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Foto nordische Landschaft

30. Juli 2011

Goliath And The Giants, oder: Die Jungs aus der Fußgängerzone

Das Empfehlen funktioniert trotz aller sozialen Netzwerkerei doch noch über die altmodische Form des Erlebnisberichts. Denn da stehen sie letztens in der Göteborger Fußgängerzone, die Jungs von Goliath And The Giants, berichtet ein guter Freund von der Urlaubsreise, und zelebrieren mit sehr limitierten Mitteln ihre unbeschwerte Form des Indierock. Freuen sich kringelig, als der Besucher aus Deutschland tatsächlich ihr selbstproduziertes Debütalbum mit nach Hause nehmen möchte und kramen stundenlang nach dem Wechselgeld. Er habe das Gefühl gehabt, als sei es das erste Mal überhaupt gewesen, dass jemand den Musikern ihr Werk abkauft, berichtet der Kundschafter zurück ins heimische Hessen. Wobei hier die Körperlichkeit endet und für einige schwedische Kronen ein Download-Link den Besitzer wechselt, denn die aufrechten Vier wollen zuvorderst die Umwelt schützen. Recht haben sie. Wer braucht den ganzen Verpackungsmüll? Gatg Live @ The Tivoli... again!Die eigenen Produktionskosteb reduzieren sie damit auch. Wenn jemand den etablierten Plattenlabels vor 20 Jahren erzählt hätte, dass Musiker Produktion und Vermarktung in die eigenen Hände nehmen und der Silberling mit zwölf Songs ein Auslaufmodell ist – sie hätten es nicht geglaubt. Die vier putzmunteren Schweden aus der Göteborger Fußgängerzone veröffentlichen ihr Erstlingswerk selbstredend über ihr eigenes Plattenlabel.

Nun aber zu den tatsächlichen Tönen des freundlichen Quartetts, dessen Sänger eine gewisse Ähnlichkeit zu seinem Pendant von Friska Viljor aufweist, der Göteborger Cousin vielleicht? – es ist unbeschwerte gute-Laune-Musik, klassischer Indierock irgendwo auf den weiten Auen zwischen den Strokes und den bekannten britischen K´s, nämlich Kasabian und den Klaxons, und eine gewisse Prise Franz Ferdinand ist auch noch dabei. Goliath and The Giants heben die Welt damit nicht aus den Angeln, aber sie sind superlebendig und spielen mit Songs wie »Jaywalking« auf geradezu altmodisch muntere Art zum Indiepogo auf. Sind wunderbar selbstironisch und basteln kleine, improvisierte Videos, in denen Pappschilder die entscheidende Rolle spielen. Junge Bands, aufgepasst, dieses Tutorial ist von hohem Nutzwert und auf ganz wunderlich lächelnde Weise wundervoll! Perfektion, Perfektion, wer braucht dich? Wir nicht!