21. April 2010
Der Vulkan und die Musiker: Dann eben auf dem Landweg!
Wenn uns die letzten Tage des etwas gelehrt haben, dann einen gesunden Respekt vor Entfernungen. Kein Billigflieger, der uns in zwei Stunden von Deutschland nach Finnland bringt, wenn Vulkanaschewolken unsichtbar in der Luft schweben. Dass die Entfernung zwischen Darmstadt und Tampere rein von der Luftlinie her 1.540 km beträgt, musste jetzt der finnische Popmusiker Janne Laurila erfahren, der am vergangenen Wochenende eine kleine Hessentour absolvierte, organisiert von seinen deutschen Musikerfreunden Woog Riots.
Nach dem abschließenden Auftritt in der Darmstädter Guten Stube standen dem dunkelschopfigen Finnen einige Sorgenfalten auf der Stirn. Wie bis Mittwoch ins heimatliche Tampere gelangen, wo für den Mittwoch abend ein Konzert angesetzt ist? Die einfache Antwort: Dann eben auf dem Land- und Seeweg! 44 Stunden in Bussen und auf Fähren. Mit etwas Glück sind Janne und seine Gitarre inzwischen wohlbehalten in Mittelfinnland angekommen, wobei die Reisekasse arg geschröpft wurde. Da der Luftraum über Finnland immer noch gesperrt ist, dürfte es auf der Stockholm-Turku-Fähre eng geworden sein.
Schleunigst umdenken mussten auch die Anarcho-Rocker Eläkeläiset, die für ihre jetzt beginnende Deutschlandtour im Schnelldurchlauf einen Bus organisierten, die Bandmitglieder hektisch einzeln rund um Helsinki einsammelten, ab auf die Fähre eilten und im Schweinsgalopp durch Schweden Richtung Süden düsten. Zum geplanten Konzert am vergangenen Freitag in Hamburg haben sie es aber trotz durchgedrücktem Gaspedal nicht mehr geschafft.
Die schwedischen Mary Onettes mussten jetzt ihre geplante US-Tour absagen. Kein Flug von Stockholm Richtung Staaten möglich.
Ihre Landsfrau Lykke Li (Foto) hängt in Paris fest, alle Züge Richtung Norden sind hoffnungslos ausgebucht. Die Chanteuse vertreibt sich inzwischen auf angenehme Art die Zeit, in dem sie über den Friedhof Père Lachaise spaziert und das Grab von Edith Piaf besucht. Keine schlechte Alternative in Zeiten der Entschleuningung.
Ein praktischer Rat zum Schluss: Wer in diesen Tagen auf Konzerte geht, sollte vorher genau schauen, aus welcher Entfernung die Bands anreisen. 44 Stunden Fahrtzeit für ein Konzert sind nicht immer mit einer Punktlandung zu schaffen.
(Foto Lykke Li: Patricia Reyes)


