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Foto nordische Landschaft

24. Februar 2010

Minor Majority: Metal können wir auch

Ein Montagabend. Es regnet. Nicht gerade die idealen Voraussetzungen für einen gut gefüllten Konzertsaal. Aber die Frankfurter Kulturbanausen entscheiden sich heute, brav ihre hoffnungsvolle Seite zu zeigen und pilgern in ausreichenden Scharen in die Vorstadt, um in der Brotfabrik Minor Majority zu hören, die ehrlichen Häute des norwegischen Indiefolkpop mit hohem Wärmefaktor. Der Altersdurchschnitt liegt deutlich bei 30+.

Vielleicht braucht man sie einfach, diese Konzerte. Die zunächst wenig spektakulär beginnen, aber sich dann so positiv entwickeln wie lange aufgebrühter grüner Tee. Mit ruhigen, unafugeregten, gekonnt arrangierten Popsongs von der Nachtseite der täglichen 24 Stunden des Tages. Aber nicht hoffnungslos, bewahre! Minor Majority nehmen sich Zeit. Um ihr Set zu entwickeln, um langsam Spannungsbögen aufzubauen. Um unerwartete Episoden einzubauen, nach den altvertrauten Top Ten der Hörerwünsche wie etwa das immer wieder gern gehörte »Supergirl«.

Sie können auch anders! Spielen ein Cover der norwegischen Metaller Cumshots, das in der Interpretation von Sänger mm1Pål Angelskår geradezu heimelig-kuschelig klingt.

Minor Majority pflegen live Tugenden, die im auf Maximaleffekte und hochgepushte Hypes getrimmten Musikgeschäft aus den Augenwinkeln zu gleiten drohen: Das in jahrelanger Erfahrung gereifte Zusammenspiel einer Band, die dem gemeinsamen musikalischen Schaffen immer wieder neue Facetten abringt. Die Freude am gemeinsamen Musizieren. Das blinde gegenseitige Vertrauen. Sich mit Leichtigkeit Bälle zuwerfen, auffangen, wieder in die Luft bringen. Der offenkundige gegenseitige Respekt der Musiker. Das reine Vergnügen daran, gemeinsam auf der Bühne zu stehen! Blicke zwischen den fünf Musikern genügen.

Etwas Dichtes, Kompaktes, Überzeugendes entsteht. Nichts weltbewegend Neues. Aber Intensität innerhalb abgesteckter Grenzen zu entwickeln. mm2Funken sprühen zu lassen. Das Publikum ohne Mühe auf seine Seite zu ziehen. Dazu gehört etwas. Gegen Ende breitet sich im Saal auf allen Gesichtern ein von glänzenden Augen geschmücktes Lächeln aus, wohin man auch blickt. Paare rücken enger zusammen, gestandene Mitvierziger nicken zustimmend.

Dass eine Band zwei Zugaben gibt und danach vollständig am Merch-Stand erscheint, um den Austausch mit den Fans zu pflegen, ist mittlerweile leider auch keine Selbstverständlichkeit mehr.

Kleine Beobachtung am Rande: Schräg vor uns steht eine Familie. Vater, Mutter, zwei Kinder. Alter des Nachwuchses: Geschätzte zwölf und 13 Jahre. Lobenswert, die musikalische Früherziehung zu fördern! Das vielleicht erste Rock-Pop-Konzert mit den Eltern zu erleben, eine altmodisch schöne Idee! Zumal die ganze Familie eingeschworene Fans von Major Majority sind. Die Eltern swingen mit, die Kinder halten die Handykamera hoch, und zwischendurch wird eifrig kommentiert und ausgetauscht. Die Augen des Jungen sind ungefähr so groß wie Kakaotassen. Und manchmal passt es einfach. Dass sich Dinge selbstverständlichfügen: Als Pål Angelskår ganz zum Schluss sein Plektron in die Menge wirft, ist es der Junge, der es schließlich erhascht. Whoa! Mehr Kinder auf Konzerte!

(Fotos: Erling Maartmann-Moe)

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1 Kommentare

1. Holger schrieb am 03. März 2010 um 21:23

Hallo Freunde skandinavischer Musik,
wir können den Worten und Gefühlen von Eva-Marie über Minor
Majority von ganzem Herzen zustimmen. Wir hatten das Glück,
am 25.Februar in Halle im Objekt5 diese tolle Truppe life zu
sehen. Wir sind beide weit über 30+, das Publikum in Halle
war bunt gemischt und zu einem nicht kleinen Teil 30-.
Die sympatischen Norweger haben ganz unaufgeregt und ohne
jegliches Showgebaren einen Abend mit Wohlfühlgarantie,ohne
in Kitsch oder übertriebene Sentimentalität zu entgleiten,
abgeliefert.Nie hatte man das Gefühl,sie spulen ihr Programm
ab,ihnen war der Spaß am Musizieren trotz nordischer Zu-
rückhaltung glaubhaft anzumerken.
Wer die Möglichkeit hat,Pål Angelskår und seine Männer life
zu erleben, nicht auf feste Musikschubladen fixiert ist,
sollte sich das nicht entgehen lassen.
Viele Grüße
Renate und Holger

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