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Foto nordische Landschaft

18. Februar 2011

By:Larm 2011: 120 Days, Babyjaws, Alexander von Mehren

Heute abend. Oslo. Die erste Nacht des by:Larm-Festivals, der größten skandinavischen Musikmesse mit jeder Menge Konzerten, mit einem bewussten Schwerpunkt auf norwegische Newcomer. Oder Zurückkommer und Wiederauftaucher. Obwohl das Polarblog leider nicht vor Ort ist, will ich die nächsten Tage trotz des mangelnden Live-Erlebnisses nutzen, einige der interessanteren Bands kurz vorzustellen.

Endlich wieder ein Lebenszeichen gibt es von einer persönlichen Lieblingsband, die jahrelang in der Versenkung verschwunden und in Nebenprojekten engagiert war oder bei Serena Maneesh mitmischte: 120 Days, die manisch-präzisen Kraut-Synthierocker, deren selbst betiteltes Debütalbum es zur CD des Monats bei Nordische Musik geschafft hatte. Ein neues Album ist in Arbeit, der erste Track klingt leichtfüßiger als das eher düstere Erstlingswerk, und warum nicht?

Dale Disco – 120 Days by Up Front Artists

Aber nun zu den Newcomern: Babyjaws sind die schwül-dekadenten, klirrend kalten Elektronikhedonisten mit der sehr blonden Trip-Hop-Heroine Viktoria Wingen an den Vocals. Das Trio kultiviert einen sinnlichen, sehr tanzbaren Mix aus wavigem Rock, Dubstep und Computerklangspielereien, der sehr viel Wert aufs Improvisieren legt und dabei das Kunststück fertigbringt, niemals zu glatt zu klingen. Wenn die Schneekönigin in Hans Christian Andersens Märchen cool wäre, würde sie Babyjaws als neue Hofband engagieren.

Gefühliger und temperamentvoller geht es zu bei Alexander von Mehren, einem der hoffnungsvollsten Newcomer aus der ohnehin schon hyperkreativen Bergen-Szene. Das Piano-Wizzkid strebt nach der großen Geste, unter heftiger Berücksichtigung von Postrock und Jazz. Klingt erdenschwer? Überhaupt nicht! Das 26-jährige Wunderkind holt unter Aufbietung aller orchestralen Mittel (wie viele Menschen sind im Video auf der Bühne? Hmmm, schwierige Frage!) zur großen Geste aus und will in jungen Jahren klingen wie ein Klassiker. Warum nicht? Er sollte die eigene Ansprüche nicht hoch genug setzen.