Home
Foto nordische Landschaft

25. September 2012

Zurück im Heimathafen: Cats On Fire in Hamburg

Für jede Band gibt es wohl außerhalb der eigenen Landesgrenzen einen Ort, der auf Tournee das zweite Zuhause ist. Für die finnischen Smiths-Epigonen Cats On Fire ist Hamburg der deutsche Heimathafen. Zwar spielt man gerne auch an Orten wie Wiesbaden oder Oberhausen, wie Sänger Mattias Björkas zu den Orten der aktuellen Tour sagt, aber das Herz der Band schlägt in der Hansestadt höher als anderswo. Vielleicht, weil hier die langjährige und treue Fanschar sitzt und weil die Rezensenten von Spiegel Online den Alben der Finnen immer hohe Punktzahlen geben. Warum dies so ist, habe ich nie herausfinden können. Besondere Verbindungen? Echte Liebe? Simples Fantum? Hinwendung zur Exotik? Keine Ahnung.

Faktum ist, dass sich eine erstaunlich große Anzahl Menschen die steilen Treppenfluchten hochgequält hat, die das Nachtasyl im Thalia Theater vom Straßenniveau trennen. Um zunächst den Aufritt von Azure Blue zu goutieren, einer schwedischen One-Man-Band, die sich zu Zwecken des musikalischen Vortrages zu großen Teilen auf Samples verlässt und keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Als hinterher die Pausenmusik vom Band ertönt, fasst das sympathische Pärchen neben mir die Dinge treffend zusammen: »Das klingt genauso wie der Typ grade eben!« Uff, aua, Höchststrafe!

Und dann: Cats On Fire. Zwei Konstanten sind geblieben: Über-Nerd Mattias Björkas, der ewig an der Welt leidende, blasse, sensible Schlaumeier und Sänger, und der solide Kenneth Höglund am Bass. Ansonsten haben die Winde des Wandels die Band kräftig durcheinandergewirbelt. Wichtigster Abgang, in der Fußballersprache: Gitarrist Henry Ojala, der gemeinsam mit der begabten Sängerin Jessika Rapo das Duo Burning Hearts aus der Taufe gehoben hat und kürzlich mit »EXTINCTIONS« ein sehr feines, intelligentes und hintergründiges Album vorgelegt hat. Der gewissermaßen einen Schritt in Richtung Erwachsenwerden vorgelegt hat. Und bei den Cats eine Leerstelle hinterlassen.

Mattias Björkas ist immer noch der Außenseiter. Der Schüler, der immer zu allerletzt ins Völkerball-Team gewählt wird. Und der mit seinem Schicksal sichtbar kokettiert. Und der Außenseiterrolle feine Facetten abringt, selbstironisch und irgendwie hochmütig. An diesem Abend spielen die Finnlandschweden aus Turku vor allem Material von ihrem neuen Album »ALL BLACKSHIRTS TO ME« , das sehr elaboriert und ambitioniert ist, aber vielleicht die leicht zugängliche Popverliebteit der Vorgängeralben vermissen lässt. Erwachsenwerden heißt Kompliziertwerden? Ach! Und wennschon: Es geht um die kleinen Veränderungen. Und ums Weitermachen, auch wenn Dinge auf dem Weg verlorengehen. Man hält den Kopf hoch und bewahrt seinen Stolz. Und es ist ein herzerwärmendes Konzert. Genau deshalb.

Cats On Fire – After the Fact from Appu Jasu on Vimeo.

14. September 2012

Summer Breeze 2012 – Samstag: Lähmende Hitze und kühlendes Nass

Mit Naglfar spielt mal wieder eine Black Metal Band nachmittags in der Sonne. Diesmal wirkt das allerdings nicht so unpassend, da die Schweden die gängigen Klischees nicht erfüllen: Sie sind weder weiß geschminkt noch betont düster. Nur böse gucken kann der Sänger Kristoffer Olivius mindestens genauso gut wie andere Metal Bands.

Trotzdem ist das sehr heiße Wetter besser für Audrey Horne geeignet, die gerade im Partyzelt auf der Bühne stehen. Beim Hardrock der Norweger genügt ein Mitwippen, man hat nicht das Bedürfnis, sich extrem zu bewegen. Insgesamt irritiert mich die Uneinheitlichkeit: Sie scheinen sich weder auf eine Musikrichtung noch auf einen Kleidungsstil festlegen zu wollen.

Kompletten Beitrag lesen …

12. September 2012

Summer Breeze 2012 – Freitag: Metalmäuse und Melodic Death Metal

Am Freitagmorgen werde ich durch ein Rascheln geweckt – und entdecke einen kleinen Hügel unter dem Zeltboden, der sich eilig fortbewegt. Die Mäusekolonie, die das gesamte Summer Breeze-Gelände unterhöhlt hat, verliert offensichtlich jede Scheu. Selbst in Bühnennähe kommen die Tierchen aus ihren Löchern und huschen zwischen den Leuten umher.

Nach Frühstück und Duschen gehe ich taufrisch duftend passenderweise zu gleichnamiger Band. Dew-Scented beginnen ihre Show mit der Ansage »Wir sind das Weckkommando!« und sie erfüllen ihren Auftrag: Immer mehr Zuschauer versammeln sich vor der Main Stage, um sich wachzumoschen. Der harte Thrashmetal der Norddeutschen eignet sich dafür perfekt.

