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Foto nordische Landschaft

18. März 2012

Gar nicht Altmodisch!

Dass langweilige deutsche Wörter im Ausland als cool gelten, kann man kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Warum gerade für dänische Bands die Sprache des südlichen Nachbarlandes als Inspiration zur Namensgebung en vogue ist, sollen die Tiefenpsychologen erklären. Die Bühnen-Berserker Kellermensch etwa kommen aus Dänemark. Die Neo-Krautrockder Hypertext dito. Und jetzt eben auch Altmodisch. Das Quintett aus Kopenhagen wandelt hörbar auf den Spuren von Schlau-Indiertronikern wie The Notwist, Lali Puna oder Wheat, aber tut dies auf eine angenehm zurückgenommene und sehr leichtfüßige Art. Eine verhaltene Melancholie haftet den Songs des selbst betitelten Debütalbums an wie Staubflocken den ausgetretenen Altbaudielen. Die ruhigen Fünf zeigen mit sanftem Nachdruck, dass Nachdenklichkeit durchaus tanzbar sein kann. Dynamik entsteht hier auch ohne obermotzige Pferdestärken, so wie im Song »We Look The Same«. Über die Ästhetik des Videos kann man geteilter Meinung sein, denn hier wird es erst richtig konkret, wenn sich die Band selbst nach reichlich zwei Minuten ins Bild traut. So lange hättet ihr doch garnicht warten müssen! Und vor dem Dancefloor müssen die Jungs doch keine Angst haben!

Derzeit werkeln die Dänen an ihrem zweiten Allbum, in dem die elektronischen Spielereien hörbar nach der Übermacht schreien, die Lo-fi-Vocals aber tapfer dagegenhalten. Dar grundlegenden Traumverlorenheit der Songs tut dies ohnehin keinen Abbruch. Nur kommen mitunter auch Trompete und Akkordeon mit ins Spiel. Altmodisch müssen den Gedanken nicht despektierlich finden, aber sie spielen die perfekte Musik für einen Sonntagabend, wenn man die Gedanken schweifen lässt, dies und jenes kramt oder einfach nur entspannt vor sich hin trödelt.