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Foto nordische Landschaft

10. Dezember 2011

Und die Nominierten sind: Nordic Music Prize 2011

Der Nikolaus war eben erst da, aber die Rangeleien um die besten Alben des Jahres 2011 sind schon in vollem Gange. Klar, dass sich auch die skandinavischen Länder ganz offiziell in den Diskussion einmischen. Anlässlich des By:Larm-Festivals im Februar 2012 wird bereits zum zweiten Mal der Nordic Music Prize verliehen. Im vergangenen Jahr hat Jónsis famoses Soloalbum »GO« verdient den Preis abgeräumt. Man könnnte diese Wahl als Hinweis darauf deuten, dass es wohl eher die arrivierten Künstler sein werden, die in Oslo den Lorberr erringen.

Auch bei der 2011er-Ausgabe des Nordic Music Prize dominieren die bekannten Namen – und die Frauen: Zu den elf Künstlern, die es in die Endauswahl geschafft haben, gehören gleich vier Damen: Björk mit ihrem Multimedia-Werk »BIOPHILIA«, Lykke Li, die trotzige Freundin der Traurigkeit, mit »WOUNDED RHYMES«, die wunderbar tiefgründige Ane Brun mit »IT ALL STARTS WITH ONE« und die eigenwillige schwedische Chanteuse Anna Järvinen mit »ANNA SJÄLV TREDJE«.

Lilla Anna-Anna Järvinen from Jenny Palen on Vimeo.

Zu den Kandidaten, denen ich definitiv nicht die Daumen drücke, gehören die dänischen Neo-Punker Iceage mit ihrem Debütwerk »NEW BRIGADE«, die sich kürzlich mit einem extrem lustlosen und schlampig dahingerotzten Konzert im Offenbacher Hafen2 nachhaltig als ernstzumehmende Musiker disqualifziert haben. Dass eine junge Band aus dem Punk-Umfeld mit gerade einer Platte im Gepäck kein zweistündiges Gig geben würden, war klar. Geschenkt. Aber dass bei ihrem Auftritt mit Mühe die 20-Minuten-Grenze erreicht wurde, grenzt an Unverschämtheit. Nur nach inständigem Bitten eines jungen Amerikaners, der extra aus Dortmund (!) in die hessische Provinz gereist war, um die Dänen zu sehen, bequemten sich die arroganten Rotzlöffel zu einer mickerigen Zugabe, um sich dann aus dem Staub zu machen. Selbst der stets freundkliche Tresenmann im Hafen findet diese Attitüde unmöglich. Ganz schlechter Stil!

Aus Finnland sind verdientermaßen die wunderbaren Indierocker Rubik mit ihrem famosen Album »SOLAR« in die Endauswahl zum Nordic Music Prize gelangt. Warum man sich statt der noch lange nicht altersweisen 22 Pistepirkko und ihrem urcoolen »LIME GREEN DELOREAN« für die Newcomer und Neo-Vangelis-Krautrocker Siinai und deren ersten Streich »OLYMPIC GAMES« entschieden hat, muss sas Geheimnis der Jury bleiben. Da kommen ja die verdienten Elektronik-Recken GusGus aus Island mit ihrem funkelnden »ARABIAN HORSE« frischer daher!

Gusgus – Arabian Horse (live @ Nasa 2011.06.18) from Gusgus on Vimeo.

Kommen wir doch lieber zu Kandidaten, die hierzulande noch nahezu unbekannt sind. Wie die dänischen Rapper Malk De Koijn, Urgesteinen der Szene. Das Trio, das seinem Stil als »happy hardcore hip hop« beschreibt, hat sich durch seinen innovativen Umgang mit der dänischen Sprache besonders verdient gemacht, wie uns Wikipedia glaubhaft versichert. Mangels dänischer Sprachkenntnisse lässt sich das nicht praktisch verifizieren, aber dass die Band in ihrer Heimat bereits vor Jahren einen renommierten Lyrikpreis gewonnen hat, mag als Gradmesser dienen. Nachdem bereits vor Jahren durch den Ausstieg eines der Hauptakteure das Ende der Band gekommen schien, konnten die Drei mit »TOBACK TO THE FROMTIME« im Jahr 2011 ein gewaltiges Comeback feiern.

Malk de koijn from simon weyhe on Vimeo.

The Field aus Schweden haben es mit ihrem Minimal-Techno mit Tiefgang ebenfalls verdient unter die letzten elf geschafft. »LOOPING STATE OF MIND«, das jüngste Werk des losen Projekts um Mastermind Axel Willner, überrascht mit Intelligenz, Tiefgang und Intensität. Winzigste Veränderungen innerhalb eines repetiven klanglichen Universums entwickeln eine unerwartete Dynamik. Dazu lässt sich bestens träumen.

The Field – Then It’s White by Kompakt

Montée aus Norwegen mit ihrem treibenden, sehnsüchtigen Indiepop blicken zwar auch mächtig zurück in Richtung 80er-Jahre-England, sind auf ihrem Zweilting »RENDITION OF YOU« aber von seelenschmeichelnder Dringlichkeit. Warum es die quicklebendigen Kakkmaddafakkas mit ihrem funkelnden und übermütigen Debüt »HEST« noch nicht einmal in den breiteren Kreis der Nominierten geschafft haben, bleibt ein Rätsel.

Rendition Of You by Montée

Der letzte der elf Nominierten ist der schwedische Cool- und Acidjazzer und begnadete Trompeter Goran Kajfes, der auf dem Doppelalbum »X/Y« die Hemisphären World Music und Electronics versöhnt. Cooles, ambitioniertes Vorhabens des Musikers mit kroatischen Wurzeln!

GORAN KAJFES & SUBTROPIC ARKESTRA from Damien Priest on Vimeo.

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