If Society: Sorry, dieser Laden hat geschlossen
Das finnische Label If Society zieht sich aus dem Geschäft mit dem Schallplattenverkauf zurück.» Sorry, dieser Laden hat geschlossen«, überschreibt Label-Mastermind Tommi Forsström einen langen Blogeintrag zur Begründung. Bis Ende des Monats können Schnäppchenjäger hier noch zuschlagen, dann ist Schluss.
Es zeichnet sichdeutlich ab: Wir bewegen uns immer mehr auf den Tod des klassischen Tonträgers in Albumform zu. Denn obwohl es weite Teile der Musikindustrie immer noch nicht wahrhaben wollen: Die Zahl der Kunden, die sich ein Album kaufen, ist rückläufig. Besonders wenn es sich um eine exotische Nische wie Indie-Rock handelt, jenseits der paar Dutzend Handvoll Bands, die heutzutage noch davon leben können. Zur Illustration: Allein in Finnland waren die Plattenverkäufe 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent rückläufig. 2009 wird sich diese Tendenz wohl noch verstärkt haben.
If Society als Label haben vor elf Jahren ihren ersten kleinen Online-Shop aufgezogen und darüber zehn eigene Veröffentlichungen und noch rund 50 andere Platten vertrieben. Heute sind über den digitalen Vertriebskanal und die physische Präsenz im Platten- und Comicladen Pitkämies in Helsinki über 2.000 verschiedene Produkte zu beziehen.
Dass mit dem Plattengeschäft keine Reichtümer zu verdienen sind, war Tommi Forsström und seinen Mitstreitern seit Jahren bekannt. Ein Gehalt konnten sie sich nie bezahlen. Jeder mit Plattenverkäufen verdiente Cent ist in die Produktion neuer Alben gewandert, oder alternativ in die Rückzahlung alter Schulden. Der einzige Antrieb: Die Begeisterung dafür, künstlerisch unabhängig zu sein und die Fahne des guten alten Indierocks hochzuhalten. Doch dieser Kampf gegen Windmühlen, der ist verloren.
Hinzu kommt: Die If-Society-Macher haben in letzter Zeit zunehmend das Interesse an der Zukunftsfähigkeit des Konzepts Album verloren.
There’s also another quite important reason for me personally: records just don’t mean that much to me personally anymore and after I noticed this very dramatic change in my consumer behaviour, I have a hard time convincing anyone else to still give a shit.
Dazu passt übrigens die heutige Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in der Diedrich Diederichsen in schönen Schachtelsätzen über das angebliche oder tatsächliche Ende der Plattenkritik in der Intellektuellenpop-Postille Spex schreibt. Wer hält sich heute noch an so altmodische Dinge wie offizielle Veröffentlichungsdaten von Alben? Im Netz plaudert jeder, der sich dazu berufen fühlt, sowieso darüber, ohne sich an Datumsvorgaben zu halten.
Das Album, eine Illusion? Der Song, die wichtigste Entität, über die noch geprochen wird? Festzustehen scheint: Dinge ändern sich, und sie ändern sich schnell. Und mit ihnen übrigens auch der Musikjournalismus.
Noch aber ist das endgültige Ende des Albums noch nicht da. Dass wissen selbst die If-Society-Leute im fernen Finnland. Denn sie werden selbstverständlich weiterhin Platten auf ihrem Label herausbringen. Wenige, handverlesene zwar – aber immerhin noch Alben. Und nach dem Ende der Verkaufsaktivitäten wollen sie sich übrigens auf das konzentrieren, was ihnen am meisten Spaß macht und was ihnen am wichtigsten ist: Das Musikmachen!
(Foto: Joel Zimmer)
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2 Kommentare
1. Peter schrieb am 17. Januar 2010 um 22:08
Mir tät`s in der Seele weh, wenn es kein Vinyl mehr zu kaufen gäbe. Und wenn es das Album als Kunstform nicht mehr gibt, ziehe ich mich mit meiner Mundharmonika zurück in die Wildniss. Und was dieser Herr Diederichsen geschrieben hat, unglaublich. Der alberne Troll hat sich wahrscheinlich in seinen eigenem Satzlaybyrint verlaufen.
2. Peter schrieb am 17. Januar 2010 um 22:09
Natürlich “Satzlabyrinth”