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Foto nordische Landschaft

06. März 2013

Niflheim 2013 (fast) in nordischer Hand: Vreid, Helheim, Ensiferum


Das Niflheim im Stuttgarter LKA ist ein sehr junges Pagan/Black Metal-Festival: Am 2. März 2013 feiert es erst seinen zweiten Geburtstag – und ist zu meiner (Vor)Freude fest in nordischer Hand. Den undankbaren Opener-Posten um 15 Uhr hat zwar die deutsche Kapelle Andras, doch danach sind  Ancestors Blood aus Finnland und Ereb Altor aus Schweden an der Reihe. Nach einer weiteren deutschen Unterbrechung (Finsterforst / Fjoergyn) sollen die Norweger Helheim auftreten, sowie Vreid, die ihr neues Album mit einer Release-Show exklusiv hier präsentieren. Headliner sind die finnischen Ensiferum.

Als Besonderheit haben die Organisatoren, Lisa und Filip Vuckovic, einen Metalmarkt, Autogrammstunden sowie einen Met-Ausschank organisiert (gab’s das beim Pagan- oder Heidenfest schon mal?) – und das Ganze für gerade mal 25 Euro.

Soweit der Plan – los geht’s:

Am Hauptbahnhof in Karlsruhe treffen wir unsere drei (Mit)Fahrer. Erst mal ein Bier für jeden (außer für den Fahrer versteht sich). Guten Mutes pünktlich zu Andras im LKA zu sein, fahren wir los. Doch kaum sind wir von der Autobahn runter, stehen wir auch schon im Stau; die Hoffnung Andras zu sehen schwindet sekündlich.
Andras (D), nie gehört – nie gesehen. … auch heute nicht, denn als die Band bereits zu Ende gespielt hat, stehen wir noch immer im Stau.

Von Ancestors Blood (FIN), bis dato ebenfalls nie gehört und nie gesehen, bekommen wir immerhin noch die letzten zwei Lieder mit.
Das Publikum scheint uns, bis auf wenige Ausnahmen, nicht sehr begeistert. Die Band gibt sich Mühe, doch ihre Aufmachung und die undeutlich vorgetragenen Texte reißen uns nicht vom Hocker. Zur Umbaupause gehen wir auf ein Bier ans Auto, wobei die Preise mit 3 Euro für ein Bier (0,4 Liter) in Ordnung waren – unser Tannenzäpfle schmeckt uns aber besser.

Bevor Ereb Altor an die Reihe kommen, schauen wir, was der Metalmarkt zu bieten hat (CDs und etwas Vinyl) – und stellen fest, dass es keinen Met-Ausschank gibt. Laut Aussage der Veranstalter sollte der Club selbst diesen übernehmen … was offensichtlich nicht geklappt hat. Außerdem ist der Ansturm auf die Niflheim-Kapuzenpullies größer als die Gastgeber dachten: In XL gibt es schon keine mehr. Sehr schade.

EREB ALTOR (S)


Ereb Altor ist ebenfalls eine Kapelle, die keiner von uns gekannt hat, kommt als Vorband jedoch gut rüber. Auch ist der Club vor der Bühne nun etwas voller. Gegen Ende des Sets versammeln wir uns nochmals bei unserem Biertransporter …

HELHEIM (N)



… während ich drinnen erfahre, dass Helheim früh(er) auf den Flieger müssen, und deswegen mit Finsterforst (D) tauschen. Ich frage mich, wieso das den Norwegern so spontan einfällt, schließlich steht die Running Order seit dem 20. Januar 2013 fest. Somit fällt meine Planung flach, genau jetzt zu meinem »Konzert-im-LKA,-Italiener-um-die-Ecke« (La Rinascente am Wangener Marktplatz) zu gehen. Denn Helheim mit ihrem aktuellen Album »HEIÐINDÓMR OK MÓTGANGR« muss ich sehen; ihr Auftritt beim allerletzten Hole In The Sky 2011 (R.I.P) war leider nur sehr kurz.

