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Foto nordische Landschaft

05. Juni 2011

Verfassungstag plus Vinnie Who: Glückliches Dänemark

Der fünfte Juni ist ein Sonntag und in Dänemark ganz abgesehen davon ein Feiertag: Unsere nördlichen Nachbarn begehen zum Erstaunen der Polarbloggerin einen nur auf den ersten Blick drögen Festtag: Gefeiert wird die Verfassung. Nach kurzem Nachdenken nicht unschlau, der Gedanke: Sich daran zu erinnern, dass ein Grundgesetz nicht immer selbstverständlich gewesen ist. Dass es Zeiten gegeben hat, die keine Ewigkeiten zurückliegen, in denen man sich eine funktionierende Verfassung sehnlicht gewünscht hätte. Warum haben wir so etwas nicht? Nun, wir haben den Tag des Grundgesetzes, aber haben wir den jemals ordentlich gefeiert?

Die Dänen jedenfalls feiern den Tag mit viel Kultur. Am Leuchtturm von Bovbjerg gibt es ein charmant wackelndes Trompetensolo-Programm eines jungen Nachwuchsmusikers und eine Ausstellungseröffnung mit Rotwein und Crackern, was zur Mittagsstunde dem klar zielorientierten Gang am Strand nicht unbedingt zuträglich ist. Im Küstendörfchen Fjaltring, das seit vielen Jahren mitten in der Provinz ein eigenständiges Kulturhaus betreibt, gibt es eine Lesung mit zwei jungen Dichtern, die so genau so aussehen, wie Lisa Meier sich die Dichter so vorstellt. Plus Liedgut einer marokkanischen Sängerin, dänischen Klezmer und ein schön selbstironisches Soloprogramm der Schauspielerin und Regisseurin Iben Nagel Rasmussen. Hut ab, Dänemark!

Zum Verfassungstag muss es natürlich auch niveauvolle Popmusik geben, und weil er ein Feiertag ist, darf man auch mal dick auftragen. Wenn es der guten Laune dient? Mit wem ginge das besser als mit den temperamantvollen Disco-Schwülstlingen von Vinnie Who? Die als fröhliche Großgruppe dick auftragen und die Disco-Kugel nur so glitzern lassen. Dabei von unbändiger Lebensfreude sind und den Kitsch innig an ihre Brust drücken.Und tanzbar sind, unbedingt tanzbar! Bei ihren Live-Konzerten sollte es eigentlich jedesmal Konfetti regnen, so euphorisch kommen die dänischen Jungspunde daher. Und weil sie gern so theatraliasch sind, sollte man auch das frisch gebügelte weiße Stofftaschentuch in Griffweite haben, damit man sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel wischen kann, wenn es gefühlig wird. Hach, Dänemark!

VINNIE WHO – ACCIDENT OR WILL from JEPPE KOLSTRUP on Vimeo.

Foto: Kenneth Nguyen

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2 Kommentare

1. Peter schrieb am 05. Juni 2011 um 22:19

Naja, die sympatischen Dänen wissen schon zu feiern. Wirkt auf mich allerdings oft ein wenig rührend und puppenstubenhaft. Aber vielleicht bin ja auch nur ein grober deutscher Klotz. Man darf aber auch nicht vergessen, das hinter der schönen, durchaus spiessigen OberflÄche das Böse in Form äußerst widerwärtiger Rechtspopullisten hockt, die ihre kleines glückliches Paradies gegen das Fremde dort Draußen abschotten wollen. Aber damit stehen sie, so scheint es, in Europa nicht alleine.

2. Eva-Maria schrieb am 06. Juni 2011 um 10:18

Wahre Worte, Peter. Dass die Zahl der aufgestellten Dänemark-Fähnchen die Zahl der Landeskinder etws um das hundertfache übersteigt, ist mir auch schon aufgefallen.
Allerdings finde ich es beeindruckend, dass die kleinsten Dörfer sich im weitesten Sinne um Kultur in jeder Form bemühen.Das scheint sich auch förderlich auf die Musik auszuwirken! ;) Dir weiter einen schönen Urlaub!

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