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Foto nordische Landschaft

30. Oktober 2009

September Malevolence: Wie man in Frankfurt durchfällt

Der echte Charakter einer Band erweist sich genau in der Situation, in der sich die schwedischen Postrocker September Malevolence in dieser Woche im kleinen Frankfurter Club Ponyhof befinden: Es ist zehn Uhr und der Veranstalter drängelt schon und es sind drei Konzertgänger da. Oder vier. Am Ende werden es sechs sein. Selbst in diesem kleinen Rahmen ist das wenig. Was nutzt es, sich ein größeres Publikum herzuwünschen? Es kommen nicht mehr Leute zur Tür hereingeströmt. Aus welchen Gründen auch immer.

Dass sie das noch nicht erlebt haben, sagt der Sänger, als die Band auf die Bühne kommt, schon deutlich nach zehn. Das Publikum ist nett genug und rückt geschlossen vor. Verhalten legen sie los, die vier Schweden.septmber-male1 Spielen mit den klassischen Versatzstücken des Postrock, den endlosen repetitiven Schleifen und dem Spiel mit den kleinsten Variationen großer Muster und dem dosierten Hereinsteigern in hochemotionale  Gitarren- und Gefühlsausbrüche. Klingt durchaus viel versprechend. Doch irgendwie wird die Konzertgängerin das Gefühl nicht los, dass die echte Leidenschaft fehlt. Das letzte Quäntchen Hingabe, das bedingungslose Einlassen. Der Sänger macht die Sache mit den Zwischenansagen nicht besser. »Morgen die Show in Berlin ist ausverkauft«, verkündet er demonstrativ. »Wunderbar«, denkt man, »dann sind wir hier in Frankfurt die dummen Provinzbanausen fern der Hauptstadt, die nicht wissen, was wirklich gut ist«. Im Nachhinein betrachtet grenzt dies an Publikumsbeschimpfung. Die Polarbloggerin ist an diesem Abend 35 Kilometer hin und 35 Kilometer wieder nach Hause gefahren, um diese Band zu hören.

Das Konzert läuft nicht wirklich gut. Obwohl September Malevolence in kurzen Momenten abheben und sich in ihren Klanglabyrinthen verlieren. septmeb2Einer im Publikum tanzt sogar, sichtlich angetan. Aber der Band reicht das nicht. Offenkundig.

Nach noch nicht einmal einer Dreiviertelstunde ist Schluss. Der September-Malevolence-Sänger verlässt den Raum und kommt nicht wieder. Wollen wir mal wohlwollend annehmen, dass er dringend auf Toilette muss. Die Band startet die einzige Zugabe zunächst ohne ihn und der zweite Gitarrist ringt sich den öden Gemeinplatz ab, »dass alle Erfahrungen gute Erfahrungen sind«. Ach so. Das muss ich mir merken, wenn mir demnächst eine schlechte Erfahrungwiderfährt. Schließlich bequemt sich der Sänger auf die Bühne und dann ist Schluss. Die Uhren über Sachsenhausen haben noch nicht mal elf geschlagen. »Der Soundcheck hat länger gedauert als das Konzert selbst«, sagt der Ponyhof-Mitarbeiter zwischen Tür und Angel später noch. Aha. Diese Information hat uns gerade noch gefehlt.

Der wahre Charakter einer Band erweist sich dann, wenn sie vor fünf Leuten spielen muss. Und wunderbarerweise gibt es viele leidenschaftlich aufspielende Bands mit Rückgrat, die diese Hürde selbstverständlich nehmen. Wie Lily Electric, 120 Days oder die ebenso beeindruckenden Violent Years. Bleibt als Fazit nur: In Frankfurt eindeutig durchgefallen, September Malevolence. Wie übrigens kürzlich auch der Landsmann Boy Omega, der bei einem leider ebenso spärlich besuchten Gig in den Frankfurter Hazelwood-Studios einen ähnlich uninspirierten Auftritt hinlegte. Fast könnte man daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass schwedische Bands über eine ausgesprochen schwach ausgeprägte Frustrationstoleranz verfügen. Fast.