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Foto nordische Landschaft

13. Juni 2010

Lovly, oder: Eine Schneise durchs musikalische Dickicht

Wie kann man im lauten Gesumm des musikaffinen Internets die wichtigen Töne heraushören? Das dürfte in echte Arbeit und ständige Onlinepräsenz ausarten, was nicht wirklich wünschenswert ist.

Verschiedene norwegische Musikorganisationen, darunter auch die unabhängigen Labels, haben sich jetzt aufgemacht, diesem Missstand abzuhelfen. Man will ja schließlich, dass die eigenen Landeskinder im den unendlichen Tiefen des Netzes auch gefunden werden!

Das neue Angebot trägt den etwas zu allgemein gehaltenen Namen Lovly. Der neue Dienst soll eine Pfandfinderfunktion für die Nutzer übernehmen, sagen die Initiatoren. Lovly soll Interessierte an die Hand nehmen und zeigen, über welche norwegischen Bands und Künstler in der Onlinewelt gerade am meisten gesprochen wird. Dazu werden eine Vielzahl von Quellen angezapft und jede Menge soziale Netzwerke durchforstet. Mittels »schlauer« Algorhythmen soll einigermaßen wertfrei ermittelt werden, welche Acts gerade am Angesagtesten sind. Da hat man sich aber was vorgenommen!

Im Moment ganz oben finden sich, wenig überraschend, Röyksopp und Kings Of Convenience, aber dann folgen auch schon die außerhalb der Landesgrenzen noch wenig bekannten Donkeyboy und Madcon. Aha.

Mittels lovly kann man beim Klick auf die entsprechende Band sofort herausfinden, welche Blogbeiträge zuletzt veröffentlicht wurden und was aktuell getwittert wird. Zudem kann man in aktuelle Alben hereinhören und diese bei Gefallen auch kaufen. Ganz praktisch, das, aber nicht unbedingt von bahnbrechender Originalität. Nett zu haben und ganz praktisch für musikalische Entdeckungsreisen. Das inhaltlich vergleichbare isländische Portal gogoyoko wirkt da weitaus breiter aufgestellt. Dickes Manko zudem: Lovly gibt es derzeit nur in einer norwegischen Version, an der englischen wird wohl noch gebastelt.

Die wunderbaren Elektro-Weltmusikblubberer Casiokids schaffen es bei lovly derzeit zwar nur auf Platz 14, aber ihr relativ neues Video »En Vill Hest« mach trotzdem Laune!

Casiokids – En Vill Hest from Kristoffer Borgli on Vimeo.

04. Juni 2010

Tourismuswerbung, musikalisch: Inspiriert durch Island

Danke Griechenland! Danke Spanien! Danke Portugal! War Island im vergangenen Jahr noch das abschreckende Beispiel unter den Staatsbankrottkandidaten, so ist der Inselstaat mit seinen knapp über 300.000 Einwohnern (entspricht so ungefähr der Einwohnerschaft von Mannheim) inzwischen in die zweite Reihe gerückt. Verglichen mit dem griechischen Defizit sieht der isländische Haushalt heute geradezu stabil aus. Und die braven Isländer zahlen zumindest ihre Steuern und treiben es nicht so doll mit der Bestechung.

Island im Rampenlicht. Island als die erste schwache Stelle im Kartenhaus, die in Folge riskanter und unverantwortlicher Finanzspekulationen zusammenbricht. Aber auch: Die Isländer, die ihre abgewirtschaftet Regierung mittels Schlagen auf Kochtöpfe zum Rückzug zwingen. Die gerade die neu gegründete Partei eines bekannten Fernsehkomikers zur stärksten Fraktion bei den Bürgermeisterwahlen von von Reykjavik gewählt haben.

Warum nicht die Gunst der Stunde nutzen, wenn das kleine Land plötzlich internationale Schlagzeilen macht? Haben sich, nicht dumm, die Menschen gedacht, die für die Tourismusförderung Islands verantwortlich sind. Und haben die Site Inspired By Iceland aus der Taufe gehoben, in der es bewusst eben nicht um lahme Lobhudeldei, sondern um sympathische Präsentation geht. Und ums Mitmachen!

Die kleine Insel bittet die Besucher aus aller Welt zu berichten, warum sie Island-Fans sind. Ihre Geschichte mit und über Island zu erzählen. Die Isländer selbst sollen übrigens das Gleiche tun. Virales Marketing nennt sich diese Aktion in der Fachsprache der Werber.

Um Musik soll es natürlich hier auch gehen. Denn merke! Mit drei Klicks lässt sich ein Musikplayer öffnen, wo man aktuell ins isländische Musikgeschehen hereinhören kann. Von FM Belfast über Bloodgroup bis zu Borko und Kimono. Nicht schlecht, das!

Dass ein Werbevideo des isländischen Tourismusverbandes tatsächlich Spaß machen kann, ist eine neue Erkenntnis: Zu den Klängen von Emiliana Torrinis Gute-Laune-Hit »Jungle Drum« präsentiert sich die Atlantikinsel als schrullig-fröhliches Paradies entspannter Gutmenschen jeden Alters. Nicht schlecht gemacht, Island! Ob der griechische Tourismusverband derzeit zu solch subtil-selbstironscher Leichtigkeit in der Lage wäre?

Inspired by Iceland Video from Inspired By Iceland on Vimeo.