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Foto nordische Landschaft

30. April 2011

Friska Viljor und William The Contractor im Karlsruher Substage


Tatort: Substage, Karlsruhe
Tatverdächtige: Ich-bin-meine-eigene-Vorband
Tatzeit: Anderthalb Stunden – davon 30 Minuten Zugabe
Tat-Zeugen: … mit »sympathetic sounds«: »Oooooooh«

Als Friska Viljor am heutigen Freitag, 29. April 2011, um 22 Uhr die Bühne des Karlsruher Substages betreten, habe ich ein Déjà-vu: Standen, pardon, saßen eben nicht schon der Schlagzeuger und Bassist als Vorband auf der Bühne?

Doch, William The Contractor, alias der Schlagzeuger von Friska Viljor, alias Markus Bergqvist hat (unterstützt durch den Bassisten) just sein aktuelles Album »TALL STORIES« beworben.

Doch jetzt stehen Friska Viljor vorne, genauer gesagt: Sänger/Gitarrist Joakim Sveningsson und Gitarrist/Sänger Daniel Johansson haben drei Mann an Bass, Schlagzeug und Keyboard mitgebracht, um das (äußerst seltsame) Publikum zum Tanzen zu bringen.

Das gelingt ihnen auf Anhieb, denn die erste Hälfte des Gigs klingt chronisch fröhlich –  erst dann werden die Schweden chronisch melancholisch wie mit »Useless«.

Instrumentiert mit Ukulele, Melodica, Mandoline, Ukulele, Trompete, … spielt die Kapelle ihren Folk-Pop-Mix, viele Stücke stammen vom aktuellen Album »THE BEGINNING OF THE BEGINNING OF THE END« wie »Larianov«, »Passionseeker«, »Come On« oder »Malou«.

Der Sound ist verdammt gut, kein Vergleich zum alten Substage, auch die Lichtshow passt.

Das wichtigste für die weiß gewandeten Fronter ist die Interaktion mit den begeisterten 500 Fans: So erzählt Joakim zu dem akustischen »My Thing« die Hintergrundgeschichte, die davon handelt wie er als Teenie-Tagen von einem Mädchen auf einer Party geküsst wurde – und in seiner Verzweiflung, was tun?, zum mit Alkohol gefüllten Kühlschrank floh.

Publikum: »Oooooooh«. Joakim: »Thanks for your sympathetic sounds!« Als er sich dann Mut antrank, war die Angebetete verschwunden (»Oooooooh«).

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28. April 2011

Gigs retten uns nicht: This Is Head und Men Among Animals

Konzerte werden die Musikindustrie nicht retten. Das war eine der wenigen wirklich überzeugenden Einsichten aus »DIGITAL IST BESSER«, dem Gemeinschaftswerk der Gebrüder Renner über die Zukunft der traditionellen Musikrezeption durch das Bildungsbürgertum. Nein, Konzerte werden den Umsatz nicht kompensieren können, der durch rückläufige Verkäufe physischer CDs entstanden ist. Der Grund: Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Clubs und eine begrenzte Anzahl an Konzertgängern. Nur sehr wenige Musikbegeisterte werden jeden Abend ausgehen können und wollen. Vor allem, wenn es sich um hierzulande noch relativ unbekannte Bands handelt.

Wie um die Schweden This Is Head, die mit einer raffinierten Mischung aus Synthiewave, Krautrock und Discoseligkeit kürzlich ein überzeugendes Debüt hingelegt haben. Diese Klänge wirken wohl in einem voll besetzten, euphorischen Club am besten. Aber ach, an diesem Abend sind die Dinge eben nicht so. Im Offenbacher Hafen 2, der seit Jahren ein Programm auf konstant hohem Niveau bietet, verlieren sich an diesem Abend kurz vor Ostern selbst bei wohlwollendem Blick auf die Dinge nur zwölf Zuhörer. Zu diesem wackeren Dutzend gehören die freundlichen Musiker von Men Among Animals, die als zweite Band des Abends spielen. Der Rest des Publikums: Der nette Kollege von der Offenbach Post, ein schwedischer Austauschstudent plus Kompagnon und einige Studenten von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, die eifrig für ihr Studienprojekt stage-photography aktiv sind. Und zwei nette Mädels um die 20. Das wars.

This Is Head – 0009 / Live at Studio Möllan from Jonatan Olin on Vimeo.

Man fragt sich an Abenden wie diesen auch, ob genügend Werbung für diese beiden interessanten Bands gemacht wurde. Klar, beide haben über ihre Social-Media-Präsenzen auf die Konzerte hingewiesen. Klar haben die Hafen-Macher brav Ankündigungen mit musikalischen Appetithäppchen auf ihre Homepage gestellt. Aber das reicht offenkundig nicht. Plakate kleben? Das war einmal, vor vielen Jahren. Altmodische Medien wie Tagespresse und Radio? Reichen offenkundig nicht mehr. Bands wie This Is Head oder Men Among Animals verfügen nicht über die Ressourcen, auf jeder Station ihrer Tour mächtig Aufmerksamkeit für sich einzufordern. Die etablierten Kanäle funktionieren nicht mehr. Die neuen noch nicht. Letztens bei den Kakkmaddafakkas war die Bude voll. Lag das wirklich nur daran, dass die jungen Norweger derzeit in den einigen Musikjournalen gehypt wurden?

Wollen wir aber an dieser Stelle positiv festhalten, dass beide Bands an diesem dünn besuchten Abend Rückgrat bewiesen und ihre vollen Sets mit Einsatz und Herz gespielt haben. Dass es sich hier um den ultimativen Charaktertest handelt, dürfte selbst dem Dümmsten klar sein.

