R.I.P. Hole In The Sky: Samstag – »A Perfect Vision of the Rising Northland« mit Enslaved, Mayhem, Immortal
Samstag, 27. August 2011. Der letzte Tag des letzten Festivals beginnt, noch höchstens acht Sunden und Hole In The Sky ist endgültig Geschichte (Hier geht’s zum Freitag).
Helheim haben um 18 Uhr die Ehre den rein norwegischen Abschiedstag einzuleiten. Die Viking Metaller, die im Mai 2008 musikalische Früherziehung im Kindergarten praktizierten, spielen hier leider, leider nur eine halbe Stunde. Wer mehr hören will, sollte sich »HEIÐINDÓMR OK MÓTGANGR« zulegen.
Virus trifft leider nicht ganz meinen Geschmack, ich warte und freue mich auf Enslaved. Deren aktuelles Album »AXIOMA ETHICA ODINI« mein Album des Jahres 2010 wurde. Die ich diesen Sommer bereits zweimal gesehen habe: Auf Tuska, als verdiente Headliner auf der EMP-Bühne (der bessere Auftritt) und auf dem Summer Breeze, wo sie am Freitag viel zu früh gespielt haben (der schlechtere Auftritt). Und deren besten Auftritt 2011 ich jetzt sehe.
Die Bergener um Sänger und Bassist Grutle Kjellson haben hier ein furioses Heimspiel. In ihrer Stadt, auf ihrem Festival präsentieren sie ihre komplette Bandgeschichte zwischen Black metal und Avantgarde, mit Stücken von der ersten EP »HORDANES LAND« über »FROST«,»BELOW THE LIGHTS«, »VERTEBRAE«, »RUUN« und »ISA« bis zu»AXIOMA ETHICA ODINI«. Geil!
Es folgt Mayhem: die Kultband für alle (norwegischen) Schwarzmetall-Fans; weniger dank der Musik, als dank des Selbstmords von Ex-Sänger Dead (1991) und des Mordes an Øystein Aarseth alias Euronymous durch seinen Bandkollegen Kristian Vikernes alias Varg Virkenes alias Count Grishnackh.
Die Überlebenden drapieren die Flaggen ihres Heimatlandes als umgedrehte Kreuze rechts und links des Drumkits, vom Mikro des Sängers Attila Csihar baumelt ein Galgenstrick – die Show kann beginnen.
Die Band ist live lauter und weniger melodisch als auf Alben, auch bei ihren Kultklassikern wie »Deathcrush«, »Freezing Moon«, Carnage« und dem finalen »Pure Fucking Armageddon«, sehr viel lauter. Und ja, sie spielen auch ihn, den Titelsong des Debüts »DE MYSTERIIS DOM SATHANAS«. Dennoch konnten mich Mayhem nicht begeistern. … ach wäre ich nur 1994 »LIVE IN LEIPZIG« gewesen.
Mit Riesenschritten nähern wir uns dem Ende: Mit Immortal hat anno 2000 alles angefangen, mit Immortal wird 2011 alles enden. Die »Sons Of Bergen« spielen ein 90-minütiges Set, von »Mountains of Might« (inklusive Intro) bis zu »Withstand the Fall of Time«. Wir hatten übrigens Wetten abgeschlossen, ob Immortal (als einzige Band) eine Pyroshow auffahren werden. Die Mehrheit meinte, dafür wäre der Club zu klein / zu niedrig. Aber hey, sollte er nicht ohnehin renoviert werden?
Also schmeißen Abbath, Demonaz und Horgh passend zur akustischen Abrissbirne die Flammenwerfer an. Perfekte optische Untermalung zu Kracher wie »The Call of the Wintermoon«, »Sons of Northern Darkness«, »Damned in Black«, »In My Kingdom Cold«, »Tyrants«, »One by One«, »Battles in the North« und natürlich »Blashyrkh (Mighty Ravendark)«.
Schluss. Aus. Vorbei: »The Sun No Longer Rises« – und das Hole In The Sky ebenfalls. Unter den Klängen des gleichnamigen Black Sabbath’-Songs kommen die Veranstalter auf die Bühne, bedanken sich bei der Menge. Alle Bands des Tages (außer Immortal) kommen dazu, applaudieren ihren Fans … und bei den harten Black Metallern im Publikum fließt so manche Träne.
© Fotos: Gosia / Text: natte
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