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Foto nordische Landschaft

22. Dezember 2011

Home For Christmas mit den French Films

Natürlich wollen sie Weihnachten zuhause sein. In Espoo und Järvenpää. Aber vorher spielen sie mit viel Gusto ihr letztes Konzert des Jahres fern der Heimat in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden, im Zentrum mit den vielen Edelgeschäften, in Spuckweite von Spielbank, Kurpark und Kaiser-Friedrich-Therme. Der gerne als Rentnermetropole verspotteten Kurstadt tut ein frischer, ungestümer Windstoß gut, und deshalb ist es wunderbar, dass die unbekümmerten finnischen Jungspunde French Films kurz vorm Fest im Kulturpalast aufspielen und die Jugend der Stadt mächtig ins Schwitzen und Tänzeln bringen.

Das fast noch minderjährig daherkommende Quintett ist angenehm uneitel und ungemein sympathisch. Und so voller Leben, dass sie fast platzen wie prallgefüllte Luftballons. Nein, es geht hier nicht um korrektes Schönspiel, sondern vorrangig ums Spaßhaben, Ausprobieren und Abtanzen. French Films zeigen, dass einfache Songs mit leicht wiedererkennbaren Refrains (vulgo: Gassenhauer) mit einem rotzfrechen Charme daherkommen können wie der kaugummikauende Dennis die Nervensäge mit seiner Schleuder und dem Unschuldsblick. Die Finnen bringen Surfgitarre, Rabauken-Vocals und wavige Coolness auf einen Nenner, der einfach schreit: Party! Party! Die großen coolen Brüder von den Vaccines und den Drums sind nicht wirklich fern, aber French Films spielen mit einem Was-kostet-die-Welt-Straßenköter-Enthusiasmus auf, dass es eine Freude ist und sich die Beine automatisch in Bewegung setzen. Energie, Energie und lächelnder Anarchismus sind es, die an diesem verregneten Abend alle Widerstände hinwegputzen wie Plustemperaturen den Schnee.

Die Songs sind eingängig und unwiderstehlich, die Frisuren sämtlicher Akteure auf der Bühne würden jeden Dorffriseur in tiefe Depressionen stürzen, aber das ist so nebensächlich, weil die Jungs es auf wundersame Weise fertigbringen, dass am Ende fast alle lächeln. French Films machen artige Zwischenansagen auf deutsch (brav gelernt!), müssen aber letztendlich über sich selbst lachen, verhaspeln sich und reden Unsinn, stolpern fast über ihre eigenen Füße und sind doch die ganze Zeit über ungemein in ihrem Element. Am Schluss übernimmt plötzlich der Basser die Vocals, und er tut das gut, und irgendwie entsteht aus all dieser Unperfektheit doch ein stimmiges, knallfroschfanfarenartiges Ganzes von großer Lebendigkeit. Und wer jetzt sagt, das ist doch alles nichts Neues, der hat grundlegende Dinge über das Wesen der Popmusik nicht verstanden.

French Films sind im Januar nochmals auf Deutschland-Tour unterwegs. Wer einfach nur Spaß haben will: Hingehen!

French Films – You Don’t Know from French Films on Vimeo.