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Foto nordische Landschaft

22. Mai 2011

Except the rats and mice: Mimas, sonderbar, wunderbar

Ich möchte gerne Milliardärin sein und Gutes tun. Natürlich würde ich wie Bill Gates die Malaria in Afrika bekämpfen. Nein, das ist gelogen. Ich würde überall in den armen Dörfern Büchereien einrichten, damit die Menschen – und vor allem die Kinder! – eine ganze neue Welt entdecken können. Bevölkert von Charakteren wie Hermine, den Brüdern Löwenherz und der kleinen Hexe. Jawohl. Aber als allererstes würde ich im nördlichen Europa wohltäterinnenhaft aktiv werden und den wunderbaren Mimas aus Dänemark ein Klavier spendieren, das sie auf Tour mitnehmen können. Damit sie ihren mit solch fein-ironischer Verzweiflung getragenen Song »Relationship« auch live vortragen können. Beim Konzert im Hafen2 in Offenbach improvisierten die merkwürdigen Vier als Zugabe mit einer Gitarren-Version dieses emotionalen Durchschüttlers über kaputte Beziehungen, bei denen das Schiff auf Grund läuft und nur die Mäuse und die Ratten überleben. Ein Piano, ein Piano muss her! Dann klappt es vielleicht auch mit der Cover-Version von Metallicas »Enter Sandman«, an der die Dänen unter großem Gelächter scheitern.

Mimas – Relationship by Sinnbus

Man muss sie lieben, diese merkwürdigen Vier, allein deswegen, weil der Drummer so aussieht Pumuckl als Erwachsener und der Gitarrist ein Ungetüm von Mann ist, auf den das schöne altmodische Wort »ungeschlacht« bestens passt. Und weil sie weiterhin ihre lächerlichen neonfarbenen Hoodies tragen, auf deren Vorderseite gebrochene Herzen und theatralische Bluttropfen appliziert sind. Und weil sie superlebendig sind und große Herzen haben und ungehemmt in wilde Harmoniegesänge ausbrechen, wobei die Harmonie klein- und die Leidenschaft und unbedingte Hingabe groß geschrieben werden.

Mimas sind an diesem Tag von Berlin nach Offenbach getuckert, delektieren sich am legendär leckeren Kuchen dieser Location und freuen sich, ein zweites Mal vor Ort zu sein. Am Vorabend haben sie dem hauptstädtischen Bier wohl reichlich zugesprochen, denn die Pointen in den gewohnt anarchisch-ausufernden Zwischenaussagen sitzen nicht zu hundert Prozent. Egal, dafür können sie herzlich mit dem Publikum lachen, das auf die Frage, was man denn in Offenbach unbedingt noch sehen müsse, unisono antwortet. »Über den Fluss rüber nach Frankfurt fahren!«

Das Quartett bringt in diesen Tagen sein zweites Album »LIFEJACKETS« beim Qualitätslabel Sinnbus heraus. Eine unbedingt gute Nachricht, das. Und in einen zweiten Appetizer kann man noch hereinhören, nämlich in »Application«.

Mimas – Application by Sinnbus