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Foto nordische Landschaft

31. Dezember 2010

Die besten skandinavischen Gigs 2010

Es ist die gleiche Prozedur wie jedes Jahr. Über unseren Jahresbestenlisten für »Nordische Musik« grübeln wir noch, denn da gab es einige Last-Minute-Kandidaten, die unbedingt noch berücksichtigt werden müssen. Aber eine Liste ist bereits fertig: Die besten skandinavischen Konzerte aus Sicht der Polarbloggerin. Zu denken gibt, dass viele Gigs außerhalb von Rhein-Main stattfanden. Vielleicht sollte ich ernsthaft über ein Sabbatical in Reykjavik nachdenken. Vielleicht!

10. Svavar Knútur beim Iceland Airwaves-Festival in Reykjavik. Zufällig zu dem Singer-Songwriter hereingestolpert, weil ein anderes Konzert später begann. Was ein Glück! Denn der Barde ist ein Hexenmeister! Der das Publikum zum Lachen, Staunen und Mitsingen bringt. Und seine eigenwillige Interpretation von Leonard Cohens »Hallelujah« könnte sein amerikanischer Doppelgänger Jack Black nur mit viel Mühe so gut hinbekommen.

Svavar Knútur live in Hamburg from Anna-Lilja Häfele on Vimeo.

9. Ghostigital auf dem Iceland Airwaves-Festival in Reykjavik. Der Ex-Sugarcubes-Aktivist Einar Örn legt in den frühen Morgenstunden eine durchgeknallt-leidenschaftliche Show hin, die darin endet, dass am Schluss die Hälfte des Publikums mit auf der Bühne steht. Sehr wild, sehr experimentell, sehr unberechenbar. Und das Beste ist, dass Örn neuerdings im Stadtrat von Reykjavik sitzt. Dürfte nicht langweilig werden bei diesen Sitzungen!

8. Joensuu 1685 auf dem Eurosonic-Festival in Groningen. Die Finnen kommen immer mehr daher wie eine Bande frisch bekehrter Pfingstgemeindler, aber mit welcher dunklen Intensität! Und gleich mit ihrem Übersong »(You Shine) Brighter Than The Light« einzusteigen, bis die majestätischen Keyboards einem rückwärts gegen die Wand drücken, heftig! Keine Gegenwehr möglich. Und schade, dass sich das Trio im Jahr 2010 sonst ziemlich rar gemacht hat!

Joensuu 1685 – (You Shine) Brighter Than Light from James Martin | Vim & Vigor on Vimeo.

7. The Kissaway Trail im Karlstorbahnhof, Heidelberg. Die Dänen sind nur Vorband von The Temper Trap, schade, denn mehr als 25 Minuten dürfen sie nicht auf der Bühne stehen. Aber die reichen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Verspielt, vertrackt, popverliebt und leichtfüßig kommen sie daher. Dumm, dass sie mein Lieblingslied, nämlich den »Lala-Song« nicht spielen. Später am Merch-Stand entpuppen sie sich als sehr sympathische und freundliche Truppe und geloben Besserung.

The Kissaway Trail – SDP from Bella Union on Vimeo.

6. Prince Of Assyria auf dem Ruisrock-Festival in Turku. Die Menge ist in schwitzender Feierstimmung. Der schwedische Sänger bringt sie zum schwelgerischen Innehalten. Mit intimen, leisen Songs von der Nachseite des (Liebes)Lebens. Nein, die Liebe ist nicht verhandelbar. Niemals!

Prince of Assyria – Tears of Joy from Jon Blåhed on Vimeo.

5. Timo Räisänen auf dem Reeperbahn-Festival in Hamburg. Der schwedische Popster traut sich alleine mit seiner Gitarre auf die Bühne eines Strip-Clubs auf der Reeperbahn und schafft es in Rekordzeit, dass sich das Publikum a) spontan in ihn verliebt und b) sofort mit ihm durchbrennen würde. Keine Frage, Leichtigkeit hat nichts mit mangelndem Tiefgang zu tun. Räisänen hat Präsenz, hat Ausstrahlung und steckt mit reiner Lebensfreude und Selbstironie an. Er kommt übrigens im Februar für einige Konzerte nach Deutschland, unbedingt hingehen! Die Polarbloggerin verzweifelt hier mal wieder an Rhein-Main, denn Räisänen macht einen großen Bogen um das das Äbbelwoi-Land.

Timo Räisänen – Hollow Heart from Mats Udd on Vimeo.

4. For A Minor Reflection auf dem Reeperbahn-Festival in Hamburg und auf dem Iceland Airwaves-Festival in Reykjavik. Ich streite es nicht ab: Ich bin einfach ein großer Fan der isländischen Postrocker. Schön, ihnen beim musikalischen Erwachsenerwerden zuzuschauen! Dass sich brachiale Gitarrengewitter epischen Ausmaßes und feine Pianoträumereien nicht ausschließen, haben sie überzeugend bewiesen. Vor dem Konzert in Hamburg umarmen sich die Vier auf eine so rührend freundschaftliche Weise, dass man fast Gänsehäute bekommt. Schnief.

For A Minor Reflection – Sjáumst í Virginíu (Live @ NASA) from For a Minor Reflection on Vimeo.

3. Seabear im Bett in Frankfurt. Sie zünden tatsächlich ein Feuer an. Aus Zartheit und Zurückhaltung, aus Verspieltheit und Schüchternheit, aus Folk und Pop, aus Lächeln und aus Staunen.

Seabear – I’ll Build You A Fire from seabear on Vimeo.

2. Mimas im wunderbaren Hafen 2 in Offenbach. Eine der Entdeckungen des Jahres. Die Dänen spielen vor gefühlten zehn Leuten und explodieren in Merkwürdigkeit und Schrulligkeit. Man müsste fast Angst vor ihnen haben. Tut man aber nicht, weil sie einem zwischendurch zum Lachen bringen mit skurillen Zwischenansagen und ihrer ansteckenden Selbstironie. Traurige Trompeten, trunkene Gesänge, großes Geschrei. Puuuh.

Mimas from Maryam Hassan on Vimeo.

1. Alcoholic Faith Mission im Hafen 2 in Offenbach und unplugged auf dem Iceland Airwaves Festival. Die Dänen sind eine Band von einer so hohen emotionalen Dichte, dass es an die Schmerzgrenze geht. Ernsthafte Ehrlichkeit, endlose Leidensfähigkeit. Versinken in dunkler Schönheit. Unvergessen, wie sie in Offenbach zum Schluss alle geschlossen von der Bühne steigen, einen Halbkreis bilden und a capella singen. Und in Reykjavik schaffen sie es, eine Atmosphäre von solch schmerzhafter Dichte zu schaffen, dass bei der Polarbloggerin die Tränen am hellichten Tag locker sitzen. Nochmal puuh, Dänemark.

Live Music Video – Alcoholic Faith Mission from Austin Conroy on Vimeo.

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