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Foto nordische Landschaft

18. Mai 2011

Samtige Dunkelheit mit Susanne Sundfør

Ein fetter Sound, sehr elektronisch, sehr elaboriert: Das soll Susanne Sundfør sein, die junge norwegische Sängerin, die im Januar beim Eurosonic-Festival in Groningen als hexenhafte Diseuse allein am Klavier überzeugt hat? Dunkel gekleidet ist sie noch immer, die Nachtschattenwelt weiterhin ihr bevorzugtes Territorium, doch zum Konzert in der Frankfurter Brotfabrik hat sie sich sehr synthielastige Verstärkung mitgebracht. Umdenken ist angesagt. Das Symphonische, Intensive, Opulente bringen ihre Intensität eben auf andere Art zum Leuchten.

Dass eine Wahlverwandtschaft zu den eigenwilligen Olympierinnen Tori Amos und Kate Bush besteht, will die blasse Norwegerin nicht verhehlen, aber die großen Mutterfiguren lässt sie mit Außenseiterinnen-Selbstbewusstsein hinter sich. Sie spielt. Viel zu kurz. Draußen geht die sanfte Maisonne unter, drinnen herrscht samtige Dunkelheit. Ein Bekenntnis zum unterkühlten Pathos. Zu den Dingen, die wir sonst gerne hinter das Sofakissen schieben, weil es ach so bequem ist, sich bloß nicht damit auseinanderzusetzen. Mit Dingen, die wehtun. Susanne Sundfør ist an diesem Abend trotz aller elektronischen Inszenierung eine bewusste Außenseiterin, die abseits des Dorfes in einer Hütte am Waldraum wohnt und mit ihrer hellen Stimme den Austausch mit den flüchtigen, abseitigen Dingen sucht.

Schüchterne Zwischenansagen. Kontrollierte Leidenschaft. Eine Einladung zum Abbheben, zum Wegdriften aus der Realität, voller Eigensinn. Ein kleiner Hinweis auf ihr wunderbares Album »THE BROTHEL«, das dieser Tage in Deutschland erscheint. Das so launisch ist wie eine Katze, und ebenso aufregend. Sie verschwindet, verhuscht, flüchtig. Draußen ist es warm, aber man ertappt sich dabei, dass man sich doch tief in die Sommerjacke kuschelt.

Einen wunderbar aktuellen Einblick in Susanne Sundførs eigentümliche Welt bietet die die frisch aus der Taufe gehobene, akustische Konzertreihe Live At The Office des sehr rührigen Music Information Center Norway (unterstützt von all den Ölmillionen etwa?). Die neue Veranstaltungsreihe ist übrigens eine Fundgrube für alle, die an norwegischer Musik interessiert sind. Aufgetreten sind hier neben Susanne Sundfør unter anderem bereits Mathias Eick und BigBang.

Susanne Sundfør – Live At The Office from MICnorway on Vimeo.

(Foto: Rolf Anders Storset)