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Foto nordische Landschaft

26. Juli 2011

Sunshine and worry: Edda Magnason

Selbst verspielte Liebeserklärungen an unbekannte, hübsche Männer wie das blubbernde »Handsome« hören sich bei ihr quietschig und eigenwillig an: Edda Magnason ist keine dieser typisch introvertiert-umwölkten Klavierliesen, keine ewig-gute-Laune Piano-Balladeuse, sondern eine auf angenehm altmodische Weise nachdenkliche Fluchtelfe. Lässt den Dingen Zeit, sich zu entwickeln, auch wenn es eben länger dauert. Gefallen muss sie niemandem. Alle Zärtlichkeit fließt in die Songs. Die gerne abseitiger ausfallen und im Zweifelsfall von Maden handeln können. Die junge Schwedin mit isländischem Vater entzieht sich vorschnellen Verortungen mit eleganten Winkelzügen. Eine gewisse Seelenverwandtschaft ist mit der zu Unrecht in Vergessenheit geratenen amerikanischen Chanteuse Edie Brickell auszumachen. Die schrieb vor der Verehelichung mit Paul Simon ebenfalls scheinbar einfache Songs, über die man dann stundenlang nachdenken konnte. Auch die Übermütter Kate Bush und Tori Amos lächeln aus der Ferne. Wie die Fama es will, wohnt Edda Magnason in einem runden Raum. Wir wollen es gerne glauben. Ein runder Raum, am besten vollgestopft mit lauter victorianischen Wunderlichkeiten. Voller eigentümlicher, anheimelnder Geräusche.

Edda Magnason – Magpie´s Nest from Adrian Recordings on Vimeo.

Die junge Chanteuse steht am Anfang, aber zeigt sich aber sehr produktiv. Nach dem Debüt im vergangenen Jahr bringt Edda Magnason in diesen Tagen bereits ihren Zweitling »GOODS« heraus und kommt Anfang September für zwei Gigs nach Berlin. Und während draußen über den Dächern von Darmstadt der Regen rauscht, könnte es auch schon Anfang Oktober sein und könnten die Blätter fallen und eine Ahnung von Winter in der Luft liegen. Die Polarbloggerin wärmt sich an diesem trostlosen Juliabend nicht an heißem Kräutertee, sondern an der schrulligen Gegenwelt von Fräulein Magnasons Gespür für Schnee.