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Foto nordische Landschaft

30. März 2012

Morning came, you were gone: Pal

Das ziellose Flanieren ist ein wenig außer Mode gekommen. Schade eigentlich! Denn beim lustvollen Treibenlassen kommen häufig die besten Gedanken. Zum Spazieren ohne Zweck und Plan im Frühjahr passt bestens der verträumte, sanftäugige, aber keinesfalls naive Lo-Fi-Elektronikpop eines jungen Mannes mit dem Allerweltsbandnamen Pal. Dahinter verbirgt sich ein Musiker mit dem bürgerlichem Namen Albin Johansson aus Malmö. Die Nachwuchskraft aus Schweden hat ihre ersten Songs, so wie es sich das gehört, zuhause im Wohnzimmer aufgenommen. Und einen angenehm zurückhaltenden, aber gleichwohl selbstbewussten Stil entwickelt, zu dem die akustische Gitarren und sehnsüchtig puckernden analogen Synthies verstohlen schmusen und die Drummachine ein bescheidenes Grundgerüst bildet. Und natürlich die nerdige, mitunter ins Falsett changierende Stimme von Johansson selbst!

Pal hat vor kurzem seine Debüt-EP mit dem ebenfalls unauffälligen Titel »WEEKS« vorgelegt, in dem es inhaltlich um die kleinen Dramen des Alltags geht, um Verluste und Veränderungen und Fragen – und wie man damit umgehen lernt. Aber keinesfalls mit einer Attitüde weinerlicher Jammerei, sondern durchaus mit erhobenem Kopf. Herr Johansson nimmt sich Zeit, schaut sich die Dinge genau an und entwickelt in den beiden vielleicht schönsten Songs des Albums, nämlich »Morning Came« und »Anything« eine unbestreitbare Wärme. Weinen muss hier keiner, sondern weitergehen, immer weitergehen, mit offenem Augen und einem kleinen Lächeln um die Mundwinkel. Um irgendwann vielleicht irgendwo anzukommen.

Pal ist übrigens im Mai bei einigen Deutschland-Tourterminen seiner ebenfalls famosen Landsfrau Big Fox dabei. Live wird er dabei von zwei befreundeten Malmöer Musikern unterstützt, unter anderem von Adam Hjertström von Forest & Crispian.