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Foto nordische Landschaft

29. September 2010

Laut, leise oder lustig: Skandinavien @Reeperbahn Festival

Leise Töne, laute Töne, coole Töne, todernste Töne, tanzwütige Töne und die schlimmsten Frisuren des Festivals: Am Freitagabend liegt der Reiz der skandinavischen Reeperbahn-Festival Bands vor allem in ihrer Unterschiedlichkeit. Dabei hatte es schon am frühen Nachmittag begonnen, mit einem kleinen Akustik-Set des norwegischen Folkpop-Sängers Moddi, das nicht anders als allerliebst zu bezeichnen ist. Der verstrubbelte blonde Fast-Afro des Nachwuchskünstlers wogt, getrieben vom schüchternen Stolz auf die eigenen Songs. Moddi fügt Momentaufnahmen emotionaler Befindlichkeit mit sanftem Ernst zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Ehrlich und großäugig. Der junge Mann von der Insel Senja in Nordnorwegen hat sich mit seiner Gitarre auf in die Welt gemacht, um sie mit glitzernder Traurigkeit zu heilen. Die Rolle des kleinen Bruders von Teitur dürfte ihm jeder unbenommen abnehmen. Und von A-has Magne Furuholmen ist die Einschätzung überliefert, dass Moddi ihn ein bisschen glücklicher macht, Norweger zu sein.

Moddi vs. Kråkesølv from byLarm on Vimeo.

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26. September 2010

Es ist gut, kreativ zu sein: Olöf Arnalds und Timo Räisänen @ Reeperbahn Festival 2010

»It is good to be creative«. Schüchtern gehauchte Worte von der Frau mit den auberginefarbensten Strümpfen und dem kürzesten Kleid des Abends. Die es aber gleichwohl schafft, ein wenig wie die Unschuld vom Lande zu wirken. Ólöf Arnalds ist die Kusine von Ólafur Arnalds, dem isländischen Kammermusik-Romantiker, aber damit endet die Ähnlichkeit. Kusine mag das Erdige, Handgemachte, nicht das Schwebende. Die Klampfe und die Ukulele. Pflegt die verhalten freakfolkige Eigenwilligkeit und die leisen Töne, selbstverständlich. Es ist der erste Abend des Reeperbahn Festivals 2010, und die Befürchtung, die Clubs könnten hoffnungslos überfüllt sein, erweisen sich als grundlos. Das Imperial Theater an der Reeperbahn in seinem 50er-Jahre-Schick, wo abends Stücke wie »Die Seltsame Gräfin« aufgeführt werden, bildet den perfekten Rahmen für die junge Isländerin. Die allerliebst ihre Zwischenansagen auf deutsch macht und mühelos zwischen den Jahrzehnten umherhüpft. Die drei Coversongs, die sie an diesem Abend interpretiert, reichen vom Frühwerk von Meister Bob Dylan über Cayetano Veloso bis zu zum Titelsong der 60er-Jahre Kultfernsehserie »Tammy, das Mädchen vom Hausboot«. Trotzdem: Wir können uns kaum vorstellen, dass Fräulein Arnalds so harmlos ist wie Doris Day.

Ólöf Arnalds – Crazy Car from One Little Indian Records on Vimeo.

Die allerschrecklichste Jeans des Abends, bedruckt mit albernen Union Jacks, die trägt Timo Räisänen, dessen neues Album »THE ANATOMY OF TIMO« vom Team von Nordische Musik zur CD des Monats September gewählt wurde. Damit ist der einzige Schwachpunkt dieses Auftritts auch schon abgehandelt. Es ist, wenn man dem schwedischen Sänger glauben mag, sein erster Auftritt in Deutschland überhaupt. Und der findet ausgerechnet in einer Table-Dance-Bar statt, in der sich ansonsten gut aussehende Damen um Stangen winden. Irgendjemand im Publikum will gehört haben, dass sich Timo Räisänen bei seinen Auftritten gerne frei macht, aber die vielen Kunstwerke nackter Nymphen an den Wänden des Etablissements scheinen ihm dann doch einen gewissen Respekt einzuflößen. Herr R. und seine Jeans bleiben brav züchtig.

