Dänemark, immer merkwürdiger: Mimas
Fast scheint es so, als wollten dänische Bands zu ihren finnischen Kollegen aufschließen, was Schrulligkeit und Eigenwilligkeit angeht. Waren Speaker Bite Me, Under Byen oder Oh No Ono bereits Musiker, die sich bestens unter die Kategorie »merkwürdige Töne« einordnen ließen, dann sind Mimas würdige Kandidaten, um sich in diese Reihe einzuordnen. Das Quartett spielt, um es ganz grob einzugrenzen, experimentellen Indierock mit Anleihen beim Postrock, was das lustvolle Ausufern angeht.
Wild, unvorhersehbar, ernsthaft, (selbst)ironisch und stellenweise von naiver Feierlichkeit. Die Stimme von Sänger Snævar Njáll Albertsson erinnert bisweilen an Jónsi von Sigur Rós, ist aber viel erdiger, diesseitiger und dem Elfentum zutiefst abgeneigt. Das Quartett ist offen für alle Seitenpfade, die so einladend und geheimnisvoll vom breiten Weg abzweigen: Denen müssen wir folgen! Mit schrägen Harmoniegesängen, hektisch irrlichternden Gitarren und seelenvollen Trompeten, wenn nötig. Manchmal traurig, manchmal wütend, immer eigensinnig.
Mimas sind irgenwie Charakterköpfe. Basser Gert Hoberg Jorgensen sieht aus wie der gigantische kleine Bruder von Wayne Rooney, und wenn er nicht einen so dezidiert ruhigen Eindruck machte, dann würde man sich wohl fürchten, den Mann zu nächtlicher Stunde in einer Seitenstraße zu treffen. Mimas war übrigens laut Wikipedia ein griechischer Riese, also passt die Statur von Jorgensen doch bestens zum Bandnamen.
Mimas sind Spaßvögel, die sich selbst nicht zu ernstnehmen. Bei Konzerten tragen sie alberne Hoodies mit dem Emblem eines gebrochenen Herzens und traurigen Blutstropfen, die sich theatralisch über die ganze Vorderseite ergießen. In Farben, die ihnen so garnicht stehen. Sind ungehemmt albern und zu Scherzen aufgelegt, über die sie selbst am meisten grinsen müssen. Beim Konzert letztens im wunderbaren Hafen2 in Offenbach erzählten sie jede Menge peinliche Dinge wie die von den ersten Platten, die sie gekauft haben (ich sage nur: Münchner Freiheit!) und stellen so abseitige Fragen wie die, ob Spinnen Ohren haben. Bringen das Kunststück fertig, dass das Publikum ihnen aufmerksam zuhört und trotzdem ständig mit ihnen lacht.
Den Kauf des neuen Albums »THE WORRIES« beim rothaarigen Schlagzeuger und bekennenden Fussballfan Lasse Dahl nach dem Konzert nicht bereut. Nein, gar nicht! Leidenschaftlich, unvorhersehbar, gleichzeitig zartfühlend. Anrührend, seelenvoll, in all seiner Verschrobenheit. Mimas würden über dieses Verdikt vielleicht erstmal laut loslachen, aber hinterher, wenn keiner zusieht, dann hoffentlich doch zustimmend nicken.
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