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Foto nordische Landschaft

02. Oktober 2009

Taipuva Luotisuora: Progressive Rock mit Kantele

Man wächst mit seinen Aufgaben, sage ich gerne, ironisch lächelnd. Nur um mir diesen Satz immer wieder wie einen Boomerang um die Ohren schlagen zu lassen. Einer dieser Boomerangs heißt Progressive Rock. Wenn es um das Verteilen neuer Platten zum Besprechen bei Nordische Musik geht, hat Peter mir wohl in erzieherischer Absicht immer wieder diese Progressive-Alben zugedacht. Seit Jahren macht er das! Will mich wohl zur Fachfrau machen! Von Progressive Rock wusste ich zu Beginn nur, dass er exisiert und nicht unbedingt meine Tasse Tee ist, was die Musikpräferenz angeht. Aber wie war das mit dem Wachsen und den Aufgaben? Also Ohren möglichst vorurteilsfrei aufgesperrt!

In all den Jahren gab es viele rückwärtsgewandte, gänzlich an den haschvernebelten 7oern orientierte Spielarten des Genres zu verarbeiten. Aber, und das ist das Schöne dabei, auch immer wieder unerwartete Entdeckungen zu machen! Wozu vor allem die völlig unberechenbaren Experimentaliste Circle oder die leidenschaftlichen Rebellen Kingston Wall gehörten.

Und jetzt sind es die fünf junge Musiker, die mit unbändiger Experimentierlust, unglaublicher Spielfreude und einem unerwarteten Talent zum Hakenschlagen überzeugen. Ein Progressive-Rock-Album, das bei mir auf Dauerrotation läuft, erstaunlich!taipuva1 Taipuva Luotisuora sind sind lächelnde Stilmixer und leichtfüßige Ausprobierer, die alte Instrumente wie die Kantele gekonnt mit elektronischem Düddelkram verbinden. Jazziges mit Experimentellen. Und das Unglaubliche an ihrem dritten Album »IV« ist, dass es von einer geradezu schwerelosen Leichtigkeit ist, die vom schweren finnischen Waldboden abhebt wie Mary Poppins mit ihrem Regenschirm. Noch besser: Diese Schwerelosigkeit macht lächeln. Und man möchte zu diesem fast ausschließlich instrumental eingespielten, genreüblich ausufernden Songs tanzen, swingen, den Boden unter den Füßen verlieren. Lächeln? Tanzen? Progressive Rock? Geht das überhaupt in diesem sich oftmals viel zu ernst nehmenden Genre? Erstaunlicher- und wunderbarerweise ja!

02. Oktober 2009

Reeperbahn Festival 2009: Freitag 25.9. – Scams, Matthias Hellberg & The White Moose, Emiliana Torrini

reeperbahn_logo

Sie haben noch keine Platte veröffentlicht. Sie haben noch nie ein Konzert in Deutschland gespielt. Heute stehen sie beim Reeperbahn Festival 2009 auf der Bühne der Prinzenbar: Scams. Damit hält das Reeperbahn Festival sein Versprechen: »New International Music« nach Hamburg zu bringen – und das Publikum in der Prinzenbar ist begeistert von den jungen Briten.

reeperbahn_scamsSänger/Gitarrist Andy und Gitarrist Tom suchen wiederholt den Kontakt mit dem Publikum, sie steigen von der Bühne, Andy singt inmitten der Leute, gegen Ende sogar Arm in Arm mit einem Zuschauer – alles gefilmt von einem Begleiter der Band. Der Gitarrist nach dem Song grinsend: »It’s the best show we’ve played. (Pause). Ever«.

Der Frontmann lacht, wendet sich dann an die Menge: »I want everybody to dance« (gesprochen: »daaans«, schließlich stammen die Jungs aus Chester), was das amerikanisierte Publikum zu spontanem Nachplappern verleitet. Und getanzt haben sie fast alle, die Britrocker ließen kaum einen Fuß unbewegt ruhen.

Ganz anders dagegen die nachfolgenden, sehr ruhigen Schweden: Matthias Hellberg & The White Moose, gewandet in die (bisher) »geilsten Kleider des Festivals«, so der ankündigende Moderator. Neben Matthias Hellberg im gelb-blau-rot-karierten Anzug und orange-gelbem Mützensack á la Schlümpfe, garniert mit schwarze Feder und Pailletten verblasst der Bassist im hellen Rüschenhemd, blauen Schlagjeans und karierter Woll-Schildmütze schon fast.

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