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22. September 2010

Summer Breeze 2010, Samstag: Die Highlights – Fejd, Månegarm und Children Of Bodom

Endspurt: Donnerstag und Freitag sind vorbei – und nach dem heutigen Samstag auch das gesamte Summer Breeze 2010. Als »Früstücksmucke« dient heute die »Heavy Metal A Capella Truppe« Van Canto (D), der es gelingt um kurz vor 13 Uhr den Platz vor der Mainstage fast vollständig (!) zu füllen. Außer Eigenkompositionen intoniert die Kapelle auch Iron Maidens »Fear Of The Dark«, singt Metallicas »Master Of Puppets« ebenfalls kurz an. Fazit: Hörenswert.

Im Anschluss grüßen Psychopunch (S) – schon wieder. Die Schweden scheinen sich einen Stammplatz auf dem Breeze zu erspielen: Wer sie im Vorjahr nicht gesehen hat, kann dies nun nachholen. Vor ihrem »Titten, Titten, Titten«-Banner rotzen die Rocker auf der Painstage alte und neue Stücke in die Menge – inklusive des ABBA Coversongs »S.O.S.«. Details? Musik: Siehe 2009. Optik: Siehe Fotogalerie.

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20. September 2010

Summer Breeze 2010, Freitag: Hypocrisy – »Ich hatte gerade einen Orgasmus«


Auf eine kalte Nacht im Zelt folgt das Gothic-Paket Deadstar Assembly (USA) und Mono Inc. (D) am (für mich) zweiten Tag des Summer Breeze 2010. Allerdings können mich weder die Amis noch ihr deutscher Gegenpart mit ihrem Durchschnitts-Industrial-Gothic-Sound aufs Festivalgelände locken.

Erst zu Fiddler’s Green (D) nähere ich mich den »Grabenschlampen« (so der phantastische Aufdruck auf den T-Shirts der Security). Die fröhliche, irisch-inspirierte Folktruppe hat das Hauptbühnen-Publikum von Anfang an in der Hand. Trotz beginnender Hitze und verhältnismäßig früher Uhrzeit schunkeln und tanzen die Fans ausdauernd. Und nicht nur das: Die Menge formiert sich zu einer Wall Of Death, pardon: Wall Of Folk. Mit spontan gebildeten Circle Pits verblüffen die Metaller den Gitarristen vollends; fassungslos stammelt er etwas wie: »Unglaublich, was auf dem Breeze alles möglich ist!«

Muss man nicht gesehen haben: The Black Dahlia Murder (USA). Wieso meinen Amis immer, je lauter, desto besser seien sie? Das hat schon bei Slipknot nicht funktioniert. Und TBDM sind einfach nur … laut. Und langweilig.

Weiter geht’s mit Ensiferum (FIN). Trotz der unglaublichen Hitze seit den frühen Morgenstunden, pilgern massenhaft Leute vor die Mainstage um einen der Topacts, Ensiferum, zu sehen.

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17. September 2010

Summer Breeze 2010, Donnerstag: Poser, harte Jungs, Soundprobleme – und die großartigen Dark Tranquillity

Bevor der Sommer endgültig zu Ende geht, feiern 30.000 Metalheads ihre letzte große Party: Im bayrischen Dinkelsbühl können sie auf dem Summer Breeze Open Air vom 19. bis 21. August 2010 vor vier Bühnen bangen was die Nackenmuskeln hergeben. Besonders Ungeduldige konnten sich schon seit Mittwoch (18. August) im Partyzelt beim New Blood Award Contest aufwärmen.

Für mich beginnt das Breeze am Donnerstag, 19. August, mit Immortal.  Nein, nicht mit den norwegischen Black Metalern Immortal, sondern mit dem Song »Immortal« der schwedischen Dream Evil auf der Pain Stage. Allerdings höre ich die Power Metaler nur als Hintergrundmusik zum Zeltaufbau, macht aber nichts: Die Mannen um Niklas Isfeldt klingen live wie auf CD.

Trotz der frühen Auftrittszeit locken die nachfolgenden Napalm Death (GB) eine ansehnliche Meute vor die Mainstage – dieses Jahr auf Pflasterstein-Untergrund statt Schotter.  Zu einer guten Mischung aus Klassikern und neuem Material tobt Mark »tanze-als-ob-keiner-zusieht« Barney Greenway über die Bühne: Vom aktuellen »Strong-Arm« bis zum finalen »Nazi Punks Fuck Off« rast er sich schüttelnd im Kreis.

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