Home
Foto nordische Landschaft

20. Januar 2013

Focus on Finland: Eurosonic 2013

Über den Sinn und Unsinn von länderspezifischen Schwerpunkten auf einem Festival lässt sich streiten. Man ist doch gekommen, um aufstrebende und aufregende neue Bands zu hören, und das nicht zwingend nur aus einer speziellen Weltregion! Nun denn, ausnahmsweise freut man sich. Denn die Finnen sind, dem nationalen Naturell entsprechend, eher zurückhaltend, was das Selbst-Marketing angeht. Angeben oder sich in den Mittelpunkt drängen – zwischen Helsinki und dem Polarkreis eine gesellschaftliche Todsünde! Aber bei der 2013er-Ausgabe des Eurosonic Festivals im niederländischen Groningen steht Finnland im Fokus. Gibt es extra einen Meeting-Point aka »Lounge« namens »All Eyes On Finland« im Konferenzgebäude de Oosterport an der Gracht. Wo man jede finnische Menge Labelleute, Musiker und die Verantwortlichen von Music Finland treffen kann, der Förderer in Sachen Musik aus Suomi. Ob derlei offizielle Protektion den Künstlern beim Durchbruch wirklich nutzt, sei dahingestellt. Man unterhält sich in der Lounge meist in gedämpften Tönen. Rumpoltern wäre doch peinlich! (Foto: Lauri Hannus)

Freuen darf man sich mit den putzmunteren French Films, den sonnig-energetischen Surfpoppern aus Helsinki, die verdientermaßen einen europäischen Nachwuchspreis gewonnen haben. Freuen darf man sich für so stilbildende Bands wie die experimentierfreudigen Rubik, die sozusagen als verdiente Kräfte des Volkes zu einem Ehrenauftritt auf dem Festival kommen. Freuen darf man sich über die Nachwuchsbubis aus dem ganz hohen Norden Finnlands, die pausbäckigen Satellite Stories, die euphorisch-fröhlichen Indiepop zelebrieren. Freuen darf man sich über die sympathischen Folkpopper Eva & Manu und die so eigenwillige wie kluge Lau Nau, (Foto: Lauri Hannus), die als einzige Künstlerin von Sami Sanpäkkilas stilbildendem Fonal-Label auf dem Festival vertreten ist. Oder über die eleganten Elektronik-Tüftler Sin Cos Tan um Mastermind Jori Hulkkonen. Wohlwollend goutieren lassen sich die souligen Elektroniker Phantom, die die Ästhetik des Walle-Blüschens noch kostenlos dazu liefern. Nicht meine Tasse Tee sind definitiv LCMDF, die elektronisch verstärkte Blubbermusik machen, die ungefähr so originell ist wie Werbeanzeigen von Aldi. Die Mädels spielen passenderweise ein Off-Venue-Gig bei H & M! ;)

Phantom – Hearts from Music Finland on Vimeo.

Und dann kommt man zu denen, die fehlen. Auffällig fehlen. Ich versuche, herauszufinden, wer denn die Auswahl der finnischem Acts getroffen hat, die sich auf dem Festival präsentieren dürfen. Angeblich das Eurosonic selbst. Was schade ist, denn es klaffen Leerstellen. Keine einzige Band vom neuen Soliti-Label spielt hier, weder Cats On Fire noch Delay Trees. Von den interessanten Nachwuchskräften Black Twig, Big Wave Riders oder Paperfangs ganz zu schweigen. Es fehlen die wundervollen Burning Hearts aus Turku. Es fehlen die bescheidenen Starflower und die majestätischen Magenta Skycode. Die Auswahl ließe sich fortsetzen.

Es fehlen auch die jüngsten Newcomer wie die dunkelstimmige Chanson-Chanteuse Aino Venna, die mitunter so stilecht französisch singt, dass man die schwarze Baskenmütze aus dem Schrank kramen möchte und nach Camenbert giert. Der aber der auch nächtliches Nachdenken bestens steht,

Es fehlen die wackeren Indierocker NEØV, die eine unbestimmte Traurigkeit pflegen und in geheimnisvoller Schönheit schwelgen, was finnische Bands übrigens generell gut können. Trompeten schallen und Orgeln schwelgen. Die Band ist jüngst beim renommierten Fullsteam-Label untergekommen.

Die letzten 5 Beiträge von Eva-Maria Vochazer

3 Kommentare

1. SomeVapourTrails schrieb am 31. Januar 2013 um 12:32

Hatte ganz vergessen zu schreiben, wie sehr mir Aino Venna gefällt. Ganz düstere und doch klare Stimme. Großartig.

Natürlich sind Auswahlen immer mit Leerstellen verbunden, aber insgesamt sind skandinavische Musiker und Labels doch in Europa unter Kennern mittlerweile sehr geschätzt. Mich würde etwa ein Schwerpunkt Südeuropa mehr interessieren. Ich könnte sicher ein Dutzend starker norwegische Act aufzählen aber nicht einmal eine Handvoll portugiesischer und griechischer Indie-Bands.

2. Eva-Maria Vochazer schrieb am 02. Februar 2013 um 20:20

Freut mich, dass Dir Aino gefällt! Der Dame würde ich gerne mal live lauschen!

Auswahl ist immer Geschmackssache. Aber ich hätte aus Finnland vielleicht noch ein paar sperrigere Acts jenseits des Mainstream ausgewählt.

Südeuropäische Bands – oh weh. Muss ich weitgehend passen. Nachholbedarf!

3. Stippvisite 04/02/2013 (Live aus dem Trappistenkloster) | Lie In The Sound schrieb am 04. Februar 2013 um 20:25

[...] Über die finnischen Ausnahmeerscheinung Aino Venna werde ich hiermit keineswegs zum letzen Mal geschrieben haben. In den ausdrucksvollsten Momenten ihrer Debütplatte Marlene gibt sie die mit allen Facetten des Lebens vertraute Chanteuse, sie tönt im besten Sinne unglaublich abgebrüht, weise und erwachsen und dunkel, ein Gegenentwurf zur Mädchen- und Görenhaftigkeit unserer Tage. Songs wie Waltz to Paris, Suzette oder War Song bestechen mit großartigem Flair, von der klassischen Ästhetik zeitloser Schwarzweißfotografie inspiriert. Ganz famos, wie ich meine. (gefunden auf dem grandiosen Polarblog) [...]

Schreibe einen Kommentar

Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*
Bitte gib das Sicherheitswort auf dem Bild ein.
Anti-spam image