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Foto nordische Landschaft

21. März 2011

Efterklang live in Frankfurt, oder: Das leichte Glück

Frankfurt, die scheinbar ach so kühle Banken- und Hochhausstadt, kann der Graus so mancher Band sein: Ein häufig unenthustiastischea Publikum, halbleere Säle, laue Reaktionen. Aber nicht an diesem Abend. Die »am isländischsten klingende Band außerhalb Islands«, wie Ex-Kollege Markus die vier Dänen von Efterklang einmal sehr treffend bezeichnet hat, zieht das Publikum selbst aus 200 Kilometer entfernten Städten an, wie aus den Kennzeichen der rund um die Brofabrik geparkten Fahrzeuge zu schließen ist. Selbst zum eigenen Filmprojekt »AN ISLAND« , das das Quartett an Stelle einer Vorband mitgebracht hat, sind die jungen und die in Würde gealteten Indiepopfans pünktlich erschienen, sitzen am Boden, das Rotweinglas in der Hand und den Kopf kuschelig an die Schulter des love interest gelehnt. Heut abend gibts noch was, das sich fast wie Bescherung anfühlt!

Efterklang betreten die Bühne so außerlich unpräteniös und bescheiden, wie es The Notwist gerne tun, die sie an diesem Abend problemlos mit nach oben bitten könnten, aus Freude an der Seelenverwandtschaft. Schönheit, Tanzbarkeit, Experimentierfreudigkeit, Großgruppenharmonie: Das können die Dänen auch! Aber was erstaunt: Sänger Casper Clausen strahlt, vom ersten Ton an. Auf eine selbstverständliche, unangestrengte Art. Schnell wird klar: Es geht an diesem Abend ums leichte Glück, in dem die Traurigkeit als ferner Unterton mitschwingt. Dieses Glück entsteht durch das Zusammenführen disparater Elemente: Den sehr erdigen Violinen und Flöten, die an diesem Abend von zwei hochengagierten Gastmusikern in den verdienten Fokus gerückt werden, und dem sanften Elektronikgefrickel der Urband, wobei irgendwann egal wird, wer eigentlich hier welches Instrument bedient, weil ein reger Austausch stattfindet und jeder sowieso überall herumhüpft und interessante Geräusche verursacht.

Efterklang spielen an diesem Abend viele Stücke ihres jüngsten, sehr wunderbaren Albums »MAGIC CHAIRS«, auf dem sie sowieso schon sehr konkret geworden sind, was das Glück angeht, das hier und jetzt entsteht, aus Sorgfalt, Hingabe und Lebensfreude. Natürlich sind diese Tracks im weitesten Sinne noch postrockig mit ihren ausufernden Strukturen, aber es da ist dieser übermütige Hüpfer in den Songs, den Hjaltalín eher zelebrieren als die großen Überväter Sigur Rós, die an diesem Abend lächelnd aus Reykjavik herüberschauen mögen. Und nun Schluss mit all diesen Vergleichen, denn Efterklang sind in ihrer naiv lebensbejahenden Großäugigkeit die Meister der großen und der kleinen Gefühle gleichermaßen. Artsy und erdverbunden. Anspruchsvoll und gar nicht eingebildet. Auf der Suche, alles fein in die Hand nehmend und sorgsam auf seine Verwendbarkeit prüfend. Vielleicht verwerfen, aber immer mit Respekt, und bloß die Nase nicht zu hoch haltend.

Und irgendwann ist da dieser Moment der Stille, und alle halten unwillkürlich den Atem an. Und es ist so, als ob die Zeit stillstünde für einen Moment, und wir begreifen einmal mehr, dass das Fehlen von Geräusch eine unschätzbare Qualität hat. Aber bloß nicht trauerkloßig werden, denn Efterklang sind Sammler, Ordner und Traumtänzer gleichermaßen. Mit höchster Disziplin und Konzentration, würde der Bundestrainer sagen, mit Anspruch, mit Leichtigkeit. Und irgendwann tanzt der halbe Saal. Vor Glück? Hoffentlich!

Efterklang – I Was Playing Drums (Official Video) from End of the Road Films on Vimeo.

Foto: (y Nikolaj Holm Møller)