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Foto nordische Landschaft

18. April 2012

Little Talks, plötzlich ganz groß: Of Monsters And Men

Manchmal gibt es sie noch, die Aschenbrödel-Geschichten im strauchelnden Musikgeschäft, und eine davon geht so: Vor anderthalb Jahren stolpert die Polarbloggerin per Zufall beim Iceland Airwaves Festival in Reykjavik in eine Kneipe, weil ein anderer Konzertbeginn sich kurzfristig verschoben hat. Außerdem regnet es. Wie eigentlich dauernd. In einer Ecke eben dieser Kneipe spielt eine putzmuntere Folkpoptruppe vor gerade mal 20 Leuten auf, mit lauter unwiderstehlichen gute-Laune-Stückchen und einigen innigen Americana-Preziosen im Programm. Mit einer Sängerin von ruhiger äußerer und stimmlicher Schönheit und einem Sänger, der aussieht wie ein Metzgergeselle. Of Monsters And Men spielen mit Hingabe, Verve und, hm, großen Gefühlen. Foppen sich ständig gegenseitig und lassen das Publikum an ihrer spielerischen Leichtigkeit teilhaben. Irgendwie wird es einem hier unvermutet ganz warm ums Herz, und man ertappt sich bei einem breiten Lächeln. Schön, unverhofft auf diese Nachwuchsband gestoßen zu sein!

Vor einem halben Jahr freut sich die Polarbloggerin beim Airwaves-Festival darauf, Of Monsters And Men nochmals im kleinen Rahmen zu erleben. Und wundert sich: All die Off-Venue-Konzerte der Band in der Jugendherberge oder im Café sind so knallevoll, dass an ein Hereinkommen nicht zu denken ist. »Was ist denn hier passiert?«, denkt man sich erstaunt. Und findet heraus, dass die Band inzwischen den wichtigsten Nachwuchswettbewerb der Atlantik-Insel gewonnen hat und das scheinbar ein ganzes Land die Großgruppe mit den karierten Hemden ins Herz geschlossen hat. Auf dem Konzert am Abend, im zweitgrößten Saal des neuen Konzerthauses Harpa am Hafen, ist es ebenfalls knallevoll. Punks und Tussen gleichermaßen singen den größten Teil de Songs strahlend und textgenau mit. »Holla!«, denkt man.

Gestern ist die Polarbloggerin auf der schönen deutschen Autobahn unterwegs und zu faul, nach dem Verkehrsfunk gleich eine der zahlreichen CDs einzulegen. Und das ist gut so. Denn nach dem Verkehrsfunk kommt im staatlichen Dudelsender, der hier den Namen SWR3 trägt, folgende professionell muntere Ansage: »Als nächstes hören Sie den aktuellen Hit von Of Monsters And Men, nämlich Little Talks«. Hallo? Was ist denn hier passiert? Denkt man sich mit heruntergeklappter Kinnlade. Die kleinen Isländer zur besten Sendezeit, gleich nach den Stau auf der A5? Und freut sich sehr und singt die nächsten vier Minuten lauthals mit, ebenso wie die Reykjaviker im vergangenen Oktober. Der Song ist tatsächlich ein unverschämt unwiderstehliches Stückchen Folkpop. Und das schicke neue Video zum Song sieht so aus, als sei Aschenbrödel mittlerweile im Ballkleid unterwegs.

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