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Foto nordische Landschaft

10. August 2012

Devil Side 2012: Sonntag – Poser, Stofftiere und viel Spaß

Der sonnigste Tag des Festivals fängt für mich mit der düstersten Band an: Kellermensch. Bisher habe ich die Dänen nur einmal an einem ebenso schönen Tag wie heute Open Air gesehen. Damals fand ich sie fast partytauglich. In der Turbinenhalle, einer ehemaligen Industrieanlage, und mit anderem Outfit – alle in schwarz – passt der Bandname viel besser. Die knatternden Gitarren und die Melodie- und Tempowechsel erzeugen einen bizarren Klang, der für das Publikum offensichtlich gewöhnungsbedürftig ist.

Direkt im Anschluss das Kontrastprogramm – Party mit Kissin’ Dynamite(D). Der Hair Metal kehrt zurück: enge Hosen, Schminke, Leopardenlook, auftoupiertes gestuftes Haar und perfektes Posing. Sehr amüsante Show. Ich wundere mich nur, was der silberne Riesendildo soll, den der Sänger Johannes Braun ständig durch die Luft wirbelt. Beim Lied »I Will be King« verstehe ich: Er hüllt sich einen Königsumhang – der silberne Stab ist ein Zepter.

Nach dem Konzert genieße ich die Sonne und komme erst zu Biohazard (USA) wieder zurück in die Turbinenhalle. Wie in den letzten beiden Tagen ist jetzt um 17 Uhr noch nicht viel los, aber für einen Mini-Circlepit reicht es immerhin.

Kaum hören Biohazard auf zu spielen, drängen sich Frauen mit Stofftieren in die erste Reihe. Ich wusste nicht, dass Powerwolf (D) solch einen Boy-Group-Faktor haben. Immerhin werden die Löwen und Tiger – warum eigentlich keine Wölfe? – nicht auf die Bühne geschmissen. Aber die Show ist sehr gut inszeniert, es macht Spaß zuzugucken und das Publikum beteiligt sich begeistert.

Weniger Begeisterung wecken Frank Turner & The Sleeping Souls (GB). Nach The Sounds die zweite Band, bei der ich nicht weiß, warum sie auf einem Metal Festival auftreten. Nach einigen ihrer poppigen Lieder schlafen zwar keine Seelen, aber viele, die den Fehler gemacht haben, sich hinzusetzen.

Danach bei Thin Lizzy gibt es zum ersten und einzigen Mal Probleme mit der Technik, weswegen sie mit 40 Minuten Verspätung beginnen und drei Lieder ihrer Setlist streichen müssen. Sie geben alles, aber Phil Lynotts markante Stimme ist schwer zu ersetzen. Immerhin schaffen sie es, das durch die Verzögerung etwas genervte Publikum wieder in gute Laune zu versetzen.

Royal Republic steigern den Spaßfaktor, indem sie lustige Publikumsspiele erfinden, wie auf Kommando hinsetzen und aufspringen. Da dies »a kind of Metal Festival« sei, so der Sänger Adam Grahn, spielen sie zwischendurch immer wieder Klassiker wie »Ace of Spades« an. Ihr vorletzter Song »Underwear« erscheint für dieses Wochenende besonders passend, auch wenn die Schweden ihn nicht ihren Landsmännern The Sounds oder Sabaton widmen.

Insgesamt ist das Devil Side sehr abwechslungsreich. Für Leute, die nicht in einer Musikrichtung verhaftet sind, aber trotzdem ein alternatives Festival besuchen möchten, unbedingt empfehlenswert.

Dass dank der Anwohner wahrscheinlich für das nächste Devil Side eine neue Location gefunden werden muss, ist vielleicht sogar eine Chance. Denn das Open-Air-Gelände der Turbinenhalle ist nicht ideal: Trotz der Sandaufschüttungen liegen zu viele große Steine vor der Bühne, was schnell zu Verletzungen führt. Und ein Campingplatz direkt am Gelände wäre gut.

Sonst hat das Event alles, um sich dauerhaft zu etablieren: Die Abläufe klappen nahezu reibungslos, das Line-up kann sich sehen lassen, die Auswahl an Essständen sehr gut und die Anzahl der Biertheken wäre auch für ein ausverkauftes Festival ausreichend.

Fotos © Yvette und Daniela Adelfinger

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