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Foto nordische Landschaft

07. Juni 2012

Reykjaviks neue Lokalhelden? Tilbury

Aschewolke und Fast-Staatspleite sind Vergangenheit. Wenn Island dieser Tage in den Medien thematisiert wird, dann a) als leuchtendes Beispiel für ein Land, das nach der Finanzkrise reinen Tisch gemacht, seine Finanzen in den Griff bekommen hat und sich mittlerweile wieder auf einem langsamen, aber stetigen Aufwärtspfad befindet. Man möchte fast meinen, dass Griechen und Spanier demnächst massenweise gen Nordatlantik verschifft werden, um sich von den Insulanern in funktionierender Krisenbewältigung schulen zu lassen. Und b) als neues europäisches Neuseeland, was die Verfilmung von Phantasy- und Science-Fiction-Stoffen angeht. So ist ein Teil der Mittelalter-Saga »Game Of Thrones« vor der Kulisse isländischer Gletscher gedreht worden, und Ridley Scotts neues Epos »Prometheus« dito. Die isländische Tourismusbehörde freuts: Sie rechnet mit einem Anstieg der Besucher, die auf den Spuren ihrer Helden wandeln wollen.

Wir wollen aber nicht vergessen, dass Island kaum mehr als 300.000 Einwohner hat und in der Reykjaviker Musikszene jeder jeden kennt. Man läuft sich über den Weg, beschnuppert sich, findet größere Gemeinsamkeiten und gründet eben eine Band. So war es bei Tilbury, die in diesem Frühjahr angetreten sind, um die neuen Lokalhelden zu werden. Mit einer feinen Mischung aus hippieseligem End-60er-Retropop, leicht angefolkten Tagträumereien, angenehm überspannten Synthies und sanft-zauseligen Vocals. Der Musiker Þormóður Dagsson hatte Tilbury zunächst als Soloprojekt begonnen, aber siehe da, es scharten sich immer mehr Freunde um ihn und die spielten bei bereits etablierten Bands wie Hjaltalín, Sin Fang und Amiina. Und irgendwann war man zu fünft, und die örtliche Buntpresse will das Quintett voreilig zur neuen isländischen Soupergroup hochjubeln. Gemach, gemach, so weit sind diese Jungspunde noch lange nicht, aber ihr jüngst vorgelegtes Debütalbum »EXORCISE« kommt zwar zunächst samtpfötig daher, aber kann durchaus die Gitarrenkrallen ausfahren. Oder alternativ die Loneley Hearts Club Band in Trompeternklänge ausbrechen lassen. Die Single »Tenderloin« ist angenehmster Stoff für entspanntes Treibenlassen zu pladderndem Regen und huschenden grauen Wolken.

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1 Kommentare

1. Stippvisite 16/06/12 (König Fußball regiert...) | Lie In The Sound schrieb am 16. Juni 2012 um 17:17

[...] freilich tut dies der Polarblog. So hat die geschätzte Eva-Maria wieder einen wunderbaren Tipp im Angebot. Tilbury sollen laut ihr die neuen Lokalhelden Reykjaviks sein. An dieser Einschätzung zweifle [...]

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