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Foto nordische Landschaft

14. September 2012

Summer Breeze 2012 – Samstag: Lähmende Hitze und kühlendes Nass

Mit Naglfar spielt mal wieder eine Black Metal Band nachmittags in der Sonne. Diesmal wirkt das allerdings nicht so unpassend, da die Schweden die gängigen Klischees nicht erfüllen: Sie sind weder weiß geschminkt noch betont düster. Nur böse gucken kann der Sänger Kristoffer Olivius mindestens genauso gut wie andere Metal Bands.

Trotzdem ist das sehr heiße Wetter besser für Audrey Horne geeignet, die gerade im Partyzelt auf der Bühne stehen. Beim Hardrock der Norweger genügt ein Mitwippen, man hat nicht das Bedürfnis, sich extrem zu bewegen. Insgesamt irritiert mich die Uneinheitlichkeit: Sie scheinen sich weder auf eine Musikrichtung noch auf einen Kleidungsstil festlegen zu wollen.

Daher bin ich nicht traurig, als ich nach den ersten drei Liedern zur Pain Stage muss, wo Unleashed gerade ihre Show beginnen. Die schwedischen Death Metaller haben eine große Fangemeinde, aber inzwischen ist es so heiß, dass die meisten nur die Hand zu einem müden Pommesgabelgruß erheben und darüber hinausgehende Bewegungen vermeiden. Nur ein paar ganz Hartgesottene bangen tapfer zusammen mit der Band während des gesamten Sets – getreu deren Song »Wir kapitulieren niemals«.

Ich spare meine Kräfte lieber für Sepultura aus Brasilien. Und gieße mir zudem Wasser über den Kopf. Das nützt allerdings nichts: Es ist nach zwei Minuten verdampft. Doch dann bringen die Ordner endlich den Wasserschlauch zum Einsatz. Für einen Moment erregt das kühlende Nass mehr Aufmerksamkeit, als die Band auf der Bühne. Und nach der dritten Dusche erwachen die Lebensgeister. Der Sänger Derrick Green sieht das und fordert alle zum tanzen auf. Als er zudem – auf Deutsch (!) – fragt: »Oder seid ihr verklemmt?«, bewegen sich selbst die letzten Reihen zu den Klängen von »Rattamahatta« und »Roots Bloody Roots«.

Zum Glück hab ich danach erstmal eine Ruhepause, auch die englischen Paradise Lost sehe ich mir nur von Weitem im Schatten an.

Im Partyzelt staut sich die Hitze, obwohl es nach allen Seiten unten offen ist. Deswegen ist das Publikum bei Nifelheim recht lethargisch. Die Schweden geben trotzdem alles und verzichten ungeachtet der tropischen Temperaturen nicht auf die üblichen Black Metal-Utensilien wie schwarze Schminke und überdimensionale Leder-Nieten-Armbänder: Sie haben, wie beim Hole In The Sky 2011 mal wieder die Längsten.

Die Umbaupause auf der Party Stage zwischen Nifelheim und ihren Landsmännern von Shining nutze ich für eine kurze Esspause. Hierbei werde ich auf eine lustige Idee eines Essstand-Besitzers aufmerksam: Dieser nutzt seinen Wasseranschluss, um die Festivalbesucher per Gartenschlauch mit Gratisduschen zu versorgen. Unnötig zu erwähnen, dass viele das Angebot dankbar nutzen.

Nach Shining, die sehr elegisch sind, hat es außerhalb des Zeltes tatsächlich abgekühlt. Dem Sänger von ASP Alexander Spreng ist es allerdings um halb zehn immer noch zu warm und er fordert die Zuschauer auf, ihm Luft zuzufächeln. Dies hat natürlich keinen Effekt, aber Publikumsanimation ist immer willkommen auf dem Summer Breeze. Und die zunächst etwas skeptisch zuguckenden Metaller haben zunehmend Spaß am Auftritt der Gothic-Rocker.

Alle (drei) Jahre wieder … kommen Amon Amarth aufs Summerbreeze – und irgendwie ist (fast) alles wie beim Auftritt der schwedischen Death Metaller anno 2009: Sehr viel Pyroshow, gerappelt voll vor der Mainstage, höchste Crowdsurferdichte des Tages, aber ohne Langboot / sonstigen spekatakulären Bühnenaufbau und auch ohne »Super-Sonder-Jubiläums-Bühnen-Show«.
Wobei … eine besondere Einlage gibt es: Fronter Johan Hegg vereinnahmt die ganze Bühne, er hüpft, rennt – und rutscht aus. Da liegt er nun, aber als echter Profi grinst er, singt weiter / steht sofort wieder auf.

Trotz absolvierter Mammut-Festival-Tour sind  die Nordmänner in bester Konzertlaune; ein Höhepunkt für die meisten Besucher, die Songs frenetisch mitgrölen, wie: »War Of The Gods«, »Runes To My Memory«, »Destroyer Of The Universe«, »Death In Fire«, »Live For The Kill«, »Cry of the Black Birds«, »Fate Of Norns«, »Pursuit of Vikings«, »Northern Star«, »For Victory Or Death«, »Victorious March«, »Twilight Of The Thunder God« und »Guardians Of Asgaard«.

Alles in allem wie immer ein sehr gelungenes, lustiges und abwechslungsreiches Festival. Das einzige, was ich nicht verstanden habe: Warum betonten die Veranstalter stets das 15-jährige Jubiläum, um dann keine Sonderaktionen hierzu anzubieten?

So war der Donnerstag – und so der Freitag.

Text: Yvette / Fotos © natte

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