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Foto nordische Landschaft

08. August 2012

Devil Side 2012: Freitag – Sauflieder, Slips und endlich Stimmung

Meine erste Band ist am Freitag Chthonic, die Exoten aus Taiwan. Von asiatischer Zurückhaltung ist hier nichts zu spüren. Obwohl die Menge überschaubar ist, haben die Black Metaller sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Besonders faszinierend ist das chinesische Streichinstrument »Erhu«, das der Sänger spielt.

Danach will ich zurück zum Campingplatz. Der Shuttlebus dahin startet direkt vor dem Eingang des Festivalgeländes, aber wann kann keiner sagen. Im Laufe der nächsten Tage stellt sich heraus, dass er circa jede halbe Stunde fährt. Da er manchmal aber fünf Minuten früher kommt, verbringe ich unnötig viel Zeit mit Warten.

Wobei ich nicht traurig bin, heute wegen der Warterei nur noch die letzten Lieder der Lokalmatadoren Betontod mitzubekommen. »Wir müssen aufhören, weniger zu trinken« singen mir meine Mitfahrer schließlich auf jeder Busfahrt vor.

The Bones (S) haben keine Lieder zum Mitgrölen und schaffen es deswegen trotz gewohnt guter Show nicht, das Publikum aus seiner Lethargie zu reißen.

Die Sängerin Maja Ivarsson der Schweden The Sounds hat die Sauflieder anscheinend wörtlich genommen und torkelt sichtlich betrunken auf die Bühne. Alle zehn Sekunden lüpft sie ihr auffälliges rotes Kleid. Am Ende des Sets hat jeder Zuschauer ihren schwarzen Slip gesehen und fotografiert. Nicht nur Maja Ivarsson ruft Stirnrunzeln beim Publikum hervor, sondern auch die Musik, die etwas zu poppig für ein Metal Festival ist.

Aber Arch Enemy (N) bringen uns wieder zurück zum Metal und das Festival beginnt erst richtig: Angela Gossow beschwert sich zwar, dass sie mit 88 Dezibel auskommen müssen – wegen einer Anwohnerklage –, aber die Erzfeinde schaffen es trotzdem, die Masse endlich in Bewegung zu bringen.

Clawfinger steigern die gute Stimmung. Zak Tell, der Sänger der Hardcore-Gruppe aus Schweden, glänzt wie immer mit Publikumsanimation und Bühnensport: Er nutzt die Bühnentower als Klettergerüst und schmeißt sich in die Menge, die traditionell den Refrain von »Do What I Say« singt.

Obwohl ich keine Doro-Platte besitze – live ein Muss. Sie gewinnt sofort die Sympathie aller Zuschauer durch ihre ehrliche direkte Art. Außerdem lächelt sie die meiste Zeit, nette Abwechslung zu den sonst üblichen bösen Grimassen, um die sich Metaller häufig bemühen. Die Oldschool-Metal-Fans sind nicht mehr zu halten.

Die schwedischen Headliner In Flames machen ihrem Namen mit viel Pyrotechnik alle Ehre. Sonst finde ich sie nicht so überzeugend, das mag aber daran liegen, dass ich die alten Platten von ihnen lieber mochte. Alle anderen feiern die Band und geben dem ersten Tag einen würdigen Abschluss.

Da auf den beiden Bühnen schon um 23 Uhr Schluss ist, gehe ich noch zur After-Show-Party in der Turbinenhalle, wo sich ungefähr fünfzig Leute eingefunden haben. Die Musik ist, dem Festival entsprechend, sehr vielseitig und die Tanzfläche voll.

Als ich die Party um zwei verlasse, sagt mir die Security, der Shuttlebus fahre jetzt woanders, aber keiner kann mir genau sagen wo und wann. Zum Glück nehmen mich nette Menschen mit zum Camping. Die Shuttlebus-Organisation ist das einzige Ärgernis bei einem ansonsten sehr gut geplanten Event.

Fotos © Daniela Adelfinger und Michael Jagla

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