Home
Foto nordische Landschaft

18. Juli 2012

In seinem eigenen Tempo: Matti Jasu & The Loose Train

»Twenty fingers, twenty toes, your blue eyes and my big nose«: Damit haben sich die beiden Schlauschelme von Goodnight Monsters mit ihrem eigenwilligen Stückchen Tweepop im Jahr 2005 nachhaltig in das Herz der Polarbloggerin gespielt. Das Album hieß »THE BRAIN THAT WOULDN`T DIE«, und das Cover kam charmant als Kritzelei-Do-It-Yourself daher. Matti Jasu und Valtteri Virtanen hießen die beiden Nerds aus Turku, die als (scheinbar) liebenswerte Dilettanten überzeugten. Dabei konnten sie bisweilen hinreißend garstig sein! Auch das Folgealabum »SUMMER CHALLENGE« ist als Soundtrack für unbeschwerte Sommertage unvergesslich geblieben und spielte als musikalische Nervennahrung bei der erfolgreichen Überquerung des Splügen-Passes im altersschwachen Ford Fiesta im Jahr 2008 eine entscheidende Rolle. Nichts für Leute mit Höhenangst, nur nebenbei! Als Goodie gibt es hier nochmal das knuffige Fan-Video zu »Twenty Fingers«.

Aber wir werden älter, und die Dinge ändern und die Wege trennen sich. Goodnight Monsters, ach, sie sind nicht mehr. Valtteri Virtanen ist bei den New Tigers aktiv, bei Nick Trianis Soliti-Label untergekommen und pflegt das hemdsärmelige Gitarrengeschrammel mit hippieskem Einschlag. Matti Jasu hat den Monsters im Jahr 2010 den Rücken gekehrt, aus musikalischen Gründen. Er wollte nämlich lieber Singer-Songwriter sein! So ganz geklappt hat es damit nicht, denn obwohl er seine Americana-Klampfer-Seite in seinem neuen Projekt Matti Jasu & The Loose Train auslebt, haben es ihm die ausgedehnten Gitarren-Jammereien eines Neil Young doch ausgesprochen angetan. Das Debüt-Album »SAMURAI VS THE COMPUTER« ist dieser Tage herausgekommen. Um Formatradiokompatibilität kümmert sich Herr Jasu wenig, denn das Titelstück nimmt sich 15 herumexperimentierende Minuten und handelt von den Kindheitshelden des Musikers, also von den Formel-1-Fahrern Alain Proust und Ayrton Senna. So ist das!

»SAMURAI« ist ein Album, mit dem man sich anfreunden muss. Das viele Meilen von der pfiffigen Popherrlichkeit von anno damals entfernt ist. Das sich Zeit nimmt, um bei sich anzukommen, aber von Anfang an durch eine selbstbewusste Grundentspanntheit überzeugt. Das seine Geschichten in seinem Tempo erzählt, nicht in dem der hektischen Welt. Gleichwohl schimmmern Leichtigkeit und Übermut (die zwingend zum Pop gehören) immer wieder durch. Man fremdelt hier bisweilen. Lauscht aufmerksam. Man freut sich über das frech aufblitzende Piano. Man erfreut sich am wundervollen Finnglish von Matti Jasu. Man wärmt sich an der Lakonie. Man lächelt über alltägliches Schönspiel und krause Geschichten. Und vielleicht vor allem darüber, dass Herr Jasu neue Wege geht, die sicherlich nicht spektakulär oder stilbildend sind, aber wärmen wie ein Lagerfeuer im Frühherbst, wenn die ersten Fröste kommen. Auf Bandcamp kann man das gesamte Album hören und bei Gefallen auch erwerben, und das Stückchen »Here They Come« ist sicherlich eines der schönsten und ist vielleicht eine Hommage an die großartigen und unvergessenen American Music Club, deren Berliner Konzert vor vielen, vielen Jahren auf meiner persönlichen Top-Ten-Liste immer noch sehr weit oben steht. Gleich hinter Mike Scott von den Waterboys, solo in der Passionskirche. Aber Schluss, ich schweife ab!

Die letzten 5 Beiträge von Eva-Maria Vochazer

Noch keine Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*
Bitte gib das Sicherheitswort auf dem Bild ein.
Anti-spam image