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Foto nordische Landschaft

03. Dezember 2010

Budam: Pornographische Pilgerfahrten

Haben die 48.400 Einwohner der Faröer Inseln eigentlich nichts anderes zu tun, als entweder tief religiös zu sein oder hemmungslos der Fleischeslust zu frönen? Man könnte es fast glauben, dass Sex und Gottesfürchtigkeit die eigentlichen Mächte sind, die die Insulaner antreiben. Zumindest wenn man Budam lauscht, dem anarchischen Singer-Songwriter vom nordatlantischen Eiland. Der Wald ist etwas zutiefst Weibliches, glitschig und unberechenbar, macht er uns glauben, zu später Stunde in den tiefen Gewölben des Darmstädter Schlosskellers. Die rund 20 Zuhörer, die sich an diesem nassfeuchten Abend noch vor die Tür gewagt haben, die hören diese Botschaft bereitwillig. Musste mal gesagt werden, das!

Eigentümliche Genrevermischungen zelebriert er, der Mann von den Inseln. Wir wähnen uns in einem Kabarett im Berlin der 20er, und Mackie Messer mag gleich um die Ecke biegen und uns Moritaten lehren. Theatralisches Geschichtenerzähken gehört dazu, die passende Gestik als Plus. Alkoholgetränkte Weisheiten im bluesigen Stil sowieso, und naturburschenlastiges Singer-Songwritertum dazu. Unübliche Mischung, das!

Und spaßig ist er, der Herr Budam! Hält uns in Atem mit Umberechenbarkeiten und heftigen Gefühlsausbrüchen. Zur Unterstützung hat er sich ein trauriges, trinkfestes Piano mitgebracht, nebst kongenialem Pianisten. Die weiblichen Backing Vocals gibt eine blonde Waldhexe, die sehr große Ähnlichkeit mit der kleinen My aus den Mumin-Kinderbüchern hat. Sehr merkwürdig, das!

Gruppengefühle meistert er, der ausgebildete Schauspieler aus dem rauen Nordatlantik. Zum einträchtigen Singen bringt er uns. Und zum kollektiven Sorgen machen, wann er denn sein Weizenbierglas umstößt, das gefährlich in Reichweite seiner flinken Füße steht. Nichts passiert, natürlich, das hat er völlig unter Kontrolle! Irgendwie verbringt man hier, hunderte von Kilometern vom Meer entfernt, einen seemansgarnigen Abend. Fast wankt man durch Pfützen nach Hause, weil der Boden unter den Füßen leicht schwankt. Noch nicht in der Form erlebt, das!

HibOO d’Live : Budam “Clap Hands” from Le-HibOO.com on Vimeo.

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