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Foto nordische Landschaft

27. Dezember 2012

Zu den längsten Nächten des Jahres: Pétur Ben und Them Bird Things

Aufräumen! Überflüssiges aussortieren! Eine zwingend notwendige Beschäftigung für Menschen, die über Musik schreiben. Und selbst in Zeiten überbordernder digitaler Bemusterung sieht das CD-Regal im trauten Heim mitunter so aus wie Obelix nach übermäßigem Wildschweingenuss. Was tun also mit all den Scheiben, die gutes Mittelmaß oder leichtes Ärgernis sind? Vielleicht finden andere genau diese Töne ja äußerst gelungen? Wer weiß? Also: Da ich weder ein gieriger Hegdefonds noch die heuchlerische Deutsche Bank bin, sind die ausgemusterten Platten lange Zeit zu Oxfam gewandert. Bis der naheliegende Gedanke kam, dass sich die unter kommunalem Kürzungszwang leidende lokale Stadtbibliothek sicherlich über Spenden freuen würde. Und so ist es! Stadtbüchereien sind überaus segensreiche Einrichtungen, und die Darmstädter Institution dürfte mittlerweile im bundesweiten Durchschnitt über ein ausgesprochen üppiges Angebot an obskurem finnischen Indiepop verfügen. Wenn das kein kleiner Lichtblick ist!

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09. Dezember 2012

Zeit der Unruhe mit Selvhenter, Pää Kii oder Tønes

Über Bestenlisten lässt es sich bekanntlich trefflich streiten. Und irgendwie gehen mir die bereits jetzt allenthalben kursierenden Aufzählungen der besten Alben des Jahres gehörig auf den Keks. Die nur erneut zeigen, dass die Fülle der Neuveröffentlichungen nicht mehr ernsthaft zu bewältigen ist und jeder nur der Experte in seiner bevorzugten Nische sein kann. Und hoffentlich ab und zu über den Tellerrand des eigenen guten Geschmacks hinausschaut! Über die Qualität der Nominierungen für den alljährlichen Nordic Music Prize kann mannur süffisant anmerken, dass die Künstler größtenteils nur von Major Labels vertreten werden. Aber man muss den Juroren zumindest zugute halten, dass sie gerade in der harmoniesüchtigen Vorweihnachtszeit für solch beunruhigende Töne wie die der dänischen Experimental-Mädelskapelle Selvhenter voten!

Die fünf Musikerinnen kommen mit zwei Schlagzeugen, Posaune, Saxophon und Geige daher und bewegen sich unerschrocken zwischen repetitiv-dronigen Soundscapes, schlauem Freejazz, tribalen Schlagattacken und noisiger Rocklust. Die Grenzen zwischen den Genres werden hier souverän niedergerissen, ohne dabei mit roher Kraft nur Zerstörungswut walten zu lassen. Diese unerhörten Töne sind hochpräzise! Und entwickeln eine unerwartet Sogwirkung!

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02. Dezember 2012

In den Traum fallen: Starflower. Und was sonst noch wärmt.

Er kommt immer überraschend, der erste Schneefall des Winters. Man wacht des morgens auf und die Welt ist weiß und leise. Heute ist dieser Tag. Im Mundwinkel nistet noch das Lächeln vom vergangenen Abend, dessen Urheber Jens Lekman ist. Der selbstironische Prinz aller gebrochenen Herzen und der Troubadour sämtlicher gescheiterten Liebschaften. Der den kleinen Härchen ein musikalisches Denkmal setzt, die sich an den Körper der Geliebten erinnert. Und der sich an diesem kalten Frankfurter Abend im gut gefüllen Zoom, seine Zartheit unter einer unkleidsamen dunklen Schirmmütze versteckend, als launiger Geschichtenerzähler erweist. Das Publikum der Bankenstadt mit einer Extended Version des Klassikers »A Postcard To Nina erfreut«. Nein, Ninas Papa wollen wir wirklich nicht kennenlernen und uns von ihm vegetarisch bekochen lassen schon gar nicht! Herr Lekmann verspricht weitere Zugaben, wenn man ihn findet. Und verschwindet mit der geschmeidigen Eleganz einer ebenholzschwarzen Katze von der Bühne. Ob ihn wohl jemand aufgespürt hat?

Angesichts einsetzender Kälte und früher Dunkelheit tut musikalische Trostkost gut. Starflower, eine dieser zu Unrecht so bescheidenen finnischen Popbands, die es mit ihrem zurückgenommenen und schwärmerischen Indiepop bislang noch niemals über die Landesgrenzen hinaus geschafft haben. Warum eigentlich? Und trotzdem seit mehr als einer Dekade alle paar Jahre ein feines Album voller verträumter Songs herausbringen, die sehnsüchtig und leicht melancholisch schweben wie halbmürbe Luftballons. Dabei durchaus intelligent (man trägt größtenteils Nerdbrille!) und schön arrangiert daherkommen und immer wieder mit kleinen Schlenkern überraschen, wie unvermittel einsetzende Trompeten. Die Band mit Wurzeln im Hafenstädtchen Pori veröffentlicht dieser Tage ihr drittes Album »THE SEA IS THE HARBOUR«. In »Walk The Plank« geht es um nichts anderes, als sich sanft in einen Traum fallen zu lassen. Wie in frisch gefallenen Schnee!

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