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Foto nordische Landschaft

02. Oktober 2009

Reeperbahn Festival 2009: Freitag 25.9. – Scams, Matthias Hellberg & The White Moose, Emiliana Torrini

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Sie haben noch keine Platte veröffentlicht. Sie haben noch nie ein Konzert in Deutschland gespielt. Heute stehen sie beim Reeperbahn Festival 2009 auf der Bühne der Prinzenbar: Scams. Damit hält das Reeperbahn Festival sein Versprechen: »New International Music« nach Hamburg zu bringen – und das Publikum in der Prinzenbar ist begeistert von den jungen Briten.

reeperbahn_scamsSänger/Gitarrist Andy und Gitarrist Tom suchen wiederholt den Kontakt mit dem Publikum, sie steigen von der Bühne, Andy singt inmitten der Leute, gegen Ende sogar Arm in Arm mit einem Zuschauer – alles gefilmt von einem Begleiter der Band. Der Gitarrist nach dem Song grinsend: »It’s the best show we’ve played. (Pause). Ever«.

Der Frontmann lacht, wendet sich dann an die Menge: »I want everybody to dance« (gesprochen: »daaans«, schließlich stammen die Jungs aus Chester), was das amerikanisierte Publikum zu spontanem Nachplappern verleitet. Und getanzt haben sie fast alle, die Britrocker ließen kaum einen Fuß unbewegt ruhen.

Ganz anders dagegen die nachfolgenden, sehr ruhigen Schweden: Matthias Hellberg & The White Moose, gewandet in die (bisher) »geilsten Kleider des Festivals«, so der ankündigende Moderator. Neben Matthias Hellberg im gelb-blau-rot-karierten Anzug und orange-gelbem Mützensack á la Schlümpfe, garniert mit schwarze Feder und Pailletten verblasst der Bassist im hellen Rüschenhemd, blauen Schlagjeans und karierter Woll-Schildmütze schon fast.

Das Quartett zündet Räucherstäbchen an und versinkt fortan völlig in seiner »bekifften« Musik. Es wirkt, als sei es ihm egal, ob das nur eine private Jamsession sei, oder ob sie vor knapp 200 Leuten spielen. Selbstverloren, meditativ, teils mit geschlossenen Augen wippen und wanken die Schweden vor sich hin, selbst der Organist benutzt seine Perkussionsinstrumente sehr dezent.

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Nach einer halben Stunde erwachen sie plötzlich zum Leben, verdoppeln das Tempo, Hellberg zieht sein Schlumpfmütze ab, schüttelt seine halblangen Locken. Die Zuschauer lassen sich sofort anstecken, tanzen wie wild – doch schon das näxte Lied schwelgt erneut in meditativen Klängen. Und so bleibt’s bis zum Ende des Konzerts, das der Sänger mit den Worten »By our albums« beendet. Immerhin signiert Matthais danach die eine oder andere CD, schüttelt diverse Hände und plaudert locker mit den (neugewonnen) Fans.

Von der Prinzenbar laufe ich weiter zum D-Club (Ex-Docks), wo Emiliana Torrini auftritt. »Normalsterbliche« haben leider Pech: Einlass-Stop; dank Pressepass darf ich noch in den gut gefüllten Club hinein.  Wer von der Isländerin nur den »Jungle Drum« kennt, wird live überrascht: Emiliana Torrinis Set ist sehr viel ruhiger als der Radiohit. Die Musik ist getragen, zurückhaltend und lässt ihrer klaren, höheren, aber kräftigen Stimme viel Raum. Nein. Emiliana Torrini klingt überhaupt nicht nach Björk – selbst wenn das jeder behauptet, bloß weil sie ebenfalls aus Island kommt.

reeperbahn_etAls Zugabe spielt Emiliana eine Akustikversion von Lenny Kravitz’ »Fields Of Joy«, das sie so ankündigt: »Ich spiele nun ein Lied von Lenny Kravitz. Ich liebe ihn. And… und… ihr singt mit!« Der Einfachheit halber spricht sie auf englisch weiter: »I try to feel the vibrations, and it feels funny« und greift zur Klampfe. Ihre komplette Band verteilt sich auf zwei Mikros, drei stehen rechts, drei links am Bühnenrand und singen zart mit.
Dann folgt ein finales Lied in voller Besetzung, bei dem Torrini mit geschlossenen Augen am Mikro steht, den Kopf hin und ehr wirft und um kurz nach 1 Uhr ist alles vorbei.

Jetzt bleiben den Feierwütigen nur noch diverse Aftershow Parties – falls sie reinkommen.

© Fotos: Reeperbahn Festival

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