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Foto nordische Landschaft

22. März 2010

Kakkmaddafakka oder: Wer sind her die echten Norweger?

Kleine, einfache Ratefrage: Welche dieser beiden Bands kommt aus Norwegen? Ist das a) Tromsø Beach Club, oder b) Kakkmaddafakka?

Wenn eine Frage schon so suggestiv daherkommt, dann ist es fast ohne Knobelei klar, dass Tromsø Beach Club die Freiburger Ska- und Reggae-Könige sind, eine vielköpfige Truppe mit Unmengen Blas- und Schlagwerk, einem charmanten Akkordeon und einem heftigst badisch sprechenden Sänger.

kkkmaddafakka1Die Norweger heißen Kakkmaddafakka (den komplizierten Namen zwei Mal laut aussprechen, dann ahnt man, was es mit der Bedeutung auf sich haben könnte) und werden sich an diesem Abend als Hauptact im Freiburger Waldsee so ihre Gedanken über lokale Eigentümlicheiten gemacht haben: Ein Support, der sich nach der norwegischen Hafenstadt benennt und einfach nicht mehr aufhört, zu spielen. Kinder, die nachts um zehn mit dem Eimerchen am Waldsee Kröten sammeln und vor bösen Autofahrern retten. Eine euphorisierte Menge, die abends noch den ersten Heimsieg des SC Freiburg im neuen Jahr vom Nachmittag feiert. Merkwürdiges Völkchen, diese Freiburger!

Nicht eigentümlicher als die Norweger selbst! Eine durchgeknallte Meute Jungspunde, die völlig unberechenbar, aber mit umso größerer Leidenschaft die Saloon-Tanzmusikpiraten geben. Kein Stil ist vor ihnen sicher, Hauptsache auf die Instrumente gehauen und das Publikum mit anarchischem Charme zum Abhotten verführen. Das Cello zum Schwitzen bringen. Halbnackig auf dem Klavierstuhl herumhüpfen. Zwei Jünglinge in Ringelhemden, in kurzer Turnhose und wenig schmeichelhaften Kniestrümpfen,  geben die Gogo-Girls im Hintergrund und kultivieren eine Choreographie, die nach Mädchengymnasiums-Sportleistungskurs aussieht. Allerliebst!

kakkmadafakka2Der Rest der sechsköpfigen Truppe hat die schlimmsten Frisuren, die seit vielen Jahren in deutschen Konzertsälen zu sehen waren und die jeden Angehörigen des Friseurberufsstandes wohl mit gezückter Schere auf die Bühne treiben würde. Aber ach, was interessieren hier Äußerlichkeiten, wenn wir Spaß haben, mindestens ebensoviel wie die minderjährigen Nachwuchskräfte auf der Bühne! Die mit Verve und angenehmer Selbstironie wie einst ihre Vorfahren, die norwegischen Piraten, auf Europa-Eroberungstour sind: Mit den Mitteln der Spaßguerilla, der Albernheit und einem sonnig-verrückten Lächeln. Mit wunderbar wilden Harmoniegesängen über alles, was junge Männer so beschäftigt: Mit wem dieses Mädchen außer mir sonst noch knutscht, wie das mit dem Kater morgen aussieht und ob wir überhaupt heute noch ein Mädchen abkriegen, gleich welchen Alters!

Bergen als Hort alternativer Tanzkultur muss man sich nicht erst seit dem Erscheinen der fantastischen Casiokids rot auf der Europa-Karte anstreichen. Kakkmaddafakka geben die dämonisch grinsenden Verführer, die mit Taifunstärke über alles hinwegfegen, was sich in den Weg stellt. Alle möglichen Versatzstücke für ihre Zwecke einspannen, von Two-Tone über Powerpop bis zu Dancefloor und Ska, gewürzt mit der Naivität des Schlagers und freigeistiger Rocklust. Bis das Klavier fast betrunken von der Bühne fällt. Kein Widerstand möglich, auch an diesem verregneten Abend mit Unmengen geretteter Kröten nicht. Freiburg schwitzt. Freiburg tanzt. Selig lächelnd.

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