Home
Foto nordische Landschaft

08. Oktober 2011

Wie viel Mimas steckt in Dad Rocks!?

Snævar Njáll Albertsson ist ein Mann mit einem Überschuss an Energie. Der Sänger und Gitarrist der dänischen Querdenker-Indiepopper Mimas schaut aus dem Fenster, macht sich seine eigenen Gedanken und entwickelt mit seinem neuen Soloprojekt Dad Rocks! einen eigenwilligen Blick auf die Dinge, wie er von den Mimas ohnehin gerne gepflegt wird. Schon von daher steckt eine Menge Mimas in Dad Rocks!, allein von der charakeristisch tiefen Stimme Albertssons her. Der Musiker entdeckt das Abenteuer im Alltag, indem er an den einfachsten Stellschrauben dreht und eine andere Perspektive einnimmt. Im Ergebnis klingt das liebevoll handgemacht und mühelos souverän. Klingt verträumt, klug und eigensinnig und fein federleicht arrangiert, so dass Songs wie »Mount Modern« unter Streicherbeleitung plötzlich Flügel bekommen und abheben. Wie das Auto von Thelma und Louise, als sie über die Klippe des Grand Canyon fahren.

Dad Rocks! – Mount Modern from Iceland Music Export on Vimeo.

Der ursprünglich aus Island stammende Albertsson, der heute in Dänemark lebt, ist nur auf den ersten Blick dem folkigen Gitarrenpop verpflichtet. Immer wieder nähert er sich euphorisch-schrulligen Gegenwelten an, die einen dezidierten Gegenentwurf zur bankenzwangsabhängigen aktuellen Variante des Turbokapitalismus bilden. »Warum haben wir all diese Jahre vergeudet, um die falschen Wörter zu lernen?«, wie der Musiker in »Language« sanft provozierend fragt. Diese Sprache war niemals seine, deshalb sucht er sich jetzt eine neue und widmet sich bewusst den kleinen Dingen wie dem Betrachten von Haar. Eine traurige Trompete irrlichtert dazu über das Moor. Sorgen kann man sich schon machen über die Kids von heute, die keine Bücher mehr lesen und sich viel zu sehr aufs Internet verlassen, aber Grund zur Verzweiflung bietet das Starren auf elektronische Gerätschaften dann doch nicht. Albertsson schreibt eben einen halb mahnende, halb ironischen und unbedingt springlebendigen Song namens »Kids«, der mit der Frage endet, ob die Mitvierziger-Eltern heute nicht einfach Angst davor haben, mit ihren Kindern zu reden.

Eine leise Melancholie treibt durch diese Songs wie Nebelfetzen über Flusstälern im Frühherbst. Diese zarte Schwermut aber wird durch ein Übermaß an Herz und Hingabe verwandelt in leuchtende Lust am Leben. Diese blauen Seelenzustände sind auf eine unaufdringliche Weise feierlich.

Mit »DIGITAL AGE« hat Dad Rocks! bereits seine Debüt-EP vorgelegt, die sich wie ein wärmender Schal um Herz und Ohren schmiegt. Das Album »MOUNT MODERN« folgt im November. Und die Polarbloggerin freut sich jetzt schon kringelig darauf, Mimas und Dad Rocks! in der kommenden Woche live und unplugged beim Iceland Airwaves Festival in Reykjavik zu hören. Im Nordic House, dem schönste Off-Venue-Veranstaltungsort von allen draußen an der Uni auf den Marschwiesen!

Digital Age EP by Dad Rocks!