Kompletten Beitrag lesen …

11. September 2012

Summer Breeze 2012 – Donnerstag: Hübsche, angezogene Frauen und unattraktive, nackte Männer

Das Summer Breeze-Festival feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen. Wie gewohnt gibt es vom vom 16. bis 18. August 2012 in Dinkelsbühl zwei Hauptbühnen – Main Stage und Pain Stage – sowie die Bühne im Partyzelt.

Wieder lockt das Breeze knapp 40.000 Besucher – allerdings mit der negativen Folge, dass am Mittwoch viele Besucher mehrere Stunden in der Autoschlange vor dem Eingang stehen und eine halbe Stunde von ihrem Zelt bis zum Festivalgelände laufen müssen. Die sehen das jedoch gelassen und wie immer herrscht eine meist friedliche, recht bierselige Stimmung. Das ab Donnerstagmittag durchgehend sehr sonnige, warme Wetter trägt seinen Teil dazu bei.

Die erste Band des Festivals ist für mich Månegarm (S) am Donnerstag. Die Schweden haben Glück, denn sie profitieren von dem derzeitigen Pagan Metal Hype. So findet sich eine für diese Uhrzeit beachtliche Menge ein. Dies ist zudem wach genug, um die Haare zu schwingen.

Nach einer kleinen Bierpause vorm Zelt komme ich zu Epica (NL) wieder zurück auf das Gelände. Aber ich stelle fest, dass Simone Simons nach wie vor einfach zu hoch für mich singt. Da ich kein Mann bin und mich daher auch ihr gewohnt gutes Aussehen nicht halten kann, wechsle ich nach den ersten Liedern zur Party Stage.

Kompletten Beitrag lesen …

09. September 2012

Oh, Russell und Patti! Oder doch lieber Asonat und Mr. Silla?

Island ist hip. So sehr, dass im südlichen Teil der Insel die Zahl der Touristenbusse so bedrohlich angestiegen ist, dass man lieber in den Norden flüchtet, wennn man seine Ruhe haben will, wie ein Freund berichtet, der jüngst auf der Insel war. Island ist so hip, dass das Iceland Airwaves Festival Ende Oktober bereits seit ein paar Wochen ausverkauft ist. Island ist hip als Drehort für Filme, so dass Stars wie Russell Crowe oder Tom Cruise Wochen an malerisch abgelegenen Orten verbringen. Crowe, der dort gerade die Titelrolle einer Verfilmung des Lebens von Noah (ja, dem mit der Arche!) spielt, war von Island so angetan, dass er im Rahmen der Kulturnacht Reyjkavik gleich drei Mal als Sänger auftrat und ganz zum Schluss noch Patti Smith als special guest auf die improvisierte Bühne bat. Weil sie zufällig gerade auch in Reykjavik war. Man spielte natürlich den Klassiker »Because The Night«. Ja, so hip ist Island!

Den Hauch von Hollywood-Glamour braucht man in Reykjavik eigentlich nicht. Weil die lokale Musikszene weiter ganz alleine leuchtet und die Sternschnuppen nur so aufblitzen. Unter den Künstlern, die zum ersten Mal auf dem Festival auftreten, sind gleich wieder einige dabei, die neugierig machen. Wie Asonat und Mr. Silla, die ich auf Empfehlung das erste Mal höre. Fangen wir doch gleich mit Asonat an, einem übermütigen Electronic-Duo, das über ebenso viel Spielfreude wie Anarchie verfügt und sich irgendwo im Niemandsland zwischen Kettenkarussell und Geisterbahn bewegt. Der 22-Minüter »Arni Vector – Arni Raftonar« ist eine Tour de Force durch die Populärmusik, bis einem die Ohren nur so schlackern, wenn der Track bei einem ausufernden Zitat von Donna Summers I Feel Love« landet. Uff! Fannar Ásgrímsson und Jónas Thór Guðmundsson sind bestens vernetzte Musiker, die sich für ihr Debütalbum »LOVE IN TIMES OF REPETITION« Unterstützung von der französischen Chanteuse Olena Simon und der japanischen Sängerin Chihiro gesichert. Das klingt alles sehr strange und dann doch wieder zugänglich. Warum das Duo den unter dem Label »Countrystep« abgelegten Song »Austurviður« partout nicht herausbringen wollen, bleibt allerdings unverständlich.

Bei Mr. Silla geht es einmal mehr um die Kraft des Kollektivs. Das Sextett besteht aus Musikern, die sich bei Veteranen der isländischen Musikszene wie Múm, Amiina, Seabear oder Kimono ihre Meriten verdient haben. Die Musiker um Sängerin und Gitarristin Sigurlaug Gísladóttir spielen verlangsamten, unterkühlten, leicht countryesken Rock. So weit, so unaufregend. Nachtmusik eben. Sehnsuchtsmusik, die sich Zeit lässt. Und darüber sinniert, warum man bloß so lange dageblieben ist. Ohne die geliebte Person. Das klassische Dilemma. Aber trotzdem: Ab und zu braucht man diese klassischen Töne. Um sich zu wärmen und weiterzumachen.

 
Seite 1 von 212