Gelände teilnehmen – und im »sicheren«, abgetrennten Pressebereich Zuflucht suchen, vor den schwarz gekleideten Langhaarigen. Amüsiert stellen sich Fotografen um die Eingezäunten auf und knipsen die »mutigen« bayrischen Familienväter und Hausfrauen in der Höhle des Bösen.

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Bei Evergreen Terrace aus den Staaten leg ich mich auf meine persönliche »immergrüne Terrasse« vorm Zelt um etwas zu chillen – gelingt bei Metalcore natürlich nicht wirklich. So bewege ich mich zu Moonspell wieder Richtung Bühne. Die Portugiesen, mit ihrem großen Hit »Vampiria«, beschweren sich »schon wieder« im Tageslicht spielen zu müssen, liefern aber dennoch eine gute Show: Sie erstarren zwar nach wie vor bei Klassikern wie »Opium«, bewegen sich aber ansonsten unerwartet viel. Auch der Sound ist härter als normalerweise.

Gute Einstimmung auf Legion Of The Damned, die härteste Band auf den Openair-Bühnen: Die niederländischen Thrasher bringen selbst den letzten Zuschauer endlich in Bewegung. (AdR: …ich komme mir schon wieder vor wie beim Familientreffen von »It«, siehe Tuska).

Die heimlichen Headliner Volbeat lassen mit ihrer Mischung aus Punk’n’Roll, Country und Ska-Einflüssen Partystimmung aufkommen. Das Publikum macht dementsprechend brav die dazu passenden Partyspielchen mit, die sich die Dänen ausgedacht haben. Die Liedanfänge erinnern jedoch verdächtig oft an die anderer Bands, wie Manson oder Turbonegro. (AdR: …und ihr spaßiges Misfits-Cover »Angelfuck« steht erneut auf der Setlist). Mit der kleinen Überleitung zu Slayers »Raining Blood« am Ende von »Soulweeper« lassen die »Guitar Gangsters« dann auch keine Zweifel aufkommen, wo ihre Wurzeln liegen.

Passender Übergang zu einer Band, die fast eben so lange im Geschäft ist wie Slayer: Voivod. Da ich sie bereits gesehen habe, werfe ich noch mal ein Blick ins Partyzelt, wo gerade Bury Me Deep spielen – das mir als Geheimtipp empfohlene Nebenprojekt des End Of Green-Sängers Michelle Darkness. Diese entpuppt sich aber eher als Teenie-Kuschelband – ich habe das Gefühl den Altersdurchschnitt des Publikums um mindestens fünf Jahre zu heben.
(AdR: …und ich erst.)

Epica

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Also wieder zurück zu den Openair-Bühnen, wo Opeth gerade zu spielen beginnen. Doch schon während des ersten Lieds fällt ein Techniker auf, der hektisch am Gitarren- und Verstärkerkabel von Fredrik Åkeson herumhantiert. Das nützt aber nix, der Sound klingt – laut Sänger Mikael Åkerfeldt – weiterhin »like shit« und das Konzert wird nach dem ersten Lied unterbrochen. Ziemlich unprofessionell kommuniziert erstmal kein Bandmitglied mit dem Publikum, bis der Sänger meint, normalerweise »rede er ja einen Haufen Scheiße, aber ausgerechnet jetzt falle ihm nix ein«. Daraufhin kommen ihm der Keyboarder und der Drummer eilig mit einer improvisierten Jamsession zu Hilfe, bis das technische Problem scheinbar behoben ist. Doch nach dem zweiten Song müssen Opeth erneut unterbrechen und improvisieren einen Popsong. Danach funktioniert zwar alles, aber die Stimmung ist inzwischen ziemlich ruiniert.

Zum Glück spielen zuletzt noch die Deathstars. Mit ihren Hits » Motherzone«, »Tongues« und »Blitzkrieg Boom« bringen die schwedischen Industrial Metal-Rocker die Zuschauer endlich wieder dazu, sich zu bewegen. Das ist bei der nach Sonnenuntergang einsetzenden Eiseskälte auch dringend nötig. Andere Besucher machen sich auf den Weg ins Partyzelt zur abschließenden »Metal Hammer Nacht«, andere treten bereits die Heimreise an.

FAZIT: Summer Breeze 2009 hat bis auf die krassen Temperaturunterschiede und die teils mangelhafte Organisation – anscheinend hatten die Ordner jeden Tag andere Anweisungen wer wohin darf – viel Spaß gemacht hat. Besonders von der abwechslungsreichen Musik war ich (größtenteils positiv) überrascht.

AdR: Apropos Organisation: Die Sache mit den Headliner-Fotopässen – seit wann sind die jeweils DREI letzten drei Bands Headliner? – ist schon etwas irritierend. Ansonsten schließe ich mich meiner Vorrednerin an: Eine sehr gute Mischung der auftretenden Bands gepaart mit fairen Preisen und einer überwiegend freundlichen Crew.

© Fotos: natte, Text: Yvette / natte

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