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Foto nordische Landschaft

28. April 2011

Gigs retten uns nicht: This Is Head und Men Among Animals

Konzerte werden die Musikindustrie nicht retten. Das war eine der wenigen wirklich überzeugenden Einsichten aus »DIGITAL IST BESSER«, dem Gemeinschaftswerk der Gebrüder Renner über die Zukunft der traditionellen Musikrezeption durch das Bildungsbürgertum. Nein, Konzerte werden den Umsatz nicht kompensieren können, der durch rückläufige Verkäufe physischer CDs entstanden ist. Der Grund: Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Clubs und eine begrenzte Anzahl an Konzertgängern. Nur sehr wenige Musikbegeisterte werden jeden Abend ausgehen können und wollen. Vor allem, wenn es sich um hierzulande noch relativ unbekannte Bands handelt.

Wie um die Schweden This Is Head, die mit einer raffinierten Mischung aus Synthiewave, Krautrock und Discoseligkeit kürzlich ein überzeugendes Debüt hingelegt haben. Diese Klänge wirken wohl in einem voll besetzten, euphorischen Club am besten. Aber ach, an diesem Abend sind die Dinge eben nicht so. Im Offenbacher Hafen 2, der seit Jahren ein Programm auf konstant hohem Niveau bietet, verlieren sich an diesem Abend kurz vor Ostern selbst bei wohlwollendem Blick auf die Dinge nur zwölf Zuhörer. Zu diesem wackeren Dutzend gehören die freundlichen Musiker von Men Among Animals, die als zweite Band des Abends spielen. Der Rest des Publikums: Der nette Kollege von der Offenbach Post, ein schwedischer Austauschstudent plus Kompagnon und einige Studenten von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, die eifrig für ihr Studienprojekt stage-photography aktiv sind. Und zwei nette Mädels um die 20. Das wars.

This Is Head – 0009 / Live at Studio Möllan from Jonatan Olin on Vimeo.

Man fragt sich an Abenden wie diesen auch, ob genügend Werbung für diese beiden interessanten Bands gemacht wurde. Klar, beide haben über ihre Social-Media-Präsenzen auf die Konzerte hingewiesen. Klar haben die Hafen-Macher brav Ankündigungen mit musikalischen Appetithäppchen auf ihre Homepage gestellt. Aber das reicht offenkundig nicht. Plakate kleben? Das war einmal, vor vielen Jahren. Altmodische Medien wie Tagespresse und Radio? Reichen offenkundig nicht mehr. Bands wie This Is Head oder Men Among Animals verfügen nicht über die Ressourcen, auf jeder Station ihrer Tour mächtig Aufmerksamkeit für sich einzufordern. Die etablierten Kanäle funktionieren nicht mehr. Die neuen noch nicht. Letztens bei den Kakkmaddafakkas war die Bude voll. Lag das wirklich nur daran, dass die jungen Norweger derzeit in den einigen Musikjournalen gehypt wurden?

Wollen wir aber an dieser Stelle positiv festhalten, dass beide Bands an diesem dünn besuchten Abend Rückgrat bewiesen und ihre vollen Sets mit Einsatz und Herz gespielt haben. Dass es sich hier um den ultimativen Charaktertest handelt, dürfte selbst dem Dümmsten klar sein.

Aber nun denn! This Is Head steigen an diesem Abend gleich mit dem Lieblingssong der Polarbloggerin ein, mit 0008, einem euphorisch treibenden Stückchen, bei dem die Funken sprühen. Kommen eher wortkarg, aber intensiv daher. Bitten das Dutzend, den Abstand zu vermindern und näherzukommen. Ja, und es wird getanzt an diesem Abend, mit viel Raumfreiheit. Unter Bedingungen der grimmigen Intensität. Die Luft ist elektrisch aufgeladen.

MEN AMONG ANIMALS – WHITE from Bo Christensen on Vimeo.

Men Among Animals aus Dänemark, ganz in weiß gekleidet wie weiland M. Walking On The Water, pflegen den skurill-eigensinnigen Ansatz, das lächelnde Anderssein, die funkelnden Kuriositäten unter vollem Körpereinsatz. Die Leichtigkeit in allen Dingen trotz widriger Umstände. Schön, das! Und ebenso schöne Fotos des Abends gibt es bei den netten Nachwuchs-Profis von stage-photography!

(Foto: Jesper Berg)