Hrymr, Vgandr, Hgrimnir und Noralf legen gemütlich los, die Nackenmuskeln können allmählich warm gebangt werden. Gegen Ende wird es schnell, brutal und düster. Überall sieht man Haare durch die Luft fliegen, auch mein Nacken bleibt nicht verschont. Ein sehr gelungener Auftritt.
… nicht nur dank ihrer Version von »Ace Of Spades«.

FJOERGYN (D)

Die Avantgarde Black Metaller Fjoergyn sind nicht mein Fall. Ich nutze meine auf eine Stunde geschrumpfte »Pause« für Steinpilz-Pappardelle und ein Radler – während meine Begleiter die Stellung halten.
Fjoergyn spielen planmäßig. Das Set der Band geht zügig an uns vorüber, obwohl sie eine volle Stunde spielen: Es ist ganz und gar nicht langatmig; dazu gesellt sich die Vorfreude auf Vreid.

VREID (N)

Ich bin genau rechtzeitig zurück um Vreid zu sehen. Sture und seine Mannen grooven sich durch die komplette Diskografie, von »KRAFT« (2004) über »PITCH BLACK BRIGADE« (2006) bis zu »V« (2011), sowie neuen Stücken vom diesjährigen »WELCOME FAREWELL« – hei Promoter, wieso habe ich das eigentlich noch nicht?

Von Anfang an keine Pause für den Nacken heißt es von 20 bis 21 Uhr bei Vreid: Black’n’ Roll ist angesagt und die Bühne in entsprechend spärliches grünes oder blaues Licht getaucht, eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre.

ENSIFERUM (FIN)


Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich Ensiferum schon gesehen habe. Unzählige Male auf finnischen Festivals, auf einigen deutschen und in Clubs wie dem (alten) Substage in Karlsruhe, gemeinsamen mit den fantastischen Chthonic, wo mir Markus Toivonen und Sami Hinkka ein spaßiges Interview gegeben haben. Doch heute lässt der Fünfer erstmals auf sich warten …

… mit gut 20 Minuten Verspätung kommen die Headliner Ensiferum auf die Bühne – und es ist genagelt voll im LKA. Die Band hat das Publikum von Anfang fest im Griff, nimmt es mit auf eine anderthalbstündige Reise durch die Bandgeschichte, von »IRON« (2004) bis »UNSUNG HEROES«(2012). Ich habe den Eindruck, die Jungs (und ihre Keyboarderin) wollen die Bühne nicht mehr verlassen, nachdem sie reichlich zum Bangen und zu Circlepits animieren.

FINSTERFORST (D)



Bei uns Fünfen macht sich so langsam Müdigkeit breit, die auch von Finsterforst nicht weggespielt werden kann. Sänger und Akkordeonist versuchen das stark dezimierte Publikum anzuheizen; teilweise gelingt ihnen dieses Kunststück. Der Mehrheit von uns ist ihre Session etwas zu langatmig, was aber auch an der fortgeschrittenen Uhrzeit und der Müdigkeit liegt.

Die Musik der Schwarzwälder Pagan Metaller trifft nicht wirklich meinen Geschmack; dafür haben sie sich aber redlich um die Fans bemüht – und ein Herz für (unglücklich) verliebte Jungs: Ein Besucher darf auf die Bühne, um seine Herzensdame wissen zu lassen, dass er sie über alles liebe. Wer nun auf einen Heiratsantrag spekuliert hat, wird enttäuscht: Mit den Worten »ich hoffe, dass alles wieder gut wird« verlässt er die Bühne.

Nach diesem schnuckeligen Festival sind wir müde aber zufrieden; endlich wieder auf einem schönen Konzert gewesen. So wie sich uns dieses noch junge Festival präsentierte, hat sich der Besuch gelohnt: Sehr gemütlich und nicht überlaufen, auch die Bands waren größtenteils schön anzusehen, luden zum Bangen und austoben ein.

Kompliment und Lob an die sehr motivierten, sympathischen Veranstalter, die trotz der erwähnten Widrigkeiten ein tolles Festival auf die Beine gestellt haben, danke!

© Fotos: natte, Text: natte / johnic

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