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Foto nordische Landschaft

06. Februar 2013

Veto, oder: Die schüchternen Dandies

Ließe sich von der Musik auf die äußere Erscheinung schließen, dann müssten die dänischen Indietroniker Veto so aussehen wie Duran Duran Anfang der 80er frisch nach dem Friseurbesuch.Tun sie aber nicht. Betont bescheiden stoffelt das Quintett auf die Bühne des neuen Wiesbadener Schlachthofs, und wenn sie Mädchen wären, täte man von Mauerblümchen sprechen. Aber ach, äußere Eindrücke! Denn man kann die Augen auch einfach schließen und sich an dem luftigen Weltschmerz erfreuen, den die Mannen aus Århus und Kopenhagen so schön hingebungsvoll zelebrieren. Unter besonderem Berücksichtigung der nasalen Stimme des bärtigen Sängers Troels Abrahamsen, dem man nur dringend vom Besuch beim Hals-, Nasen und Ohrenarzt abraten kann: Himmel, der würde dem Barden im schlimmsten Fall die Nüstern weiten und ihn damit so um sein Markenzeichen bringen!

Die Dänen kaprizieren sich auf das elektronisch verstärkte Dandytum, in dem Emotionen und Synthies gleichsam Überlebensgröße erreichen. Ziel aber ist es, elegante Gemütszustände hochwertig in Szene zu setzen und keinesfalls bloß unreflektiert den profanen Schweiß fließen zu lassen. Ein gewisses Element der Zurückhaltung bei aller Hingabe zu kultivieren. An diesem Abend sind die Referenzen an die Glanzzeit der synthiesouligen 80er unverkennbar. Yazoo, Fine Young Cannibals, vielleicht sogar Visage. Aber da blitzt auch die Offenheit für den treibenden Indierock auf, wie in »Battle«, einem der eingängigsten Songs vom neuem Album »SINUS POINT BREAK«, das eigentlich eine Kombination zweier EPs ist. Und dann sind da auch noch diese blubbernden Beats, dieser knochentrockene Bass und die angesagten tribale Soundschnippsel! Veto jonglieren mit vielen Bällen an diesen Abend, und hey! keiner fällt.

Dass die mittelkleinen Konzerte (sagen wir geschätzte 60 bis 100 Besucher) in einem nur provisorisch abgetrennten Teil des neu erbauten Schlachthofs stattfindet, ist keine optimale Lösung. Die Sicht von hinten ist miserabel und der Zugang zum Getränkestand für all die Unglückswürmer, die links stehen, ist doch etwas mühsam. Man trauert ein wenig der gemütlichen Räucherkammer nach, wo gußeiserne Säulen den Blick sehr viel dekorativer versperrten. Sei´s drum! Veto spielen sich warm. Beginnen sogar, schüchtern mit dem Publikum zu kommunizieren, über das bei Bands stets beliebte Thema endloser Fahrten über deutsche Autobahnen. Die man am besten vergisst, wenn Abrahmamsen in die Herz-Schmerz-Sahnestück »Four To The Floor« ausbricht, in der verletzte Gefühle auf solch dekorative Weise wehtun. Den schönsten Sinn für Selbstironie beweisen die sympathisch-zurückhaltenden Dänen in der Wahl des Coversongs. Wer traut sich schon, »In The Air Tonight« von Phil Collins zu spielen? Veto, die eine Interpretation abliefern, die mit hochwertiger Bitterschokolade überzogen ist!

Veto – Four To The Floor (Live) from VETO on Vimeo.

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