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Foto nordische Landschaft

25. März 2012

Siena Root – Das Warten auf die Sonne hat ein Ende

Tatort: Sonic Ballroom, Köln
Tatverdächtige: Psychedelic Rock
Tatzeit: 15. März 2012
Tat-Zeugen: Neo-Hippies

Der Kölner Sonic Ballroom ist für ein Konzert von Siena Root irgendwie ungeeignet. Die familiäre Atmosphäre des Clubs passt, aber man möchte diese Band lieber auf einem kleinen Open-Air-Festival in einer lauen Sommernacht hören. Denn das würde mehr dem 70er-Jahre-Flair entsprechen, den die Schweden verbreiten: Psychedelische Klänge vorgetragen von bärtigen Männern mit wallendem Haar.

Bei Auftritten im Heimatland singt Oskar Lundström; hier auf der Deutschland-Tournee ist Chrissi Jost dabei, eigentlich Sängerin der Berliner Retrorocker White Rabbit Dynamite. Ihre ausdrucksstarke Stimme erinnert an Grace Slick von Jefferson Airplane und passt perfekt zur Musik. Besonders »Waiting for the Sun« – übrigens kein Doors-Cover – gefällt mir noch besser als auf CD.

Bands, bei denen alles so gut aufeinander abgestimmt ist, wirken oft arrangiert. Das ist bei Siena Root nicht der Fall. Die Musiker sind im Gegenteil sehr natürlich und gewinnen dadurch sofort die Sympathie des Publikums. Oft verlieren sie sich in minutenlangen Instrumentalsoli und scheinen überrascht, am Ende des Liedes Applaus zu bekommen. Sie bedanken sich ehrlich erfreut und ohne die sonst üblichen übertriebenen Publikumsschmeicheleien.

Am Konzertende kommen sie zweimal zu einer Zugabe auf die Bühne zurück – was aber nichts mit Starallüren zu tun hat. Das zeigt die Bemerkung des Gitarristen KG West: »Okay… You don’t wanna go to sleep.« und sein darauf folgendes verschmitztes Lächeln, das wohl »We neither.« bedeutet. Nach zwei Stunden sind sie doch erschöpft und entlassen uns in eine milde Nacht. Am nächsten Tag scheint die Sonne und es wird Frühling. Man ist versucht, nicht an einen Zufall zu glauben.

Foto © Siena Root