Home
Foto nordische Landschaft

14. Juli 2013

Eindringlich verlangsamt: Vök

Zurück aus dem Urlaub und gleich ins Festivalwochenende gestürzt: Noch die fröhlichen Sounds von French Films im Ohr und den überkandidelten elektronischen Dandy-Spielkram von When Saints Go Machine. Da freut man sich, dass es mit dem Phono Pop ein grundsympathisches und entspanntes Festival fast um die Ecke gibt, ein kleines Haldern Pop in Rüsselsheim, wie jemand wohlwollend am Rande bemerkte. Und das Ambiente im alten Opel-Werksbau hat ohnehin besonderen Charm!

Nach zwei langen Festivaltagen tut es gut, zur Dämmerstunde zur Abwechslung elegant verlangsamten, gleichwohl intensiven elektropoppigen Tönen lauschen: Vök etwa, einem jungen isländischen Duo aus der Hafnafjördúr. Die zwar hörbar auf den Spuren von The XX, James Blake oder Massive Attack wandeln, ihre programmierten Beats aber ungewöhnlicherweise mit echten Saxophonklängen kontrastieren. Sängerin Margret Rán Magnusdóttir legt ihre helle, traumverlorene Stimme über diese nachdenlich-loungigen Sounds und lässt sich alle Zeit der Welt, flüchtige Zustände zu erkunden, ohne dabei notwendigerweise zu einem Ergebnis kommen zu wollen. Mit Vök kann man sich auf entspannte Weise treiben lassen. Flanieren in Tönen, sozusagen. Was an blauen, stillen Sommerabenden bestens zur ferienleeren Stadt passt. Plötzlich tun sich im Alltag neue Räume auf.

Intensive Balladen wollen sie schreiben, kommen aber mit Tracks wie »Ég bíð þín« keinesfalls dunkel dräuend daher, sondern vielmehr licht und leichtfüßig. Der Track klingt verschleppt bittersüß, aber gleichzeitig latent geheimnisvoll. Andri Már Enoksson setzt dazu einfühlsame Saxophon-Kontraste. Der Track »Before« ist einfacher zugänglich. Auch, weil hier englisch gesungen wird. Ist clubtauglicher, kann sich aber eine eigenwillige Unbestimmtheit bewahren.

Vök, die erst Anfang des Jahres als Band zusammenfanden, haben in den wenigen Monaten ihres Bestehns schon einiges vorzuweisen: Im Frühjahr gewann das Duo auf Island den Nachwuchswettbewerb Icelandic Music Experiments, bei dem jedes Jahr um die 40 neue Bands antreten. Einer der Sieger der Vorjahre waren übrigens Of Monsters And Men! Das renommierte isländische Label Record Records hat Vök mittlerweile unter Vertrag genommen, die Debüt-EP soll noch in diesem Sommer erscheinen. Bleibt nur noch die Frage, was Vök eigentlich bedeutet: Ein ins Eis geschlagenes Loch, so heißt es. Passt!

Foto: Brynjar Gunnarsson

Die letzten 5 Beiträge von Eva-Maria Vochazer

Noch keine Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*
Bitte gib das Sicherheitswort auf dem Bild ein.
Anti-spam image