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Foto nordische Landschaft

18. Mai 2012

Ein Tag für Absurditäten: Barry Andrewsin Disko

Was für ein absurder Tag: Behörden zwingen ihre Mitarbeiter zum Zwangsbrückentag, aus lauter Angst vor den weltreisenden Blockupy-Aktivisten in der Bankenstadt Frankfurt. Die Luxusgeschäfte an der Goethestraße verrammmeln ihre Läden, ziehen die Zugbrücken hoch. Luxushotels in der City wappnen sich. Am Ende des Tages nehmen 5.000 Polizisten vorübergehend 400 friedfertige Demonstranten fest. Hysterie, jetzt oder nie! Zu den schönsten Ironien dieses schwarzen Freitags gehört es, dass Banken ihre Mitarbeiter anweisen, in Freizeitkleidung zur Lohnarbeit zu erscheinen. Ergo: Wer in Bermudashorts und Badelatschen gen Bankentürme strebt, läuft weniger Gefahr, von gefährlichen Chaoten verhauen zu werden. Hallo?

Als Gegengift an diesem Tag, der mit strömendem, ekelig nasskaltem Regen über dem Odenwald endet, wirken die widerborstigen und widerständigen Töne eines jungen Musikers aus der finnischen Hafenstadt Turku mit dem unscheinbaren Namen Jukka Herva. Die auftregendsten Töne sind immer die, sich am wenigsten verorten und einordnen lassen. Was dieser Nerd aus der Provinz anstellt, bleibt unklar, denn die Gewissheiten verabschieden sich wie eindimesionale Freund-Feind-Klischees. Herr Herva, der unter dem sperrigen Künstlernamen Barry Andrewsin Disko unterwegs ist, schlägt Haken zwischen launigem Geschichenerzählen, beunruhigenden elektronischen Schöngeräuschen und einer unbestimmen Sehnsucht nach irgendetwas Unbekanntem, das man direkt spürt, aber nicht benennen kann. Und jodelt. Und hält die pastellfarbene Flagge der Disco-Sounds hoch, überkandidelt. Kontrastriert sie mit Anarchie und Beunruhigung. Wo sonst als bei einem der widerständigsten und empfindsamsten Labels der Welt, nämlich Fonal, soll das Debüt erscheinen? Hoffentlich bald!