SLKJ: Der finnische Löwe und der tote Hase
Als ich Emily Cheeger das erste Mal sah, saß sie, den Tränen nahe, auf den steilen Stufen im Schmuddelkind-Club Ponyhof in Frankfurt-Sachsenhausen. Es war Sonntag, es regnete, ihre Katze daheim in Finnland war gerade gestorben und der einzige Konzertbesucher, der sie und ihre Band Vuk an diesem Abend live sehen wollte, das war ich. Eine skurile Situation. Wir redeten alle durcheinander und versuchten, Emily aufzuheitern. Mit wenig Erfolg.
Der einsame Tresenmann vom Ponyhof war eben von seiner Freundin verlassen worden. Seine Leidensgeschichte hellte die allgemeine Laune nicht auf. Der Booker war bedröppelt und der Vuk-Schlagzeuger ließ sich aus lauter Frust nicht mehr blicken. Emily bot an, auch ein Konzert nur für eine einzige Person zu spielen. Das war mir dann doch zu peinlich. Die Geschichte dieser Tour endete wenige Tage später für Emily doch einigermaßen versöhnlich, weil das Publikum im Heidelberger Karlstorbahnhof in ausreichender Zahl die finnische Künstlerin mit amerikanischen Wurzeln sehen wollte. Ihrem eigenwillig-traumverlorenen Hexenwelt-Pop ebenso genoss wie ihre schrulligen Piano-Moritaten. Und aufmerksam ihrer ausdrucksstarken Stimme lauschte.
Das Projekt Vuk gibt es immer noch, ein neues Album ist in Arbeit und für den Sommer sogar eine neue Deutschland-Tour geplant. Aber in der Zwischenzeit begibt sich Frau Cheeger nochmals auf Abwege. Gemeinsam mit ihrem musikalischen Mitstreiter Junnu Alajuuma hat sie das experimentelle Synthie-Projekt SLKJ (Suomi-Leijona ja Kuollut Jänis) aus der Taufe gehoben. Übersetzt: Der finnische Löwe und der tote Hase! Das Duo hat drei Songs auf Soundcloud veröffentlicht, die verspielter, melodramatischer und rhythmischer klingen als Vuk pur und natürlich vom Todesengel und dem sinnlichen Vergnügen an der Rebellion handeln. Irgendwo zwischen Jenseits-Sehnsucht und Tanzfläche herum irrlichtern und auf eine angenehme Weise beunruhigend sind. Nachtmusik, dunkel leuchtend, wenn alle Lichter ausgehen.
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2 Kommentare
1. Peter schrieb am 02. Februar 2012 um 09:50
Schöner Story. Ich habe schon Bands vor 5-6 Leuten spielen sehen, aber vor einem Zuhörer/in? Das wäre mir wohl auch peinlich ;-)
Aber Indie ist ‘ne raue, harte Welt.
2. Eva-Maria Vochazer schrieb am 02. Februar 2012 um 22:38
Ist mir tatsächlich schon mehrfach passiert! Immer eine niederschmetternde Erfahrung für Bands, die anreisen, soundchecken, warten…und dann taucht ein Mensch auf, der sie hören will! Ich fürchte, auch das Live-Geschäft wird die Musikbranche nicht retten. Es weht ein rauer Wind da draußen, in der Tat.