Home
Foto nordische Landschaft

27. Juni 2011

Soliti, ein neues finnisches Label

Ein Label zu gründen ist vielleicht nicht die viel versprechendste Geschäftsidee, aber Nick Triani hat es trotzdem getan. Der in Helsinki lebende Brite hat dieser Tage Soliti aus der Taufe gehoben und einige der interessantesten und viel versprechendsten finnischen Popbands unter seinen Fittichen versammelt. Der Mann ist sowieso bestens vernetzt: Seit Jahren hat er als Produzent und Musiker bei zahlreichen finnischen Produktionen seine Hände mit im Spiel. Seit Menschengedenken hat er jeden Donnerstag Abend seine feste Hörergemeinde auf Radio Helsinki mit seiner Indiepopsendung Achteinhalb. Reinhören per Webradio lohnt sich übrigens! Der Fama nach spricht Triani auch nach einem Dutzend Jahren in Finland nur drei Worte in der Landessprache, und die gehen so: »Moi, moi, moi!« Was drei Mal hallo und tschüss heißt.

Bislang war Triani beim renommierten Label Johanna Kustannus aktiv, aber nachdem dieses vom Giganten Warner übernommen wurde, war für den Querkopf offenkundig kein Platz mehr an Bord. Geht er eben seinen eigenen Weg. Die wohl bekannteste Soliti-Band sind die wunderbaren Cats On Fire, die wahren Erben der Smiths aus Turku, die derzeit fleißig an neuen Material basteln. Das erste Soliti-Veröffentlichung kommt in Bälde von der eigenwilligen Chanteuse Astrid Swan, die ein Album mit Pavement-Covern aus weiblichem Blickwinkel vorlegen wird. »PAVEMENT FOR GIRLS« heißt das Werk, das Astrid komplett solo eingespielt hat. Einen ersten Vorgeschmack gibt es mit mit der Single »Box Elders«.

Astrid Swan- Box Elder by Soliti

Freuen kann man sich auf die erste Veröffentlichung der Turkuer Jungspunde The New Tigers, die aus dem Umfeld der unvergessenen Anarcho-Träumer Goodnight Monsters kommen und respektlos-naiven Indiepop zelebrieren. Perfekt sein ist langweilig, Hakenschlagen wie ein Hase viel vergnüglicher! Lächelnder Pseudo-Dilettantismus siegt, und pure Unbeschwertheit sowieso!

Latest tracks by thenewtigers

Ebenfalls sicher im Soliti-Stall eingeparkt haben die Britpop-inspierierten Big Wave Riders aus Helsinki, die mit einer sommerlich-rhythmischen Schwere daherkommen und ein paar Grad zulegen, was die Schweißabsonderung positiv beeinflusst. Weniger zugänglich als die Labelkollegen, dafür aber verstärkt in den Bauch gehend. Auch nicht schlecht, diese leicht psychedelisch angehauchte, erdige Abenteuerfahrt.

Skate Or Die by Big Wave Riders

Noch weitgehend unbekannt sind Black Twig, die ein lverdüstertes Weltbild pflegen, mit halligen Gitarren, einem großen Schß psychedelischer Nachdenklichkeit und hellwacher Gitarren. Bringt die Welt nicht zum Einsturz, das, aber man kann sich gleichwohl verhalten an diesen Tönen reiben. Auf bescheidene Weise auf Abwege geraten. Auf ins Abenteuer!

Latest tracks by blacktwigmusic

Nein, und Labels sind kein Auslaufmodell. Erfahrung, Kontake und Können haben ihren Wert. Ein viel versprechendes, zukunftsweisenden Geschäftsmodell haben die großen Label nicht. Was den Kleinen ihre Nischen eröffnet.