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Foto nordische Landschaft

10. Juli 2011

Siinai, oder: Die Stunde des Siegers?

Draußen dräuen die Wolken über dem Odenwald. Zu diesem Naturschauspiel gehören unbedingt melodramatische Töne und überlebensgroße Gefühle. Mächtige, poetisch, bedeutungsvolle Synthesizer-Klangwelten, wie sie von Siinai erschaffen werden. Das Quartett aus Helsinki bringt in wenigen Tagen sein Debütalbum »OLYMPIC GAMES« beim neuen norwegischen Label Splendour heraus, bei dem unter anderem auch die Elektroniktanzmeister Casiokids und die Lebensangst-Popper Harrys Gym unter Vertrag sind. Wie zu hören ist, hat die bislang weithin unbekannte Band bereits mit Spencer Krug von Wolf Parade bei dessen Nebenprojekt Moonface zusammengearbeitet.

Die Finnen, die im Frühjahr bereits beim dänischen SPOT-Festival positiv auffielen, experimentieren mit einer sehr abgefahrenen Mischung aus 70ies-Synthierock in der Tradition von Vangelis, verkifftem Gegenwelten-Krautrock und Kraftwerk-Einflüssen. Pflegen lustvoll ihre karthatischen Höhepunkte, wie sie Blender-Rocker wie The Cult nicht besser hinbekommen würden. Suhlen sich in der endlosen Wiederholung immergleicher psychedelischer Klangfolgen, nur um triumphierend in Übergröße-Gesten zu explodieren. Betreiben ein Spiel mit Andeutungen, Zitaten und falschen Fährten. Das Video zu »Anthem Part1&2« ist ein Schatzkästlein für Schrullige, die gerne heiteres Symbole-Raten betreiben.

Der Albumtitel ist selbstredend eine Anspielung auf den legendären Oscar-Gewinner des Jahres 1981, »CHARIOTS OF FIRE«, in dem es um die Olympischen Spiele des Jahres 1924 geht und für den Vangelis einen Oscar für die beste Filmmusik gewann. Ich muss gestehen, dass ich »DIE STUNDE DES SIEGERS« alle paar Jahre wieder in nostalgischer Stimmung aus der Stadtbücherei ausleihe und den überwältigendem Synthie-Sound und die auf wahren Begebenheiten basierende Tränendrüsen-Mär von Freundschaft, Glaube und Verzicht goutiere.