2:1 für Finnland: Ensiferum, Tracedawn, Metsatöll im Substage

Zwei finnische und eine estnische Kapelle finden am heutigen Donnerstag, 29. Oktober 2009, ihren Weg ins ausverkaufte Karlsruher Substage. Die Mischung reicht von Death (Tracedawn), über Folk (Metsatöll) bis zu Viking Metal (Ensiferum). Dementsprechend trägt der durchschnittliche Besucher den obligatorischen Thorshammer am Halskettchen, wagemutigere haben Trinkhörner an die Hüfte geschnallt – die sie mehr oder weniger gekonnt handhaben, die Bierpfützen sprechen Bände.
TRACEDAWN
Im gut gefüllten Club beginnen Tracedawn kurioserweise zehn Minuten früher als geplant (d.h. ich komme zu spät für den Fotograben). Was sofort auffällt: Der grottenschlechte Sound. Der Bass bollert wie die Sau, den Sänger Antti Lappalainen kann man noch halbwegs hören, das Schlagzeug Perttu Kurttilas schon weniger. Die Gitarren? Fehlanzeige. In den ersten Reihen scheint der Sound besser zu sein, zumindest klatscht das Publikum enthusiastisch.
Weiter hinten kann man immerhin die Gitarristen als Pantomimen bewundern: Bei perfekt inszenierter Helikopter-Rotation der Haare. Plötzlich Gitarrentöne. »Kerry King für Arme«, sagt meine Begleitung zum Solo-Versuch des Gitarristen. Na immerhin hört man ihn. Kurzzeitig. Schade um den schlechten Sound. Dennoch ist das Publikum nach der halben Stunde mit den finnischen Jungspunden mächtig aufgeheizt.
NETSOTOLL – pardon: METSATÖLL

Aufgeheizt? Bei den estnischen Metsatöll um Markus »Rabapagan« Teeäär können sich die Besucher wieder abkühlen. Das Quartett drosselt das Tempo deutlich, klingt für mich mehr nach Folk als nach Folk Metal – oder mit den Worten meiner Begleitung ausgedrückt: »Wenn man hier ‘hoch auf dem gelben Wagen’ anstimmt, wird man sofort gesteinigt. Aber die machen ja auch nix anderes.« Stimmung kommt nicht wirklich auf, was zum einen am erwähnt gemäßigten Klang liegen mag, zum anderen daran, dass vermutlich die wenigsten im Publikum die Band kennen. Ich besitze zumindest »RAUA NEEDMINE« alias »CURSE UPON IRON« und habe derart vorbelastet mehr von den Jungs erwartet. Einzig bei zünftigen Schunkel- und Mitsingtiteln taut das Publikum kurzzeitig auf.
Lassen wir es doch mal zu Wort kommen: »Metsatöll stammen aus Estland. Der Name weckt beim Unkundigen Assoziationen an den Satz ‘Met schmeckt toll’, ausgesprochen nach Verköstigung mehrer Hörner mit selbigem. Dass irgendwo ein Dudelsack oder ähnliches gepfiffen hat – ist eigentlich egal.«

Der Dudelsack nennt sich übrigens Torupill und ist eine estnische Sackpfeife, gespielt von Lauri »Varulven« Õunapuu. Ansonsten schließe ich mich der Meinung an und muss leider sagen: Metsatöll = Net-so-toll.
ENSIFERUM
Doch nun: Vorhang auf für Ensiferum.
Kurzversion:
»Die Helden des Abends. Kraftvoller Brunftgesang, pathetisch vorgetragen von Röcke tragenden Männern mit nacktem Oberkörper. Im Staatstheater heißt das gelegentlich Oper und geht als Kunst durch. Zumindest ab und an.«

Langversion:
Ensiferum um Sänger/Gitarrist Petri Lindroos beginnen wie auf ihrem aktuellen Werk »FROM AFAR« mit dem trügerisch ruhigen Intro »By The Dividing Stream« bevor sie das Titelstück anstimmen. Im Laufe des Abends spielen sie das komplette(!) Album durch, außer dem Song »Stone Cold Metal«. Basser Sami Hinkka hat zu Weihnachten wohl ein paar blaue LEDs für sein Instrument bekommen …und neue Röckchen tragen die Jungs auch. Oder ist das ihre Wintergarderobe?
Statt von der finnischen Flagge inspirierter Valko-Sininen-Röcke präsentieren sie stramme Waden in schottenmustrigen Beinkleidern. Na ja. Ich bevorzuge die blau-weißen – und »VICTORY SONGS«, beziehungsweise »IRON«. Von diesem mogeln sie immerhin »Tale Of Revenge« sowie »Slayer Of Light« in die Werbetrommel für die neue Scheibe, ebenso »Wanderer« plus »One More Magic Potion« von »VICTORY SONGS«, ergänzt durch ein paar Stücke vom Debüt.

Die neuen Songs sind nicht schlecht, aber knallen einfach nicht so rein, wie viele der Alten. Außerdem schmuggeln Ensiferum öfters Konserven-Samples für eben jene neuen Lieder in ihren Auftritt, wie in »The Longest Journey«.
Der Großteil der Meute scheint sich nicht dran zu stören, auf und vor der Bühne wird kräftig gemosht. Das Zusammenspiel von der Band, alias Petri, Sami und Gitarrist Markus Toivonen funktioniert, wogegen sich Schlagzeuger Janne Parviainen und Keyboarderin Emmi Silvennoinen eher bedeckt halten.
Ein paar vom Publikum erhoffte Klassiker gibt’s dann doch noch: Als Zugaben. »Lai Lai Hei« und »Iron« vom gleichnamigen Album mit dem markanten Mitsing-Riff »Daa Dadadaaa« (wahlweise »Dää dädädäää«), den dann inbrünstig Hunderte aus vollen Kehlen brüllen. Leider ist damit der Auftritt der Finnen nach anderthalb Stunden vorbei – ausgerechnet jetzt, wo die beste Stimmung des Abends herrscht.
Ein Trost: Wenigstens Slayer spielen bei ihren Shows (noch) überwiegend ihre Klassiker.
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