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Foto nordische Landschaft

28. Dezember 2009

Liechtenstein, oder: gute alte Mädchenpower

Villeicht hat es sich noch nicht bis Göteborg herumgesprochen, dass das Mini-Staatsgebilde Liechtenstein in Mitteleuropa nicht den besten Ruf genießt und in liberal-konservativen Kreisen einen Ruf als Geldwäscher-Schurkenstaat weghat. Vielleicht fand es das Trio aus Renée, Elin und Ulrika einfach nur ironisch, sich nach einem Alpenländchen zu benennen, in dem das böse Patriarchat noch fest im Sattel sitzt.

Sei es drum, die drei Mädels von Liechtenstein haben die gute alte Weisheit aus den 80er Jahren beherzigt,Liechtenstein press photo dass man frech und aufmüpfig sein und den Stinkefinger zeigen kann, aber immer noch naiv und fröhlich und dabei Spaß haben kann. Jungs? Brauchen wir nicht!

Musikmäßig geht es hier in Richtung 80er-Indiepop, mit einem guten Schuss neuzeitliche Härte und Zitierlust. Das hört sich beim ersten Lauschen nach ach-so-harmlosen Mädchenwohlklangharmonien an, hat aber beim genaueren Zuhören einige Widerhaken und düstere Unterströmungen. Ist beileibe nicht nur harmlos und popverliebt.

Warum kurz vor Jahresschluss Liechtenstein empfehlen? Weil die Mädels gleich Anfang Januar mit einigen wenigen Terminen das erste Mal in Deutschland unterwegs sind. Näheres unter unseren Tourterminen. Und vor allem weil sie im Rahmen ihrer Tour ihr Debütkonzert in Vaduz geben. Vaduz ist die Hauptstadt von? Genau!

(Foto: Jörgen Svensson)

20. Dezember 2009

Die besten skandinavischen Gigs des Jahres 2009

Wo man hinsieht, überall nur Bestenlisten. Alben des Jahres, Songs des Jahres, Alben des Jahrzehnts…und so weiter. An unserer eigenen besten-Alben-Liste für 2009 auf Nordische Musik basteln wir noch, dürften aber bald zu Potte kommen.

Fange ich eben mit einer eigenen kleinen Liste an, mit den zehn besten skandinavischen Gigs des Jahres. Die haben kurioserweise in ihrer Mehrzahl außerhalb von Deutschland stattgefunden.

10. Lily Electric im (damals noch) Bett in Frankfurt-Sachsenhausen: Wie die jungen Dänen das Pech bekämpften, am Abend des Champions-League-Finales vor nur sieben Zuschauern zu spielen, war formidabel!

9. WhoMadeWh0 im Karlstorbahnhof in Heidelberg: Selten so so absonderlich gekleideten Herren so ironisch abgetanzt!

8. Cats On Fire und Goodnight Monsters im Karlstorbahnhof in Heidelberg: Allerliebster großäuigig-ironischer Gitarrenpop.

7. Murmansk (Foto: Tuomas Kohvakka) auf dem Ämyrock-Festival in Hämeenlinna. murmanskKein Widerstand gegen diese heftigen Töne möglich. Ein intensives Lärmgewitter von gewaltiger Unbedingtheit und einer Sängerin, die es fertigbringt, wütend und schüchtern zugleich zu sein.

6. The Crash auf dem Ruisrock-Festival, Turku. Das Abschiedskonzert der Band, die sich auflöst. Eine gute Tausendschaft singt die Songs mit. Bei den Freundinnen kullern die Tränen.

5. Hjaltalín auf dem Iceland Airwaves Festival, Reykjavik, in der Kirche am See, begleitet vom Kammerorchester. Episch, verspielt, lächelnd.

4. Viola auf dem Ämyrock-Festival in Hämeenlinna. Endlich! Endlich! Sehe ich eine meiner liebsten finnischen Bands live. Ein bunter Querschnitt durch ihr musikalisches Schaffen und am Schluss darf sich das Publikum die Zugabe wünschen und ich rufe natürlich »Nuclear Beach!« Und Riku sagt: »Das spielen wir jetzt für nur Dich, Eva-Maria«. Schnief!

3. Joensuu 1685 auf dem Ruisrock-Festival in Turku. Die Finnen bringen es tatsächlich fertig, ihren Überhit »(You Shine) Brigther Than The Light« als Opener zu spielen und danach musikalisch nicht abzufallen. Und das auf der kleinsten Bühne im Nieselregen!

2. Casiokids unplugged und elektrisch verstärkt auf dem Iceland Airwaves Festival in Reykjavik. Die andere Entdeckung des Jahres. Die Norweger sind nicht nur ungemein sympathisch, sondern singen auch noch wie die Engel, aber so, dass man breit grinsend dazu tanzen muss!