Aber nun denn! This Is Head steigen an diesem Abend gleich mit dem Lieblingssong der Polarbloggerin ein, mit 0008, einem euphorisch treibenden Stückchen, bei dem die Funken sprühen. Kommen eher wortkarg, aber intensiv daher. Bitten das Dutzend, den Abstand zu vermindern und näherzukommen. Ja, und es wird getanzt an diesem Abend, mit viel Raumfreiheit. Unter Bedingungen der grimmigen Intensität. Die Luft ist elektrisch aufgeladen.

MEN AMONG ANIMALS – WHITE from Bo Christensen on Vimeo.

Men Among Animals aus Dänemark, ganz in weiß gekleidet wie weiland M. Walking On The Water, pflegen den skurill-eigensinnigen Ansatz, das lächelnde Anderssein, die funkelnden Kuriositäten unter vollem Körpereinsatz. Die Leichtigkeit in allen Dingen trotz widriger Umstände. Schön, das! Und ebenso schöne Fotos des Abends gibt es bei den netten Nachwuchs-Profis von stage-photography!

(Foto: Jesper Berg)

27. April 2011

Endspurt: Inferno 2011

Statt mit Bands beginnt der letzte Festivaltag für mich mit Filmen: »Once Upon A Time In Norway« heißt die Dokumentation über die Anfänge des norwegischen Black Metals, von Mayhems Anfängen bis zu den frühen Neunzigern, die erstmals beim BIFF (= Bergen International Film Festival) im Oktober 2007 gezeigt wurde.

Im Anschluss folgt ein Mitschnitt eines Darkthrone-Gigs aus dem Jahre 1990, als die Jungs noch Death Metal spielten. Vor allem der zweite Film entlockt den wenigen Zuschauern manches Lachen. Wieso sich so wenige Leute ins Kino verirrten, ist mir rätselhaft. Zu wenig Werbung dafür, zu wenig Interesse oder sind die dadurch verpassten Bands Slavia und Manifest so sehenswert?

Im John Dee verklingen gerade die letzten Takte von Imperium Dekadenz, die es aus dem beschaulichen Villingen bis aufs Inferno geschafft haben. Prädikat: hörbar. Dann wird die Amizone im Rockefeller eröffnet, mit den ziemlich heftigen Deathern Malevolent Creation. In den Keller verbannt sind am Samstag die einheimischen Bands, wie die Death-Thrasher No Dawn.

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26. April 2011

… das Inferno 2011 geht weiter


Den Freitag sehe ich als Ruhetag: Mich interessieren nur die »Unsterblichen«, alias die Sons Of Northern Darkness, alias Immortal.

Doch wo ich schon mal hier bin, schaue ich mir die einheimischen Djerv an, eine neue Truppe aus Mitgliedern von Trelldom, Stonegard und Animal Alpha. Die Band um Ex-Animal Alpha-Fronterin Agnete Maria Forfang Kjølsrud hat den undankbaren Opener-Posten im Rockefeller.

Etwas schrill, aber nicht ganz so durchgeknallt wie Animal Alpha klingen sie, mit einer Mischung aus Rock und (Black) Metal, plus extrem bangender Sängerin – mit einer Frisur wie Marie Fredriksson zu Roxettes Blütezeit. Immerhin vereinen sich genug Leute vor der Bühne, um Agnete für die letzte Strophe des letzten Lieds auf Händen zu tragen.

Im Keller geht’s weiter mit fucking Old School Black Metal von Astaroth. Die Norweger stellen keinerlei Anspruch an technische Raffinesse, High End Sound, Innovation oder im-Ohr-bleiben, aber machen mächtig Spaß.

Der Rest geht ungehört vorbei, denn eigentlich interessiert heute – oder das ganze Festival lang – nur eine Band: Immortal.

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25. April 2011

Inferno 2011: Alle Jahre wieder …


… feiern Metalfans Ostern auf die etwas andere Art: Osterzeit = Infernozeit. Beim diesjährigen (Black) Metal Festival vom 20. bis 23. April 2011 reisen die Metaller vor allem wegen Immortal nach Oslo, die ein »exclusive and extra long set« speziell fürs Inferno versprechen.

Ihre norwegischen Landsmänner, die Black’n'Thrasher Aura Noir, planen für ihren Auftritt am Donnerstag sogar Bandgründer Aggressor auf die Bühne zu holen. Insgesamt spielen 49 Bands von Donnerstag bis Samstag im Rockefeller / John Dee, sowie am Warm-Up-Mittwoch in den kleinen Clubs / Kneipen Blå, Elm Street, Rock In, Unholy, Victoria und Revolver.

Erstmals erweitern die Veranstalter das Festival um »Inferno Film«, einer Mischung aus (norwegischen) Horrorfilmen und Metal-Dokumentationen, die von Dienstag bis Sonntag im »Filmens Hus« gleich um die Ecke vom Elm Street gezeigt werden. Weiteres Rahmenprogramm: Inferno Metal Expo (mit Merchandising-Ständen und Autogrammstunden) und Inferno Tattoo Fair (mit Tätowierern aus Deutschland, Norwegen, Schweden und den USA).

Wer das nötige Kleingeld hat und eines der limitierten Tickets ergattert, kann bevor die Konzerte beginnen für 35 Euro am »Black Metal Bus Sightseeing« teilnehmen (unter anderem zur abgebrannten und wieder aufgebauten Holmenkollen-Kapelle, zum ehemaligen »Helvete«-Shop des ermordeten Mayhem-Mglieds Euronymus sowie dem Schauplatz eben dieses Mordes) oder für 20 Euro zur Weinprobe der »Wongraven Langhe Rosso / Barolo«-Rotweine des Satyricon Fronters Satyr Wongraven.

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