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Foto nordische Landschaft

15. Dezember 2011

Eine Winterreise durch den finnischen Indiepop

Winter? Wenn dieser Regen Winter sein soll? Die Sterne glitzern über Pfützen. Zeit, sich den alten und neuen Helden des finnischen Indiepop zu widmen, und fangen wir doch mit den alten Recken an und schniefen ein wenig melancholisch. Also: Es war einmal eine Band aus Helsinki mit dem wenig werbewirksamen Namen Mummypowder, die seit 1996 bestehen und nichts anderes als altmodisch-gefühligen Indiepop mit heftigem finnischen Akzent spielen. Das Quartett aus Helsinki hat niemals einen größeren Erfolg verbuchen können, und selbst die Blog-Szene, die gerne unbekannte Bands mit drei unverbindlichen Sätzen als das nächste große Ding hinstellt, hat die Jungs aus Helsinki noch nicht zur Kenntnis genommen. Das Schöne ist, das Mummypowder über all die Jahre hinweg unverdrossen weitergemacht haben und in 15 Jahren vier Alben herausgebracht haben. Die aktuelle Veröffentlichung mit dem schönen selbstironischen Titel »CENTURIES LATER« ist in diesem Jahr herausgekommen und ist unspektakulär, bescheiden, zurückgenommen, aber auf eine sehr altmodisch Weise wärmend. Nicht mehr sein wollen als scheinen. Sich dem Zeitgeist verweigen und entschleunigen. Nachdenken, nicht vorpreschen. Auch nicht schlecht.

Centuries Later by Mummypowder

Eine ruhige Ecke für elektronischen Nerd-Pop wird es immmer geben, und in diesem Winkel haben sich Paperfangs aus Helsinki entspannt eingerichtet mit ihrem Mix aus Nachdenklichkeit und Hipness. Das Trio tappst auf Samtpfoten durch melancholische-lakonische Großstadtwelten, ist auf eine angenehm zurückhaltende Weise cool und lässt den Dingen alle Zeit, sich zu entwickeln. Entspannt und souverän. Soundsamples plus warme Stimme. Kleine Wellen schlagen, aber das aus Überzeugung. Und manchmal ganz groß träumen wie in »The Vastest Plains«. Die Debüt-EP heißt bezeichnenderweise »REPUBLIC OF THE AVERAGE«. In den Songs geht es um Bücher, Hexen und ums ziellose Umherwandern. Merke: Leicht verschroben und schlau sein ist gleichzusetzen mit Streberattitüde!

Paperfangs – The Vastest Plains from Paperfangs on Vimeo.

Entspannter Psychedelik-Pop kommt von Club Merano, auch aus Helsinki. Die Enkel von der Folk-Räucherstäbchenheroen der 70er Jahre kommen putzmunter daher. Sind fröhlich, tanzbar und angenehm selbstironisch und schrecken selbst vor Gitarrensoli nicht zurück. Die alten Heroen von Yes bis Caravan können sich beruhigt zurücklehnen: Der Nachwuchs hält die guten alten Traditionen hoch und schlägt doch seine eigenen Kapriolen und dreht die Synthies auf. Da es sich hier um Späthippies handelt, besteht Club Merano aus nicht weniger als sieben Akteuren, die mit Schmackes die 70er hochleben lassen, dabei mitunter hüpfen wie die Hummeln im Honigglas und sich nicht scheuen, dick aufzutragen. Wir streichen jetzt unsere Wände braun, zünden die Duftkerzen an streifen den Fransenponcho über. Jawohl!

Die Winterreise durch den finnischen Indiepop wird fortgesetzt!

High Road by Club Merano

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