1. For A Minor Reflection (Foto: Jón Páll) in den Frankfurter Hazelwood Studios und auf dem Iceland Airwaves Festival in Reykjavik: for-a-minorDie isländischen Postrocker waren vielleicht die Entdeckung des Jahres: Leidenschaftlich, zart, ungestüm. Ich hab da so ein Gefühl, dass sie 2010 mit ihrem neuen Album reichlich Eindruck hinterlassen werden.


19. Dezember 2009

Die Tracedawn-Jungs haben Humor…

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So steht es auf Tracedawns Website unter Tourdaten zu lesen:

January 30, 2010: Backstage, München, Germany (Bavaria) Tickets
February 1, 2010: Longhorn, Stuttgart, Germany (Swabia) Tickets
February 2, 2010: Garage, Saarbrücken, Germany (Saarland) Tickets
February 3, 2010: Markthalle, Hamburg, Germany (Fischkopfia) Tickets

Fischkopfia? Die Jungs haben Humor.
…andrerseits steht »bratwursti« (auch) im finnischen Wörterbuch – und Supermarktregal.

© Foto Tracedawn / Timo Honkanen

17. Dezember 2009

Frank Keil von nordische-musik.de im Interview auf Radio Schwankungen

Unser Kollege Frank Keil von www.nordische-musik.de wurde im Rahmen des Kunst- und Musikfestivals »folk-artNOW! #3 mare balticum« am Freitag, 27. November 2009, in Bremen interviewt – wir berichteten.

Das Interview wird am kommenden Samstag, 19. Dezember 2009, von 16 bis 17 Uhr auf Radio Schwankungen (UKW Bremen 92,5) gesendet. Kurz danach ist es als Podcast über die Website des Radios unter »Folk Art Radio #3 VIER« abrufbar.

17. Dezember 2009

Hafdís Huld oder: Wir glauben jetzt an Elfen

Immer wenn es um Island-Klischees geht, dann tauchen sie auf, diese Geschichten: Dass eine Straße wegen der Elfen, Kobolde oder sonstiger Fabelwesen nicht gebaut werden ann. Oder ein riesiger Umweg gemacht werden musste, damit diese kleinen Leute weiter in Frieden leben können.

Seit wir Hafdís Huld gesehen haben, glauben wir unbenommen, dass es in Island Elfen gibt. Und Kobolde sowieso. Die isländische Sängerin, die schon als 15jährige mit den isländischen Elektronik-Ikonen GusGus durch die Welt tourte, hadfis4hat sich selbständig gemacht. Hat in Island bereits ihr zweites Solo-Album vorgelegt. In dem sie eine sehr eigene Mischung aus poppiger Verspieltheit, verschrobener Eigenwilligkeit, widerborstiger Zickigkeit und mädchenhafter Verspieltheit zelebriert. Mit einer Stimme mit hohem Wiedererkennungswert.

Bei ihrem Konzert im Frankfurter Ponyhof sammeln Hafdís und ihr musikalischer Begleiter Alisdair Wright  schon mal Pluspunkte dadurch, dass sie sich respektvoll und neugierig die lokale Vorband anhören, deren Name mir leider wegen extensiven Schwatzens mit dem Hafdís-Tourpromoter und dem Clubbetreiber entfallen ist. Sorry!

Hafdís Huld herself entpuppt sich als ein Zwitterwesen zwischen Kobold und Elfe. Kaum einen Meter fünfzig groß, rotbestrumpft, kurzberockt, witzig und launig. hafdis-3Nur von ihrem Gitarristen begleitet, spielt sie das wunderbarste Mädchen-Melodram. Mit großer Stimme, mit großem Herzen, mit Spaß an der Absonderlichkeit und dem lustvollen Erzählen von Anekdoten. Wobei sie ihren isländischen Akzent mit dem rollenden Rrrrrs mit Hingabe pflegt. Und das Frankfurter Publikum mit Leichtigkeit um den Finger wickelt, weil sie so neugierig war, die lokale Spezialität Kartoffeln mit grüner Soße auszuprobieren. Goethes Leibgericht! Nicht unbedingt affin zum Reykjaviker  Geschmack.

Es wird ein Abend, an dem viel geschwärmt wird. Hafdís wird angeschwärmt. Und es wird viel gelacht und es wird schon fast geschunkelt, weil es sich zu den garstigen Texten so schön liebhaben lässt. Und fast zum Schluss, man mag es kaum glauben, kriegt man noch Gänsehaut: Dann nämlich, wenn Hafdís Huld es tatsächlich schafft, dem abgenudelten Sam-Brown-Klassiker »Stop« ihre ganz eigene Interpretation abzuringen. Wir staunen. Aber für eine Elfe vielleicht eine Kleinigkeit?

Foto: Betrand Bosredon und Jason Sheldon

 
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