Home
Foto nordische Landschaft

03. Mai 2010

Lieber schweigen? Holmes & die Sache mit den Zwischenansagen

Es ist eine Gretchenfrage für Bands: Wie hältst Du es bei Konzerten mit der Ansage? Die Extreme reichen von unqualifiziertem Dauergeblubber bis hin zu gänzlichem Schweigen. Es muss doch je nach Naturell einen vernünftigen, unpeinlichen Zwischenweg geben!

Über die Dauerplauderer auf der Bühne wollen wir an dieser Stelle einmal keine großen Worte verlieren. Die reden schon selbst in ausreichendem Maße. Wenden wir uns lieber den Stillen zu. Man kann auf sehr viele unterschiedliche Arten schweigen. Vielleicht sagt man ja auch sonst nicht viel. Vielleicht hält man aus Vorsicht lieber den Mund. Vielleicht denkt man aber auch, dass Schweigen die ultimative Form von Coolness und Poserei ist (ein jüngstes Paradebeispiel dafür: die britischen Folksong-Dandies von Erland And the Carnival).

Vielleicht aber sind fünf bis sieben Musiker, von denen sich einer hinter dem anderen auf der Bühne zu verstecken scheint, einfach nur auf altmodische Weise schüchtern. Dies scheint bei den schwedischen Countrypop-Träumern Holmes der Fall zu sein. Sänger Kristoffer Bolander traut sich kaum, ins Publikum zu schauen. Lieber blickt er auf seine Gitarre oder seine Mitmusiker, die sich an diesem Abend im Offenbacher Hafen2 wie ein Haufen Schäfchen eng um ihn gedrängt versammelt haben. Kaum, dass er die Dankesworte auf den freundlichen Applaus des Publikums hin herausbekommt. Mit leiser Stimme sagt er ab und zu mal einen Song an. Anekdotenerzählen ist seine Sache nicht. Der Rest der Band blickt ernst und konzentriert.

Da die Zwischenansagen so spärlich, aber eben nicht unsympathisch ausfallen, kann man sich um so besser auf die Musik konzentriereren, die eine bescheidene Gemütlichkeit ausstrahlt, aber auch eine große Wärme. Holmes erfinden mit ihrem melancholisch-bedächtigem Countrypop das Rad nicht neu, aber schaffen es, ein wunderbar behaglich knisterndes Lagerfeuer zu entfachen, in das man lange blicken möchte. Bescheidenheit ist das neue Lautsein, vielleicht.

(Foto: David Fransson)